Der 1. FC Union Berlin ist in der Fußball-Bundesliga so richtig im Flow. Die Köpenicker sind nach dem 5:0 am Sonnabend gegen Arminia Bielefeld nun schon seit sechs Partien in Serie ungeschlagen und haben einen überragenden Rekordspieler in ihren Reihen. Hier die Partie im Check.

Die Vorgeschichte

Beim 1. FC Union, seit Partien ungeschlagen und gegen den Aufsteiger favorisiert, stand Marius Bülter nicht im Kader. Der Offensivspieler ist positiv auf Covid-19 getestet worden und befindet sich in häuslicher Quarantäne. Bei seinen Mitspielern waren die Tests indes alle negativ. Und dann sind da noch die Fans der Eisernen. Wieder gab es eine kleine aber lautstarke Gruppe, die ihr Team hinter der Waldseite feierten und dabei fast das gesamte Liedgut der Unioner zu Gehör brachten.
Mit Arminia Bielefeld kommt gleich ein Trio mit Berliner Vergangenheit zurück. Unions Rekordtrainer Uwe Neuhaus, der die Eisernen zwischen 2007 und 2014 in sieben Spielzeiten betreute, würde sich dabei wohl ebenso diebisch über einen Erfolg an alter Wirkungsstätte freuen wie Offensivspieler Marcel Hartel, der zu den Aufstiegshelden 2019 gehörte. Und auch der von Lokalrivale Hertha BSC ausgeliehene Arne Maier dürfte dem alten Rivalen gerne einen einschenken.

Die Lage

Es war die erste Partie beider Mannschaften in der höchsten deutschen Spielkasse gegeneinander. In der 2. Liga hatten die Unioner eine positive Bilanz mit sechs Siegen, drei Niederlagen und neun Remis. Die vergangenen vier Partien endeten im Übrigen alle 1:1. Diesmal lief es noch besser. Mit dem Erfolg gegen die Bielefelder kletterten die Berliner vorübergehend auf Platz 4 in der Tabelle, während Bielefeld auf Rang 15 verharrt.

Die Tore

1:0 (3.) Keita Endo, nachdem Kruse auf rechts Becker bedient, braucht der Japaner den Ball nach dessen Querpass nur noch an Ortega vorbei einzuschieben.
2:0 (13.). Robert Andrich, der den Angriff selbst einleitet mit seinem Pass auf Kruse und den Ball nach dessen Querpass per Direktabnahme in den Torwinkel jagt.
3:0 (45.) Sheraldo Becker, wird von Kruse in Szene gesetzt und verlädt dann Torwart Ortega mit einem Schuss ins kurze Eck.
4:0 (52.) Kruse, verwandelte einen von Pieper an Gogia verwirkten Foulelfmeter
5:0 (89.) Teuchert vollendet nach einem feinen Außenrist-Pass von Gogia

Die Startelf und Taktik

Unions Trainer Urs Fischer ließ sein Team in der bewährten 4-2-3-1-Aufstellung auflaufen. Offensivmann Marcus Ingvartsen, Sechser Grischa Prömel (beide muskuläre Probleme) und Stürmer Anthony Ujah (Knieverletzung) standen weiterhin nicht zur Verfügung. Dafür rutschte ein Quartett gegenüber dem Sieg in Hoffenheim in die Startelf. Superjoker Pohjanpalo bekam eine Chance von Anfang an, ebenso wie der Japaner Keita Endo. Sheraldo Becker und Kapitän Christopher Trimmel kehrten ins Team zurück.
Bielefelds Coach Neuhaus stellte nach dem 0:2 gegen Borussia Dortmund vom einem defensiven 5-3-2 auf ein eher offensives 4-3-3-System um. Zudem tauschte er dreimal. Anstelle von Joakim Nilsson, Anderson Lucoqui und Sven Schipplock spielten Jacob Laursen, Ex-Herthaner Arne Maier und Angreifer Cebio Soukou.

