Per Beschluss des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) und per Minister-Befehl wurden die Sektionen Fußball aus den Sportclubs herausgelöst und erhielten eine Sonderstellung im damaligen Leistungssportsystem der DDR. Erklärtes Ziel war, das Oberliga-Niveau zu heben, den Spitzenfußball gezielter zu fördern und international wettbewerbsfähiger zu machen.
Die Armee-Mannschaft war 1951 als SV Volkspolizei Vorwärts in Leipzig gegründet und zwei Jahre später nach Berlin verlegt worden. Mit der Umbenennung von ASK Vorwärts (1957) in FC Vorwärts erlebte sie 1966 bereits ihren neunten neuen "Namenstag".
Die Berliner galten in den 1960er-Jahren als technisch starkes Team, holten im Jahr der FC-Gründung ihren fünften DDR-Meistertitel. Im "Endspiel" gegen Jena dabei waren unter anderen Zulkowski, Kalinke, Unger, Körner, Piepenburg, Nöldner, Begerad, Wruck und Großheim. "Der überragende Jürgen Nöldner entschied mit dem 2:0 die Partie", erinnert sich Jürgen Großheim. "Jenas Trainer Georg Buschner war hinterher sauer, nahm mit der Mannschaft nicht am gemeinsamen Abschiedsessen teil." Horst Wruck durfte die beiden letzten Saisonspiele mitmachen. "Das kam doch etwas überraschend, denn da war ich gerade mal 19 Jahre alt", erinnert er sich. Die FC-Gründung am 18. Januar selbst fand im VEB Elektrokohle Berlin statt. "Mit dem Sänger Frank Schöbel", weiß der 73-jährige "Bummi" Großheim, später selbst Oberliga-Trainer der Rot-Gelben, zu berichten. Er glaubt, dass mit der Clubgründung dem DDR-Fußball ein höherer Stellenwert eingeräumt wurde. Zur Weltklasse wie in anderen Sportarten reichte es dennoch nicht.
Gut erinnern an die "Metamorphose" des ASK zum FC Vorwärts kann sich noch Klaus Lange. Kein Wunder, wurde er doch am 1. Mai 1966 der erste Leiter des neuen Clubs. "Die Führung wurde direkter, straffer", urteilt der mittlerweile 86-Jährige. Gravierender Unterschied zu vorher: "Das Gros der Mannschaft und das Umfeld zogen jetzt schrittweise von Strausberg nach Berlin-Wilhelmsruh um. Und ab sofort hatten wir im Jahn-Sportpark an der Cantianstraße das Sagen, waren nicht mehr Stadion-Gäste des TSC Berlin." Den letzten Standortwechsel und die letzte Namensänderung nach politischem Ränkespiel vollzog der FCV 1971: von der DDR-Hauptstadt Berlin in die Provinz nach Frankfurt (Oder).
"Die Mannschaft wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und ohne plausible Begründung verpflanzt", beklagen Jürgen Nöldner, Otto Fräßdorf und Jürgen Piepenburg noch heute. Nöldner, Rekord-Oberligaspieler des FCV (285 Einsätze/ 90 Tore) und "Fußballer des Jahres 1965/66" sagt: "Die Identifikation fehlte. Der Club hatte seinen Reiz und seine Anziehungskraft verloren. Nur wer durch den Wehrdienst musste und sich noch wenigstens fünf Jahre verpflichtete, durfte für den FCV spielen. Das Ende der Ära in Rot-Gelb begann sich abzuzeichnen. Vorwärts verlor nach und nach seine besten Spieler und damit seinen Glanz der Sechziger-Jahre."
Die Verlegung des FCV fast gleichzeitig mit insgesamt acht Sportmannschaften des Armeesportklubs nach Frankfurt hat der Stadt, die ein solides Umfeld schuf, über 20 Jahre einen Image-Gewinn gebracht. Sie hat den Fußballfans in der Oderregion Oberliga- und Europapokal-Kost gegen TopMannschaften wie Juventus Turin, VfB Stuttgart, Werder Bremen und PSV Eindhoven serviert. Sportlich aber war die Umsiedlung fatal, es ging bergab. Nur zweimal standen die Rot-Gelben noch im Pokal-Finale, wurden einmal Vizemeister (1983), mussten aber dreimal absteigen (1978, '88 und '90/91).
"Der Club war weder in Leipzig noch in Berlin oder Frankfurt bodenständig", konstatiert Klaus Lange in der Rückschau bitter. "Der FC Vorwärts war wie der ASK Frankfurt eine Armee-Dienststelle mit Schlagbaum und Wachthabenden am Eingangstor. Es galten die Gesetze der Armee. Der unmittelbare Kontakt mit den Frankfurtern war nur bedingt möglich." Und doch gibt es eine ganze Reihe von ehemaligen Spielern und technischen Kräften mit ihren Familien, die am Oderufer "hängengeblieben" sind.
Nach der Wende wurde der FC Vorwärts wie die Nationale Volksarmee schrittweise abgewickelt, in einen zivilen Verein mit neuem Namen, aber ohne große Lobby überführt. Deshalb spielt das Kalenderblatt 1966 in Frankfurt (Oder) auch kaum eine Rolle. Auch nicht beim 1. FCF, der sich 2012 nach Fusion mit dem MSV Eintracht gegründet hat. Er versteht sich als direkter Nachfolger des FC Viktoria 91 und des Frankfurter FC Viktoria (1992), pflegt aber keine FC-Vorwärts-Tradition.
Einige Ehemalige jedoch halten die rot-gelbe Fahne noch hoch. "Wir wollen, dass der FC Vorwärts in der Stadt, in der Region bekannt bleibt", sagt Gerd Schuth und organisiert jährlich ein Spiel des Traditions-Teams. Sechs Vergleiche fanden im Stadion der Freundschaft statt, drei auf Sponsorgeheiß bei Blau-Weiss Markendorf. Das 10. Frankfurter Fußballfest am 11. September steht fest im Kalender - nur der Spielpartner für den Tag wird noch gesucht.
Auch der vor zwei Jahren gegründete Verein "FC Vorwärts Frankfurt (Oder)" will die Tradition pflegen, wird aber mit nur rund 20 Mitgliedern und einigen Sympathisanten in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und wirksam. Ausgenommen das jüngste, das 4. Neujahrsturnier für jüngere Traditions-Teams. Eine Spendenbox erbrachte 454 Euro für die Aktion "Schülerfrühstück" der Frankfurter Arbeitsloseninitiative.
Nach sechs Meistertiteln treffen sich die "Alt-Berliner" jährlich am ersten Dezember-Freitag im "Haus Berlin". Anlass ist der zweite, glanzvolle 4:2-Pokalsieg gegen den 1. FC Lok Leipzig 1970 und der "Marschbefehl" ein Jahr später an die Oder. Die Frankfurter hingegen haben auf Initiative von Horst Wruck seit Jahren ihren eigenen Ehemaligen-Treff immer am ersten Freitag im März. "Das ist keine Gegenveranstaltung zu Berlin, aber Wiedersehen macht auch nach 45 Jahren in Frankfurt Freude und Freunde." Die Clubgründung vor 50 Jahren spielt dabei keine Rolle mehr.