Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach. Er sucht sich ein Gewässer in Brandenburg, packt seine Angelausrüstung und ein Boot zusammen, nimmt seine Kamera und meistens ein bis zwei Freunde mit und filmt sich, wie er versucht, unter verschiedensten Voraussetzungen Fische zu fangen. Die Videos sind für Anfänger und geübte Angler gleichermaßen gedacht und haben Titel wie "Zander selber fangen und richtig zubereiten", "Was ist die perfekte Angelrute für dich" und viel Action bei "Mit Pose und Köderfisch auf Tiefsee-Giganten." Und sie sind überaus erfolgreich – seine 139 Videos wurden bereits mehr als acht Millionen Mal geklickt.

Dabei hat er sich eigentlich eine Zeit lang dagegen gesträubt, eine Kamera mit ans Wasser zu nehmen. Doch über einen Nebenjob in einem Angelladen lernte er den Lindower Victor Eras kennen. Der 39-Jährige ist mit seinem Kanal "Ich geh Angeln" der erfolgreichste Youtuber in diesem Bereich und hat auch eine eigene Sendung auf DMAX. Nachdem Maximilian Murawski in einigen Videos zu sehen war, bekam er viel Zuspruch für einen eigenen Kanal. "Ich wollte das erst nicht, weil ich bei Victor das Gefühl hatte, dass es ihm mehr ums Filmen als ums Angeln geht. Und ich bin Angler und kein Videoproducer." Doch der Bernauer war schnell erfolgreich und kann gut davo leben. Mittlerweile ist die Kamera auch bei jedem Angelausflug dabei. "Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so gar nichts gefilmt habe. Ich poste immer mindestens etwas bei Instagram."
Dort folgen dem 24-Jährigen mehr als 42 000 Menschen, zudem hat er 70 000 Abonnenten auf seinem Youtube-Kanal und das, obwohl er lediglich geplant hatte, die Videos neben dem Studium weiter zu veröffentlichen. Mittlerweile erscheinen ein bis zwei pro Woche. "Es ist immer wieder krass, wenn andere von ihren Jobs erzählen und im Krankenhaus arbeiten oder Häuser bauen und ich denke mir: Ich geh angeln und filme mich dabei. Da fühlt man sich schon komisch und es kommt einem vor, als hätte man keinen richtigen Job."
Dabei hat er aber auch immer wieder Zweifel, wie lang das alles noch funktioniert. "Es läuft zwar gerade gut, aber man denkt sich auch, dass alles schnell vorbei sein kann, und was dann? Ich bin gerade erst umgezogen, habe mir ein Auto gekauft. Die Kosten hatte ich vorher nicht, als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe." Die waren von der Ideeeines Youtube-Kanals am Anfang nicht so sehr begeistert, da er dafür sein Studium abbrach. "Aber meine Mutter ist jetzt zum Beispiel mein größter Fan, obwohl sie gar nicht angelt. Sie guckt alle Videos, liest alle Kommentare und schaut auch alle Videos von Leuten, mit denen ich mal was zusammen gemacht habe." Jetzt aufzuhören ist für ihn keine Option. "Einen normalen Job kann man immer noch irgendwann machen."
Aktuell läuft es so gut, dass er selbst im Winterurlaub in Norwegen erkannt wird. "Da kam eine ältere Dame und meinte, dass ihr Enkel mich gesehen hätte und hat gefragt, ob wir ein Foto machen können. Da haben auch dieFreunde meiner Eltern gestaunt", erzählt er lachend. Doch so ganz wohl fühlt er sich in der Rolle des Prominenten nicht. "Ich würde mich niemals als Promi bezeichnen, aber für jüngere Zuschauer sind Youtuber mittlerweile Promis, auch wenn es ein anderes Level ist. Das ist mir fast ein bisschen unangenehm, aber auch irgendwo schön." Dabei könnte er sich auch gut Tipps von Rapper Marteriaholen, mit dem der Bernauer bereits einige Male unterwegs war.
