Als Unbekannte den Rasen im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion mit einer Chemikalie verwüsteten, verwandelten sie den DFB-Pokal-Traum von Teutonia Ottensen in einen wirtschaftlichen Albtraum – und dämpften die Vorfreude auf das größte Spiel der Vereinsgeschichte erheblich. Einige in Fürstenwalde und Cottbus bekannte Spieler stehen auch im Kader der Hamburger.
Mangels kurzfristiger Alternativen findet das Erstrunden-"Heimspiel" des Hamburger Regionalligisten am Dienstag gegen Pokal-Verteidiger RB Leipzig in der Arena der Sachsen statt. Der mutmaßliche Protest gegen RB schadete vor allem der Teutonia, der Verluste im fünfstelligen Bereich drohen. Leipzig hingegen profitiert von dem kriminellen Akt, genießt ungewollt die Vorzüge des Heimrechts.

10.000 Zuschauer wollen das Spiel in der Red-Bull-Arena in Leipzig sehen

In der Leipziger Arena werden rund 10.000 Besucher erwartet, die dem ambitionierten Nord-Regionalligisten zumindest für 90 Minuten einen Vorgeschmack auf die Bühne verschaffen, die mittelfristig angestrebt wird. 2020 beantragte der frühere Cult-Club nach dem Regionalliga-Abbruch wegen Corona erstmals die Drittliga-Lizenz – doch der TSV Havelse ging in die Aufstiegsspiele. Seitdem ist die 3. Liga das klare Ziel.

Ridel Monteiro (rechts, noch im Trikot vom FSV Union Fürstenwalde gegen den VfB Auerbach) spielt mit Teutonia Ottensen im DfB-Pokal gegen RB Leipzig.
Ridel Monteiro (rechts, noch im Trikot vom FSV Union Fürstenwalde gegen den VfB Auerbach) spielt mit Teutonia Ottensen im DfB-Pokal gegen RB Leipzig.
© Foto: Alexander Winkler
Dafür verpflichtete Ottensen vor der Saison fast ausschließlich Profis und trainiert erstmals unter Profibedingungen. Auch Ridel Monteiro (25), der in der Vorsaison beim damaligen Regionalligisten FSV Union Fürstenwalde im Mittelfeld spielte, trägt seit der Winterpause das Teutonia-Trikot. Zuletzt gelang dem Team in der immerhin zwei Siege – pünktlich vor dem Heim-Auswärtsspiel in Leipzig. „Wir finden immer besser zusammen“, sagt Monteiro, der in vier Spielen dabei war.
Fabian Graudenz (rechts) spielte 2018 bis 2019 anderthalb Jahre für Energie Cottbus und erwartet jetzt mit seinem neuen Club Teutonia Ottensen das Duell im DFB-Pokal gegen RB LEipzig.
Fabian Graudenz (rechts) spielte 2018 bis 2019 anderthalb Jahre für Energie Cottbus und erwartet jetzt mit seinem neuen Club Teutonia Ottensen das Duell im DFB-Pokal gegen RB LEipzig.
© Foto: KBS-Picture/Kalle Meincke/Imago
Mit Kevin Weidlich (32) und Fabian Graudenz (30) gehören zwei ehemalige Spieler von Energie Cottbus zum Aufgebot des Außenseiters. Während Graudenz in dieser Saison bereits in vier Regionalliga-Spielen für Ottensen zum Einsatz kam, war Kevin Weidlich wegen Verletzungsproblemen anfangs nicht dabei. Am Samstag gegen Werder Bremen II spielte er über 72 Minuten.

Teutonia Ottensen darf auf Geld von RB Leipzig hoffen

Immerhin darf Teutonia angesichts des ganz Chaos‘ und der damit verbundenen hohen Kosten im Vorfeld auf Unterstützung des finanzstarken Bundesligisten hoffen; RB will sich wohl an den anfallenden Kosten beteiligen. Ein kleiner, aber schwacher Trost für den krassen Außenseiter, der sich auch vom Mitgefühl des gegnerischen Trainers Domenico Tedesco ("Man schadet diesem Verein extrem") wenig kaufen kann. Also besinnt sich Ottensens Cheftrainer David Bergner, Ex-Spieler von Union Berlin und von 2010 bis 2012 selbst für die zweite Mannschaft von RB verantwortlich, lieber auf das Sportliche: "Wir wollen nicht nur den Bus am eigenen Sechzehner parken", versprach er.
Am liebsten wären seine Jungs sicher auf dem eigenen Kunstrasen in Hamburg aufgelaufen, doch das ließen die DFB-Richtlinien nicht zu. „Dass Zweitligist FC St. Pauli sein Stadion am Millerntor nicht zur Verfügung stellen wollte, wohl aus Antipathie gegenüber Leipzig, findet Monteiro schade. „Das ist alles etwas wild. Über eine Lösung in Hamburg hätten wir uns schon gefreut, weil wir gerne vor Freunden und Bekannten gespielt hätte. Aber wichtig ist, dass die Partie überhaupt stattfindet. Und ein Spiel in einer Arena wie in Leipzig ist schon ein Highlight“, sagt der 25-Jährige, der sich auf Mittelfeld-Duelle mit Größen wie Dani Olmo und Kevin Kampl freut.