Neun Tage später konnte er in der Hohen Neuendorfer Stadthalle dann wieder lächeln. Denn beim "Landgasthaus Borgsdorf-Cup" war der FC 98 Hennigsdorf Zweiter geworden. Mit immerhin sieben Akteuren, die sich zuvor in Hennigsdorf so blamiert hatten. Und in Hohen Neuendorf war der Hennigsdorfer Phillipp Frenz dann sogar noch als bester Spieler ausgezeichnet worden. Vom Hallen-Versager zum Hallen-Fuchs? Und das innerhalb einer Woche? Wie ist das möglich?
"Ja, wie erklärt man das? Es ist schon ein Phänomen. Aber den eigentlichen Hallenfuchs, wie es früher zum Beispiel der Veltener Mayk Goschin war, den gibt es ja gar nicht. Heute wird in der Ausbildung viel mehr Wert auf Schnellkraft, Zweikampfstärke und Zweikampfhärte gelegt", versucht Falk Franke zu erklären. Und er sieht in der Halle auch die Tatsache, "dass man da als Brandenburgligist schon mal gegen einen Kreisligisten verlieren kann. Man liegt zurück, macht auf und bekommt prompt wieder einen Gegentreffer. Ein bisschen Unterschätzung des Gegners ist vielleicht im Hinterkopf auch noch dabei", sagt der FC 98-Coach. Und ergänzt noch: "Für uns ist die Halle Abwechslung in der langen Winterpause."
Frankes Torhüter Patrick Bobermin ist einer derjenigen, die Spaß in der Halle haben. Er stellte sich gern noch nach Abschluss des Turniers in Hohen Neuendorf in das Gehäuse, als im Neunmeterschießen der beste Torschütze ermittelt wurde. Zwar konnte er keinen der sechs Schüsse parieren, aber er war immer nah dran. "Als Torwart hast du es in der Halle bei den Schüssen leichter als auf dem Rasen. Das Tor ist ja kleiner als draußen. Wenn du in die richtige Ecke springst, dann kannst du den Ball auch halten. Draußen ist in dem über sieben Meter breiten Kasten noch mehr Platz für den Schützen, wenn er genau in die Ecke schießt", so Bobermin.
Von ausgesprochenen Hallen-Spezialisten will auch der Kapitän des in Hohen Neuendorf erfolgreichen FSV Forst Borgsdorf, Robert Lorz, nichts wissen. "Bei uns wird nicht speziell für die Hallenturniere trainiert. Wir spielen aber auch draußen viel auf dem Kleinfeld. In der Halle ist es wichtig, dass man als kleines Team zusammenhält, dass jeder versucht, den Fehler des anderen wieder zu korrigieren. Wir kennen und verstehen uns alle gut. Das ist wohl auch in der Halle unsere Stärke", sagt der 29-Jährige, der seit über vier Jahren bei Forst spielt.
Worauf es beim Kicken unter dem Dach ankommt, darüber hat sich auch Blau-Weiß Hohen Neuendorfs Trainer Marijan Reeder seine Gedanken gemacht. Für den Coach des Berliner Landesligisten zählt vor allem die Disziplin, eine sichere Defensive und das richtige und schnelle Wechseln. So fährt Blau-Weiß zu den Turnieren stehts mit einem Zehn-Mann-Kader. "Wir haben dann acht Feldspieler, einen Torhüter sowie jemanden dabei, der beides spielen kann. Das ist bei uns der Joker. Gewechselt wird dann bei uns jeweils mit festen Partnern. So gibt es kein Durcheinander."
Ein großes Plus sieht Reeder in einem mitspielenden Keeper. Es sei von großer Bedeutung, dass der Schlussmann auch mit dem Leder umgehen kann. "Der Torhüter wird in der Halle sehr oft in das Spiel mit eingebunden und muss den Ball nicht selten unter Bedrängnis von hinten heraus spielen." So ist es nicht verwunderlich, dass Marijan Reeder in den vergangenen Jahren mit Carsten Schmidt auch schon mal einen Feldspieler zwischen die Hohen Neuendorfer Pfosten stellte.
Darauf angesprochen, welcher Akteur ihn bei Turnieren in Oberhavel in den vergangenen Jahren am meisten überzeugt hat, tut sich Reeder schwer. Altlüdersdorf habe seiner Meinung nach immer einige gute Spieler dabei. Auf einen Namen festlegen will er sich jedoch nur bei Miguel Unger von Brandenburgligist Oranienburger FC Eintracht. "Er hat uns vor einem Jahr schon sehr verzaubert. Zwar habe ich ihn seit gut einem Jahr nicht mehr gesehen, aber er wird sicher nicht schlechter geworden sein - gerade bei solch einem guten Trainer wie Hans Oertwig."