Bei Andreas Noack herrscht völliges Unverständnis. "Wenn das wirklich so durchgezogen wird, wäre ich sehr enttäuscht. Und nicht zu verstehen ist auch, warum hier eine Altersgrenze gezogen wird", sagt der Vorsitzende und Trainer des VC Storkow.
Denn als einziges Bundesland gibt es in Brandenburg weiterhin keine Lockerungen bei Kontaktsportarten in der Halle für Personen die älter als 27 Jahre sind. Diese Altersgrenze ist bundesweit einmalig. Berufssportler, Kaderathleten und Bundesligateams sind davon weiterhin ausgenommen. Diese Verordnung gilt zunächst bis zum 4. September, das beschloss die Landesregierung am Dienstag in Potsdam.
Für Noack, der mit zwei Frauenteams auf der Landesebene spielt und ein Frauen-Team und zwei Männermannschaften im Kreisspielbetrieb hat, würde das bedeuten, dass er mit seinen Teams keine wirkliche Vorbereitung auf die Saison absolvieren kann. Zudem gibt es vom Volleyball-Verband noch keine klaren Ansagen, lediglich die Spielpläne sind im Internet zu finden. "Am 12. September soll es losgehen. Das müsste dann ja alles geändert werden, wenn vorher nicht trainiert werden kann."
Nicht ganz so dramatisch sieht die Situation Dirk Menzel, Trainer des Frauen-Handballteams vom Finowfurter SV, die in der Verbandsliga antreten. "Unsere geplanten Trainingsspiele müssen zwar ausfallen, aber Training können wir weiterhin durchführen. Athletikübungen oder Ballwürfe sind möglich und bis zum Saisonstart haben wir noch ein wenig Zeit. Also ich sehe das ganz gelassen."

Athletiktraining als Ersatz

Beim Judoclub in Schwedt bieten die Trainer als Alternative ein Athletikprogramm an. Dabei fehlt für Trainer Matthias Milz noch eine weitere Komponente. "Den Sportlern fehlt neben dem Fachlichen natürlich auch, dass sie ihre Freunde nicht treffen, was am Vereinsleben ja auch sehr wichtig ist." Dennoch hofft er, dass seine Athleten nicht die Motivation verlieren. "Wir müssen dran bleiben, damit die Motivation bei Sportlern und Übungsleitern nicht auf den Nullpunkt sinkt."
Auch beim Eberswalder Judo-Club behilft man sich aktuell mit Athletiktraining an der frischen Luft. Dabei hat der Vorsitzende des Vereins, Ronald Kühn, Verständnis für die Anordnung der Landesregierung. "Wir sind ein Verein, der zu 80 Prozent aus Kindern besteht. Von daher können wir die Entscheidung des Landes schon verstehen. In der Schule müssen sie Mundschutz tragen und bei uns dürfen sie zusammen schwitzen – das passt nicht."
Der Landessportbund Brandenburg hatte zunächst große Hoffnungen, dass die Beschränkungen aufgehoben werden, wurde dann jedoch bitter enttäuscht. "Es ist leider eine Entscheidung gegen den Sport, die die Entwicklung unseres Sportlandes – die auch dank der guten Zusammenarbeit mit der Landesregierung bisher überaus positiv war – stark beeinträchtigt", sagte der Vorstandsvorsitzende Andreas Gerlach.
Für Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher wäre eine Lockerung in der sensiblen Phase der Schulöffnung und Urlaubsrückkehrer nicht das richtige Signal. Innenminister Michael Stübgen verwies zudem in der Pressekonferenz darauf, dass es aktuell Priorität habe, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.