"Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schön das für alle in diesem Verein ist, dass Ihr heute hier sein könnt. Vielen Dank fürs Kommen", sagte Stadionsprecher Christian Arbeit vor der Testpartie von Fußball-Bundesligist 1. FC Union Berlin gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Mit „Ihr“ meinte er die 4500 Zuschauer, die den 2:1-Erfolg in der Alten Försterei gegen die Franken verfolgen durften. Dass die Köpenicker mit einer ansprechenden Leistung dank zweier Tore von Marcus Ingvartsen bei einem Gegentreffer von Nikola Dovedan siegten, war eigentlich Nebensache.

Wiedersehen von Fans und Mannschaft nach 187 Tagen

Wichtiger war die Tatsache, dass nach 187 Tagen Union-Fans und Mannschaft wenigstens teilweise wieder vereint waren. Und da ging es schon emotional zu. „Ich habe einfach eine Gänsehaut“, erklärte etwa Mike Hübner aus Grünheide, der normalerweise jedes Spiel der Eisernen live verfolgt. Auf Ehrenrunden vor dem Warmmachen und nach dem Spiel feierten sich Fans und Team gegenseitig.
Viel wichtiger, als der Sieg im letzten Test vor dem Pflichtspielstart am Sonnabend im Pokal beim Karlsruher SC war aber eines: Hielt das Hygienekonzept des Vereins und die Zulassung von Stehplätzen den Anforderungen und behördlichen Vorgaben des Gesundheitamtes Treptow-Köpenick stand? „Es war ein ganz wichtiger Tag für uns. Es war wichtig zu zeigen, dass beides möglich ist: Menschen zusammenkommen zu lassen und trotzdem auf den Infektionsschutz zu achten. Ich bin stolz darauf, dass die Unioner den Beweis dafür angetreten haben, dass das Vertrauen gerechtfertigt war“, sagte Club-Präsident Dirk Zingler.

Positive Rückmeldung zum Hygienekonzept

Die Rückmeldung aus dem Bezirksamt war in jedem Falle positiv. „Der 1. FC Union hat die hygienerelavanten Vorgaben hervorragend umgesetzt“, hieß es in einer Mitteilung. Überzeugend waren das Einhalten der Abstandsregeln, für dessen Einhaltung auch Ordner sorgten, das Wegeleitsystem am Eingang und Ausgang. Besonders beeindruckt war man von Amtes wegen aber von dem Verhalten der Fans, die alle Maßnahmen annahmen und die Hygieneregeln einhielten. „Alle Plätze sind nummeriert und personalisiert. Wir wissen genau, wer um wen herumgestanden hat“, sagte Zingler. Hier herrsche kein Risiko, sondern das Risiko herrsche im Alltag. In der Familie, bei der Arbeit.
Zingler sah die Partie gegen Nürnberg auch als Signalwirkung für die Zukunft. „Wir haben im kleinsten Bundesliga-Stadion den Beweis angetreten, dass es geht. Ich würde mir wünschen, dass es auch in größeren Stadien möglich wäre. Ich hoffe, dass das ein Auftakt ist, auch mal neu zu denken, dass beides geht: Infektionsschutz und Veranstaltungen.“ An dem Konzept des Vereins, dass durch Präventiv-Tests eine mit 22.012 Zuschauern eine ausverkaufte Alte Försterei ermöglichen soll, will Zingler festhalten.

Kampf um Stehplätze

Der Bundesliga-Start gegen den FC Augsburg am 19. September soll vor 5000 Fans ausgetragen werden. Auch deshalb war der Test gegen Nürnberg wichtig, um zu zeigen, dass es auch auf Stehplätzen möglich ist, Menschen mit Abstand zu platzieren. Hintergrund sich die lediglich 3617 Sitzplätze die es im Stadion gibt. Sie könnten aufgrund der Abstandsregeln nicht komplett genutzt werden. Aber nach dem DFL-Hygienekonzept sind bisher nur Sitzplätze nutzbar. „Wir werden unsere Stehplätze nicht kampflos hergeben“, sagte Zingler. Union denkt darüber nach, bei der DFL eine Sondergenehmigung zu beantragen.