Wenn die Fußballer des 1. FC Union Berlin am Sonnabend beim FC Augsburg in die Rückrunde der Bundesliga starten, sind die Erinnerungen an die Fuggerstadt durchaus angenehm. Schließlich haben die Hauptstädter dort am 2. Spieltag der vergangenen Saison beim 1:1 ihr erstes Tor erzielt und ihren ersten Punkt in der Beletage des deutschen Fußballs gesammelt. „Das war damals wichtig, nach einem unerfreulichen ersten Spiel (0:4 gegen RB Leipzig, die Red.) in der Liga anzukommen. Der Punkt hat uns geholfen, die Saison so zu spielen, wie wir sie gespielt haben.“

Union ist kein Novize mehr

Inzwischen sind die Voraussetzungen ganz anders. Union ist schon im zweiten Jahr nicht mehr der Novize. Die Mannschaft hat eine bärenstarke Hinrunde mit 28 Punkten gespielt und sollte dennoch gewarnt sein. „Die Augsburger haben gegen den FC Bayern in der zweiten Hälfte bewiesen, wie stark sie sind“, sagt Union-Trainer Urs Fischer. Und fügt hinzu: „Lasst uns die Rückrunde besser starten als die Hinrunde.“ Da kassierten die Eisernen gegen den FCA (1:3) ihre einzige Heimniederlage der Saison.

Augsburger Amtshilfe

Ansonsten sind die Verbindungen zwischen beiden Vereinen im Profigeschäft nicht alltäglich. Normalerweise bewirten sich die Anhänger bei ihren jeweiligen Besuchen gegenseitig, inklusive Stadtführung. Dies fällt in Coronazeiten flach. Immerhin haben 25 Mitarbeiter des Augsburger Sport- und Bäderamtes dafür gesorgt, dass der Trainingsplatz der Köpenicker vor Ort von den Schneemassen der vergangenen Tage befreit wurde. Gibt es auch nicht immer. Entsprechend zufrieden zeigt sich Union-Trainer Urs Fischer. „Wir haben wirklich beste Bedingungen für die Vorbereitung.“

Gikiewicz lobt Union und Trainer Fischer

Einen alten Bekannten hat er allerdings nur kurz gesehen. „Wir haben uns im Hotel getroffen und zwei, drei Sätze gewechselt.“ Die Rede ist von Rafael Gikiewicz. Die eiserne Torwart-Ikone spielt seit Saisonbeginn beim FC Augsburg und schwärmte vor der Partie gegen die alte Liebe von deren bisherigen Saisonverlauf. "Für mich ist das keine so große Überraschung. Sie haben Qualität. Sie holen, aus meiner Sicht, wichtige Spieler wie Knoche und Kruse. Und ich habe schon während meiner ersten Saison bei Union gesagt: Der beste Transfer ist einfach Urs Fischer." Der so Gelobte blieb am Freitag bescheiden. „Es freut mich, wenn er das gesagt hat, aber es gab ja auch noch andere gute Transfers.“

Schlotterbeck ersetzt wohl Hübner

Personell muss er in der Abwehrkette umstellen. Für Florian Hübner wird wohl der wiedergenesene Nico Schlotterbeck spielen. Hübner ist nach seiner Zwei-Spiele-Sperre sowie 20.000 Euro Geldstrafe wegen "unsportlichen Verhaltens", wie das DFB-Sportgericht festhält, gegen Leverkusens Nadiem Amiri, bereits wieder in Berlin und trainiert in der Wuhlheide. Das Wichtigste für den 29-Jährigen ist, dass der Nachweis einer rassistischen Äußerung nicht erbracht wurde. „Wichtig ist, dass der Vorwurf vom Tisch ist. Auch für ,Hübi’, sein Umfeld und seine Familie, aber auch für uns als gesamten Verein. Das Thema ist erledigt“, sagte Fischer.

Allerdings bleiben Fragen

Nur wenn es tatsächlich Beleidigungen auf beiden Seiten gegeben hat, warum wurde dann nur gegen Hübner ermittelt? Und was ist mit Jonathan Tah, der den Rassismusvorwurf in Umlauf gebracht hatte? Andererseits, wenn es sich nur um verbale Scharmützel gehandelt hat, wie sie jede Woche auf den Bundesliga-Fußballplätzen vorkommen, warum haben der Unioner und der Verein dann die Strafe so klaglos akzeptiert? Von Sticheleien des Vereinspräsidenten Dirk Zingler in Richtung Leverkusen („Sich dafür öffentlich zu entschuldigen, zeugt von Größe und Verantwortungsbewusstsein. Beides hätte ich mir auch von der anderen Seite gewünscht.") einmal abgesehen. Dies können nur die Berliner beantworten.