Bislang agieren die linken Sammler unauffällig.
Wobei das nicht ganz stimmt. Immerhin hat es „aufstehen“ erst kürzlich in die Nachrichten geschafft. Als einige führende Mitlieder darüber öffentlich sinnierten, ob sie bei der Demonstration „unteilbar“ mitmarschieren sollten oder nicht. Manchem Aufstehenden passten bestimmte Demonstranten nicht und anderen fehlte die klare Schuldzuweisung für das Elend dieser Welt. Das Ergebnis: Einige Angehörige der Sammlungsbewegung liefen mit, andere ließen es bleiben.  Die Chance, sich als mögliche neue politische Kraft zu präsentieren, wurde jämmerlich vertan. Statt zu sammeln, wurde gespalten. In guter, alter, linkssektiererischer Tradition.
Das wäre einigermaßen egal, wenn sich nicht herausgestellt hätte, dass eine linke Sammlungsbewegung möglicherweise gebraucht wird. Denn wenn es mit der SPD so weitergeht, dann erleidet sie das Schicksal der französischen und niederländischen Genossen. Deren Parteien  sind bis zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft.
Wem sozialer Ausgleich in der Gesellschaft nicht egal ist, wer weiß, welche historische Bedeutung die SPD hat, dem kann ihr Niedergang nicht egal sein. Sahra Wagenknecht,  die Wortführerin von  „aufstehen“, freut es nach eigenem Bekunden keineswegs, wenn die SPD zerbröselt. Aber mit permanenter Kritik an anderen Linken, auch an denen in ihrer Partei, verhindert sie, dass in Zukunft eine ernstzunehmende Alternative bereitsteht.
Es ist gut möglich, dass in einem Jahr kein Mensch mehr von „aufstehen“ spricht. Schon jetzt gibt es zu viele Widersprüche und ein polarisierendes Spitzenpotenzial. Wenn die Partei  „Die Linke“ bei „aufstehen“ außen vor ist, kann man das Vorhaben wahrscheinlich bald vergessen. Dann fehlt es an Geld, Logistik und Erfahrung. Sahra Wagenknecht hat die Zerstrittenheit der linken Parteiführung in die neue Bewegung mitgenommen. Das wird sich rächen.