Trotz seines Erfolgs ist das Filmen beim Angeln nicht bei allen so beliebt. So wurde bereits bei einem seiner Kollegen das Auto zerkratzt. "Ich versuche immer den Ort nicht zu verbrennen und zu sagen: Kommt hier genau her und macht dies oder jenes, weil die Seen in Brandenburg nicht die entsprechenden Bestände haben. Wenn viele Angler da sind, merken das die Fische und hauen ab." Naturschutz liegt dem 24-Jährigen sehr am Herzen. "Ich wollte früher Meeresbiologe werden, bis ich gemerkt habe, was man alles machen muss, um Biologie zu studieren."  Dennoch findet er: "Jeder Angler sollte dafür sorgen, und das ist auch für das Ansehen der Angler wichtig, dass die Gewässer sauber und Bestände nicht nur erhalten bleiben, sondern auch besser werden." Auch wenn es seiner Meinung nach oft schwierig ist, Angler und Naturschützer zusammenzubringen, da Letzterer laut ihm den Menschen häufig ausschließen will.
Ganz so drastisch sieht es Dr. Detlef Knuth vom Naturschutzbund Brandenburg aber nicht. So gäbe es zwischen Anglern und Nabu seit Jahren eine gute Zusammenarbeit. "Wir werden demnächst eine  noch stärkere Zusammenarbeit haben, denn wir werden durch die Klimaveränderungen ein Wasserdefizit in großem Ausmaß bekommen." Grundsätzlich führt das Angeln aber nicht zu einer Beeinträchtigung eines Gewässers. "Es kann aber zum Problem werden, wenn Müll hinterlassen wird. Auch die bloße Präsenz kann ein Problem sein, wenn Vogelarten dort brüten und wenn mit Köderfischen gearbeitet wird, können diese bestimmte Krankheiten ins Gewässer tragen und den Bestand verändern", erklärt der 69-Jährige. Zwar gäbe es bereits gute Schulungen vom Angelverband, doch "es hängt immer vom Angler ab, der ja eigentlich ein naturverbundener Mensch ist, ob er das auch annehmen will".
Wissen vermitteln will zukünftig auch Maximilian Murawski. Er plant im kommenden Jahr eine Art Online-Angelschule. "Dort mache ich Anfängervideos für jemanden, der von vornherein noch keine Ahnung hat. Wenn man schon Vorwissen hat, kann man manche Videos überspringen, aber dort bekommt man als absoluter Einsteiger alles erklärt."
Mehr zu dem Thema Angeln zu hören gibt es in "Dit is Brandenburg", dem Podcast der Märkischen Oderzeitung.

So darf man in Brandenburg angeln gehen


Wenn man in Brandenburg angeln möchte, muss man zunächst unterscheiden, ob man Fried- oder Raubfische fangen will.

Friedfische sind unteranderem Karpfen und Barben. Dazu ist kein Angelschein oder eine spezielle Prüfung nötig. Man braucht lediglich einen Fischereierlaubnisschein, die sogenannteAngelkarte, und muss die Zahlung einer Fischereiabgabe nachweisen können. Zu empfehlen ist dabei, beides in einem Angelladen in der Nähe des Gewässers zu kaufen. Die Kosten variieren hierbei von Gewässer zu Gewässer.

Raubfische wie Zander, Hechte und Barsche dürfen in Brandenburg nur geangelt werden, wenn ein Fischerei-schein vorhanden ist. Dazu gilt es, Theoriekurse zu absolvieren und eine Fischer-prüfung abzulegen. Aus 600 Fragen werden 60 ausgewählt, von denen 45 richtig beantwortet sein müssen.Die Kosten belaufen sich auf rund 150 Euro. Bei bestandener Prüfung dürfen in Kombination mit Angelkarte undFischereiabgabe Raubfische gefangen werden. red