Der von der Bundesregierung verordnetete Teil-Lockdown trifft den Sport mit Macht. Für die mehr als 355.000 Aktiven im Land Brandenburg bedeutet diese Nachricht einen absoluten Rückschlag. „Die Gesundheit der Menschen steht an erster Stelle und die Entscheidung ist im Zusammenhang mit allen anderen Maßnahmen nachvollziehbar. Dennoch ist es deprimierend, dass die diszipliniert handelnden Sportvereine nun für die zwischenzeitlich aufgetretene Sorglosigkeit Weniger bestraft werden“, sagt der Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Andreas Gerlach. Gleichwohl ist die Situation von Sportart zu Sportart und Liga zu Liga unterschiedlich – auch bei den märkischen Vereinen.

Bernaus Basketballer gelten als Profis

Glück haben die Basketballer vom SSV Lok Bernau. Das Team spielt in der 2. Bundesliga ProB. „Wir gelten mit der ProB als Profi-Mannschaft und sind dadurch in der Lage, den Spielbetrieb weiter zu führen“, sagt der 1. Vorsitzende Sebastian Weege. Allerdings dann ohne Zuschauer. Mit dem eigenen Live-Stream hat der Club eine sehr gute Möglichkeit geschaffen, „die Spiele live in die Wohnzimmer zu bringen“, berichtet Weege. Rund 3000 User verfolgten den kostenlosen Live-Stream des erste Lok-Heimspiels.
Auch Volleyball-Zweitligist SV Lindow-Gransee ist „mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt der Vereinsvorsitzende Frank Seeger. Weil das Team zu einer Lizenzliga gehört, weshalb eine Sonderregelung greife und der Spielbetrieb fortgesetzt werde. Deshalb liegt der Fokus beim aktuellen Tabellenzweiten vor allem auf dem doppelten Heimspieltag. Am Sonnabend empfangen die Granseer zunächst Mondorf, nicht einmal 24 Stunden später werden dann die Juniors aus Frankfurt/Main anreisen. Dann sollen auch jeweils 250 Fans in der Halle sein.

Volleyball-Spielbetrieb ab 3. Liga sofort ausgesetzt

Bereits darunter ruht aber der Amateursport. Der Deutsche Volleyball Verband hat den Betrieb in den Dritten Ligen und den Regionalligen ab sofort ausgesetzt. Davon betroffen sind unter anderem die Volleyballerinnen von Drittliga-Aufsteiger SG Einheit Zepernick und die Männer der TSG Schöneiche. Der Verband nehme seine Fürsorgepflicht sehr ernst und habe daher beschlossen, den Spieltag bevor dem Inkrafttreten der neuen Maßnahmen am 2. November abzusagen, erklärte Nicole Fetting, Generalsekretärin des DVV und hofft auf einen Neustart im Dezember und keinen Saisonabbruch.
Dass sich dieser umgehen lässt, daran glaubt Steffen Trobisch, der Trainer der SG Einheit, die auf Platz 2 der Tabelle liegt, allerdings nicht so wirklich. „Ich weiß es nicht, aber aus dem Bauch heraus sage ich, dass die Saison vorbei ist.“ Den sofortigen Abbruch hält er für richtig. „Ich habe mich eher gewundert, dass in anderen Sportarten dieses Wochenende noch gespielt wird. Die Gefährdungssituation zwischen heute und Sonntag ist ja nicht anderes.“

