Wenn der 1. FC Union am Mittwoch bei RB Leipzig antritt, schließen die Berliner eine für sie überragende Hinrunde in der Fußball-Bundesliga ab. Bisher Platz 5 und 28 Punkte – das haben den Team von Trainer Urs Fischer nicht viele zugetraut. Was vor allem erstaunt ist die Bilanz gegen die Spitzenclubs. Noch gegen keine Mannschaft, die mit den Unionern unter den besten acht Teams in der Tabelle stehen, hat die Mannschaft in dieser Saison verloren.

Eiserne bisher ohne Niederlage gegen Spitzenteams

Und weil es so unglaublich erscheint, hier noch einmal zum Nachlesen: Mönchengladbach (1:1), Frankfurt (3:3), FC Bayern (1:1), Dortmund (2:1), VfL Wolfsburg (2:2) und Leverkusen (1:0). Da könnte sich natürlich in die Liste nun auch RB Leipzig einreihen. Gleichwohl stapeln sie bei den Eisernen immer noch gerne tief und hören das Wort „Augenhöhe“, auf der sich die Mannschaft mit dem jeweiligen Gegner befindet, nur ungerne.

Trainer Fischer lobt Leipzig als Meisterschaftskandidat

„Leipzig ist ein Topkandidat für die Meisterschaft, der Bayern-Verfolger Nummer eins. Das Team hat große Qualität, eine starke Physis, eine tolle Technik und Spielanlage“, sagte Trainer Urs Fischer am Montag. Kurzum eine „sehr gute Mannschaft“. So oder ähnlich klangen auch die Statements vor den anderen Spielen gegen die Spitzenteams. Beim Sieg über Leverkusen hatten Fischer und auch Geschäftsführer Oliver Ruhnert einen Klassenunterschied erkannt was Tempo, Ballbesitz und technische Qualität angingen – zumindest in der ersten Hälfte.

Unions Ergebnisse stimmmen

Gleichwohl bleibt der Fakt – die Ergebnisse der Köpenicker stimmen. Was Ruhnert ein „das ist sehr überraschend“ entlockt. Weil dies aber so ist und Fußball immer noch als Ergebnissport gilt, stehen die Unioner so glänzend da. Und erst auf Nachfrage lassen die beiden Verantwortlichen ein wenig ab vom beliebten Unterstatement und erklären, wo sie die Stärken und Gründe für den bisherigen Erfolg sehen. „Die mannschaftliche Geschlossenheit, die Mentalität und Einstellung, das die Mannschaft niemals aufgibt. Das sind schon Riesenqualitäten“, erklärt Ruhnert.

Fischer fordert Wachsein

So lassen sich auch Rückschläge verkraften wie gegen Eintracht Frankfurt, als einem 2:0-Vorsprung zum einem 2:3-Rückstand mutierte, der kurz vor Schluss noch egalisiert wurde. Dazu kommt das, was Fischer nun auch vor der Partie in Leipzig wieder fordert. „Wir müssen von der ersten Minute an hellwach sein.“ Das klappt erstaunlich oft, denn in den vergangenen 16 Spielen gingen die Berliner siebenmal binnen der ersten 20 Minuten in Führung.
„Wenn du nicht so bereit bist, nicht in die Duelle kommst und nicht so kompakt stehst, wie gegen Leverkusen gesehen, wird es unheimlich schwierig“, sagt Fischer, „aber wenn du dich traust, wenn du nach vorne gehst, wenn du die Zweikämpfe annimmst und den Mut mit Ball hast, etwas zu kreieren, dann ist etwas möglich.“ Und so verlässt der Trainer am Ende sogar ein bisschen die defensive Linie: „Ein Punkt gegen Leipzig wäre toll, aber eigentlich gehen wir in jedes Spiel, um es zu gewinnen.“

Hübner verletzt und Verein erwartet DFB-Post

Einer wird dann möglicherweise fehlen. Florian Hübner, ein Hauptprotagonist in der Affäre um Rassismusvorwürfe beim Spiel gegen Leverkusen, hat sich am Montag im Training verletzt und wurde zur Untersuchung in die Charité gebracht,. Sein Einsatz ist fraglich. Sicher ist, dass beide Vereine Post vom DFB erwartet, um sich zu den Äußerungen des Union-Verteidigers gegen Bayers Nadiem Amiri zu erklären. Der Ausgang ist offen, da sich, wie Vereinssprecher Christian Arbeit erklärte „der Anfangsverdacht von rassistischen Äußerungen“ noch bestätigen muss. „Das Ganze wird geklärt. Es beschäftigt uns alle und es geht Florian Hübner schon nahe“, meinte Fischer.
"Natürlich erwartet man, dass, wenn so ein Vorwurf erhoben wird, dieser belegt werden kann. Bisher hat niemand etwas Derartiges tatsächlich selber gehört", meinte Arbeit und ergänzte: "Wenn es jemanden geben sollte, dann möge er sich melden." Gemeint ist die Äußerung „Scheiß Afghane“, die Amiris Mitspieler Jonathan Tah bei einem TV-Interview Hübner vorwarf, ohne es selbst gehört zu haben.
Zudem wird nun auch gegen dessen Teamkollegen Cedric Teuchert ermittelt. Es bestehe laut einer DFB-Mitteilung der Verdacht, dass Teuchert, der am Freitag das Siegtor erzielte, während des Spiels "mit zwei geäußerten Sprüchen gegen die Vorgaben der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung verstoßen" habe.