Die Lage

Der ungewohnte Pokaltermin, mitten in der Woche zwischen den Bundesliga-Runden 32 und 33, nimmt dem DFB-Pokalfinale 2021 weiteren Glanz. Seit 1986 fand das deutsche Cup-Endspiel immer an einem Sonnabend im Berliner Olympiastadion statt und bildete den stimmungsvollen Schlusspunkt der abgelaufenen Saison, ehe durch Corona alles anders wurde. Wenn es sportlicher Maßstab die aktuelle Bundesliga-Tabelle gilt, gehen die Leipziger als Favorit ins Rennen. Schließlich liegt der Zweite sechs Punkte vor dem Vierten aus Dortmund. Doch die bisherigen Ligaduelle gingen beide an den BVB, zuletzt vor fünf Tagen mit 3:2. Für den bisher titellosen RB Leipzig ist es das erst zweite Endspiel im DFB-Pokal, für den viermaligen Sieger des Wettbewerbs Borussia Dortmund das bereits zehnte.

Die Vorgeschichte

Keine bunten Choreographien, keine Fangesänge, dazu die Hymne vom Band und die Fankurven nur großen, mehr oder weniger kunstvollen Plakaten ausgekleidet. : Die ganze Geisterspiel-Tristesse beim DFB-Pokalfinale lässt Erinnerungen an frühere Fußballfeste in Berlin besonders schmerzen. Doch das Duell zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund könnte in Deutschland eines der vorerst letzten auf großer Bühne ohne Fans bleiben - die Rückkehr der Zuschauer deutet sich an. Diesmal waren es jedenfalls nur jeweils zwei Dutzend RB- und BVB-Anhänger, die mit Fahnen und Trikots vor den Teamhotels und vor der Stadionzufahrt auf die Teambusse warteten, um einen kurzen Blick auf ihre Lieblinge zu erhaschen.

Die Tore

0:1 (5.) Jadon Sancho, schlenzt den Ball nach Ballverlust von Kevin Kampl gegen Marco Reus im Mittelfeld und Querpass von Haaland aus 15 Metern ins linke Eck.
0:2 (28.) Erling Haaland, setzt sich nach Pass von Reus unnachahmlich robust gegen den kantigen Dayot Upamecano durch und schlenzt den Ball aus sechs Metern mit seinem starken linken Fuß an Gulasci vorbei ins Netz.
0:3 (45.) Jadon Sancho, lässt nach einem Konter und Zuspiel von Reus noch Marcel Halstenberg aussteigen, ehe er den Ball einschiebt.
1:3 (71.) Dani Olmo, jagt den Ball aus 18 Metern ins Netz, nachdem die Dortmundern nicht richtig klären.
1:4 (87.) Erling Haaland trifft en Ball nicht richtig, aber dieser rollt an Gulasci vorbei ins Netz.

Die Startelf und Taktik

Die Leipziger müssen auf Angelino und Tyler Adams verzichten. Während der US-Boy verletzt ist, verzichtet Trainer Julian Nagelsmann auf den Spanier aus Gründen, die er im Vorfeld partout nicht verlautbaren wollte. Vier neue Spieler begannen das zweite Endspiel der Clubgeschichte im Vergleich zum Liga-Duell beider Teams - Alexander Sörloth, Amadou Haidara, Nordi Mukiele und Marcel Halstenberg. Kreativspieler wie Emil Forsberg und Christopher Nkunku sowie seinen besten Pokal-Torschützen Yussuf Poulsen (5 Treffer) ließ Nagelsmann dagegen im 3-4-1-2-System zunächst auf der Bank.
Dortmunds Trainer Edin Terzic konnte auf Torjäger Erling Haaland bauen. Der Norweger meldete sich der nach überstandener Oberschenkelprellung fit und ist neben den Engländer Jude Bellingham der zweite Wechsel gegenüber dem 3:2-Erfolg gegen die Leipziger. Damit startete die Mannschaft in einem offensiven 4-3-3-System, indem Reus und Sancho auf den Flügeln Haaland, für den Thorgan Hazard weichen musste, unterstützten.