Fußballer spielen noch am Wochenende

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband etwa stellt erst ab Montag seinen Spielbetrieb ein. Die Spiele an diesem Wochenende finden noch einmal wie geplant statt. Dabei könne es zu Ausnahmen wegen einzelner Coronafälle kommen. Dies betreffe unter anderem die Regionalliga und Oberliga sowie die A-, B-, C-Junioren und die Frauen-Regionalliga. „Bezüglich der weiteren Vorgehensweise wird der Verband in der kommenden Woche per Videokonferenzen in den jeweiligen Spielklassen den Dialog mit den Vereinen suchen.“
Sieghard Richter, Präsident des Regionalligisten FSV Union Fürstenwalde, ist enttäuscht: „Eine Aussetzung des Spielbetriebs oder auch Geisterspiele wären für uns eine Katastrophe wegen der wegfallenden Einnahmen.“ Im Sommer gab es ein Sonderkonzept, um Training und Testspiele zu ermöglichen, auch jetzt sei der Verein in ständigem Kontakt mit der Stadt. „Und auch all unsere Mannschaften darunter treffen die Beschränkungen in Training und Spielbetrieb hart.“
Wie der NOFV will auch der Landesfußballverband (FLB) am Wochenende spielen lassen. Die dann folgende Zwangspause sieht Thorsten Beck, neuer Trainer des 1. FC Frankfurt, Spitzenreiter der Brandenburgliga, kritisch. „Schulen bleiben geöffnet, Training und Spiel im Freien ist untersagt – das ist kontraproduktiv, das reißt einen runter.“ Wenigstens drei Punktspiele und das Pokal-Achtelfinale am 14. November fallen aus. „In den zunächst vier Wochen müssen sich die Jungs mit Trainingsplänen fit halten“, schickt der Coach schon einen Blick voraus.

Flammender Appell an Dietmar Woidke

Und die Nachwuchsfußballer des Brandenburgligisten haben über Facebook einen viel geteilten und unterstützten flammenden Appell an Ministerpräsident Dietmar Woidke gesendet, indem sie die ergriffenen Maßnahmen hinterfragen und erklären: „Sport ist Gesundheit. Gerade in der tristen, nasskalten Jahreszeit mit viel Dunkelheit sind Sozialkontakte und Sport wichtig. Denn Isolation macht krank und einsam. Nehmt uns nicht den Sport.“
Bei den Handballerinnen des Frankfurter HC will man zunächst eine Entscheidung des Deutschen Handball Bundes abwarten. Der Verband prüfe derzeit die Einordnung der 3. Liga als Profi- oder Amateursport. Das Ergebnis soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden. „Aus sportlicher Sicht wäre es bei einer vierwöchigen Pause nicht realisierbar, anschließend sofort wieder zu spielen“, sagte FHC-Trainer Torsten Feickert. „Wenn es uns erlaubt wird, werden wir weiter trainieren“, sagt der 39-jährige Übungsleiter. Bei einer Zuordnung zum Amateursport könnten lediglich die Sportschülerinnen, die ja Sport als Leistungsfach haben, weiter trainieren. Egal welche Entscheidung gefällt wird, „in diesen Zeiten müssen wir da jetzt gemeinsam durch“, sagt Feickert.

Drittliga-Handballer hängen in der Luft

Wie die Frankfurter Frauen hängen auch die Handballer des Oranienburger HC in der Luft. Christian Pahl hat dennoch die Hoffnung, dass es bereits vor Sonnabend, ein entsprechendes Feedback geben könnte. Dann würde auch feststehen, ob das Auswärtsspiel beim SC DHFK Leipzig II als vorerst letzte Begegnung für lange Zeit eingestuft werden muss.
Bereits in den Tagen vor der Ministerkonferenz am Mittwoch hatte sich angedeutet, dass der Amateurbereich nicht um eine Zwangspause herumkommen würde. Deshalb hätte sich Oranienburgs Sportlicher Leiter eine schnellere Kommunikation für die Entscheidungen gewünscht. „Wir müssen schließlich unserem Hallenbetreiber eine Rückmeldung geben, was mit uns passiert und ob es Verfügbarkeiten für die Spielstätte gibt. Sonst werden wir als Profis eingestuft, stehen dann aber ohne eine Halle da“, sagt Pahl. Und Max-Peter Franz, Sektionsleiter Handball beim Viertligisten Grünheider SV und Vizepräsident Finanzen beim Landesverband meint: „Ich befürchte sogar, dass wir den Spielbetrieb erst wieder im Januar aufnehmen können.“
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Mitarbeit: Britta Gallrein, Roland Hanke, Steffen Kretschmer, Kai Beißer, Matthias Haack und Matthias Braun