Deutlich ambivalenter ist die Bilanz, wenn es um die Frage geht, wie Gesellschaft und Sport mit dem Fall umgegangen sind. Denn die Schamfrist währte beschämend kurz. Der Fußball-Zirkus musste weitergehen: Den Spielern wurde wieder Leistung abverlangt, die Öffentlichkeit ging zur Tagesordnung über, rätselte wie eh und je darüber, warum es beim BVB nicht lief und ob der Trainer schuld sei.
Dass der Anschlag noch in den Köpfen arbeiten könnte, wurde kaum mehr thematisiert – auch nicht von Spielern und Verein selbst. Denn Schwäche, zumal psychische, einzugestehen, das ist im Fußball auch neun Jahre nach dem Suizid von Torwart Robert Enke nicht vorgesehen. Wenigstens im Prozess gab es ein paar Einblicke, flossen auch mal Tränen. Ein Lernprozess in der Liga steht aber leider immer noch aus.