So lief die Partie

Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer wollte den Titel "für den Verein, für die Stadt und für die Fans". Der Österreicher besaß auch den ersten Torschuss. Doch dann wurden die Sachsen kalt erwischt, als Sancho das frühe 1:0 für den pressenden BVB erzielte. RB zeigte sich indes nicht geschockt, sondern drängte vehement auf den Ausgleich. Doch die Westfalen-Defensive um Mats Hummels verschob geschickt die Räume, brachte die etwas hektisch agierenden Leipziger so aus dem Konzept oder zwang den Gegner in der intensiven Partie zu ungenauen Pässen, so dass Torchancen Mangelware waren. Die Dortmunder dagegen bewiesen in der Vorwärtsbewegung hohe Effizienz, denn auch der zweite Torschuss saß, als sich im Duell zweier echter Kanten Haaland gegen Upamecano durchsetzte. Der Spielverlauf war so etwas auf den Kopf gestellt, denn Leipzig hatte deutlich mehr Ballbesitz, aber mehr als ein Schuss von Alexander Sörloth ans Außennetz sprang in der ersten Hälfte nicht heraus (40.). Dagegen setzte Sancho mit dem dritten Treffer aus BVB-Sicht das Sahnehäubchen auf die erste Hälfte. Eine angezeigte Abseitsstellung von Engländers entschärfte der VAR Günter Perl, der Treffer zählte.
Dortmunds Stürmer Erling Haaland erzielt den 4:1-Endstand.
Dortmunds Stürmer Erling Haaland erzielt den 4:1-Endstand.
© Foto: Maja Hitij/dpa
Leipzig startete mit dem Mute der Verzweiflung. Nagelsmann tauschte seine Angreifer, brachte Poulsen und Nkunku. Der Franzose traf auch nach 22 Sekunden die Oberkante der Latte. Auch der Däne hatte sofort Möglichkeiten verfehlte aber bzw. scheiterte an Bürki (58.). Natürlich boten sich den Dortmundern Konterchancen, aber RB Hatte Glück als Hazard nach Reus-Pass, neben das leere Tor zielte (66.). Zwar gelang Dani Olmo noch der Ehrentreffer, nachdem Emil Forsberg nur dne Pfosten traf, Aber zu mehr reichte es trotz weiterer Chancen nicht, ehe Haaland den Schlusspunkt setzte.

Die Statistik

RB Leipzig - Borussia Dortmund –1:4 (0:3)
Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Upamecano, Halstenberg – Mukiele (60. Forsberg), Kampl (60. Laimer), Sabitzer, Haidara (70. Henrichs) - Olmo – Sörloth (46. Poulsen), Hwang (46. Nkunku)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro – Bellingham (46. Hazard), Dahoud (74. Delaney), Can - Reus (90. Reyna), Haaland (90. Brandt), Sancho (89. Meunier)
Tore: 0:1 Sancho (5.), 0:2 Haaland (28.), 0:3 Sancho (45.), 1:3 Olmo (71.), 1:4 Haaland (87.) - Schiedsrichter Brych (München) - Zuschauer: keine

Die Stimmen

Marco Reus, Kapitän Borussia Dortmund: „Wir sind unheimlich stolz, dass wir das Spiel so bestreiten konnten. Wir haben uns das Spiel verdient, weil wir in der ersten Halbzeit sehr, sehr gut gespielt haben.
Edin Terzic, Trainer Borussia Dortmund: „Das war definitiv nicht unser bestes Spiel, wir haben aber vier Tore gemacht. Wenn ich meine Stimme opfern muss, dann mache ich das gerne.
Julian Nagelsmann, Trainer RB Leipzig: Ich fühle mich nicht gut. Wir haben zweimal in drei Jahren den Titel nicht gewonnen. Ich hätte für die Mannschaft gerne den Pokal geholt, auch wenn ich noch 28 Jahre hier Trainer wäre. Dortmund hat aus drei Chancen drei Tore gemacht. Wir waren nicht schlechter, haben unsere Chancen aber nicht genutzt.“

So geht es weiter

Borussia Dortmund muss am Sonntag, um 18 Uhr beim FSV Mainz 05 antreten. Die Leipziger empfangen um 20.30 Uhr den VfL Wolfsburg.

Und sonst noch

Auch ein Brandenburger war am Endspiel beteiligt. Stefan Lupp aus Zossen assistierte Schiedsrichter Felix Brych an der Seitenlinie. Der ehemalige Weltschiedsrichter und mehrmalige Schiedsrichter des Jahres in Deutschland leitet nach 2015 zum zweiten Mal ein Pokal-Endspiel.