So lief die Partie

Die bärenstark beginnenden Unioner legten einen echten Blitzstart hin. Nach 13 Minuten hatten sie die überfordert wirkenden Bielefelder zweimal ausgekontert. Für den Japaner Keita Endo war es der Debüttreffer in der Bundesliga, für Robert war es nach dem Treffer gegen Freiburg Saisontor Nummer 2. Der auffälligste Berliner war aber Max Kruse. Der zentral offensiv agierende, aber doch überall auftauchende Ex-Nationalspieler bereitete beide Treffer vor und war von den Ostwestfalen nie zu stellen. Tragische Figur der ersten Hälfte war Endo, denn nach 20 Minuten musste der Japaner mit einer Oberschenkelblessur durch Akaki Gogia ersetzt werden. Danach verflachte die Partie ehe der überragende Kruse kurz vor der Pause mit seinem dritten Assists brillierte und der bediente Becker zum verdienten Pausenstand vollendete. Zwei der vier Neuen trafen, da hat Trainer Fischer ein glückliches Händchen bewiesen.
Neuhaus reagierte und brachte für die enttäuschenden Maier, Hartel und Soukou nach dem Wechsel Seiffert, Yabo und Kunze. Mit wenig Erfolg, denn die Unioner knüpften an ihre starke Vorstellung vor der Pause an und Kruse durfte seine überragende Leistung mit seinem 16 verwandelten Elfmeter im 16. Versuch in der Bundesliga krönen. Eine Rekord, das hatte vor ihm Bundesliga-Rekord, das hatte vor ihm nur Hans-Joachim Abel (Schalke, Bochum, Düsseldorf) geschafft. Der Rest ist schnell erzählt. Union war jederzeit Herr der Lage, die Gäste waren froh, dass das Martyrium irgendwann vorüber war. Das war es erst nach dem 5:0 durch Teuchert, der den höchsten Union-Sieg in der Bundesliga markierte.

Die Stimmen

„Das 1:0 hat uns in die Karten gespielt. Fußballerisch verstehe ich mich mit Max Kruse sehr gut. Beim 2:0 wollte er mir mal etwas zurückgeben.“ Robert Andrich (1. FC Union)
„Alles ist schiefgegangen. Das war eine Katastrophe von der 1 bis zur 90. Minute. Wir haben auf die Fresse bekommen, vielleicht hilft es, aber so geht es nicht weiter.“ (Fabian Klos, Arminia Bielefeld).
„Wir haben unsere Zielstellung im Kopf,die heißt Klassenerhalt, den haben wir noch lange nicht erreicht. Dann können wir über mehr reden. Mit den 90 Minuten bin ich zufrieden, weil das Team über die gesamte Zeit immer organisiert gezeigt hat und nie aufgehört.“ (Urs Fischer, Trainer 1. FC Union Berlin)
„Mit dem 3:0 war alles gelaufen. Am liebsten hätte ich alle Spieler ausgewechselt. Danach war alles nur noch Staffage.“ (Uwe Neuhaus, Trainer Arminia Bielefeld(

Die Statistik

Union Berlin – Arminia Bielefeld 5:0 (3:0)
Union Berlin: Luthe - Trimmel, Friedrich, Knoche, Lenz - Gentner (73. Greisbeck), Andrich - Becker (82. Maciejewski), Kruse (82. Teuchert), Endo (20. Gogia) - Pohjanpalo (73. Awoniyi).
Arminia Bielefeld: Ortega - Brunner, Pieper, van der Hoorn, Laursen - Prietl, Maier (46. Yabo), Hartel, Doan (82. Cordova), Soukou (46. Kunze) - Klos (88. Schipplock).
Tore. 1:0 Endo (3.), 2:0 Andrich (13.), 3:0 (Becker (45.), 4:0 (52.) Kruse, Foulelfmeter, 5:0 (89.) Teuchert – Schiedsrichter: Jönnerbeck (Freiburg) - Zuschauer: keine

So geht es weiter

Für die Unioner steht am 21. November (18 Uhr) die Auswärtsfahrt zum 1. FC Köln, während die Bielefelder am Tag zuvor um 15.30 Uhr mit Bayer Leverkusen einen schweren Gegner erwartet.