Die Eishockey-Familie Streu lebt mit fünf Pässen in ihren Reihen. Vater Craig kann ebenso wie Sohn Sebastian auf einen deutschen und einen kanadischen Pass verweisen. Nur Mutter Veronika lebt in Berlin lediglich mit einem kanadischen Pass. „Sie beherrscht trotzdem die deutsche Sprache besser als ich“, gesteht Vater Craig (52) selbstkritisch.

Vater und Sohn fiebern Saisonstart entgegen

Im Mittelpunkt steht aber Im Moment der Sohnemann. Der Stürmer bei den Eisbären Berlin fiebert einem möglichst baldigen Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey Liga genauso entgegen wie der Vater, der bei den Berliner als Co-Trainer tätig ist.
Der 20-Jährige will natürlich als Profi nicht am Rockzipfel seiner Eltern hängen. „Er hat sich deshalb in der Nähe von uns im Friedrichshain eine eigene Wohnung gesucht. In unserer Gegend ist immer etwas los“, verrät Vater Craig. Diese Gegend im Friedrichshain muss man wollen. Ganz in der Nähe befindet sich die Rigaer Straße, wo Berlins linke Szene für „Stimmung“ sorgt.

Veronika Streu ist Fitnesstrainerin

Zum ersten Mal seit 28 Jahren düsten die Familie Streu im Sommer nicht nach Hause in die kanadische Provinz Saskatchewan. „Zum Glück“, sagt Sebastian Streu und erklärt: „Als von März bis Mitte Juni das Sportforum gesperrt war, half mir meine Mutter. Sie ist Fitness-Trainerin und legte für mich ein tolles Programm auf.“ Mutter Veronika konnte sich auf ihren Sohn konzentrieren, weil ihr Fitness-Studio am Alexanderplatz ebenfalls wegen Corona geschlossen war.
„Basti“ wird sicher nicht mehr so leicht von den Schienen zu stoßen sein. „Ich habe sieben Kilo reine Muskelmaße zugenommen und nichts an Schnelligkeit eingebüßt“, freut sich der Jung-Eisbär und fügt dann nicht ohne Stolz noch hinzu: „Ich war bei der Leistungsdiagnostik bei allen Messungen eine Stufe besser, als beim vergangenen Tests.“
Sebastian Streu ist fest überzeugt, dass man nicht nur in Kanada sondern auch in Deutschland ein guter Eishockeyspieler werden kann. „Ich hatte die Chance, bei den Junioren der Regina Pets in der WHL als Overage zu spielen. Dann habe ich mich doch für Deutschland entschieden. Es war der absolut richtige Schritt“, Streu kommt bei diesen Worten sogar ein bisschen ins Schwärmen. Mit 17 Einsätzen bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 und 38 DEL-Spielen bei den Eisbären mit sechs Toren und zwei Vorlagen sieht die Bilanz des Linksschützen nicht schlecht aus. In der neuen Saison will er –möglichst wieder an der Seite von Mark Olver – weiter schnelles Eishockey spielen. Um erneut im Blickfeld von Bundestrainer Toni Söderholm zu bleiben.

Bundestrainer spornt an

„Der Bundestrainer gab mir schon im vorigen Jahr eine Chance in der Nationalmannschaft. So etwas spornt natürlich an“, gibt Sebastian zu und hofft, dass der Deutschland-Cup durchgeführt wird: „Vielleicht erhalte ich dann vom Bundestrainer wieder einen Einsatz.“ Doch das ist vorerst Pfeifen im Wald, denn zunächst benötigen der Deutsche Eishockey-Bund und die DEL erst einmal Klarheit wann, wo und ob überhaupt in Berlin und anderen Städten wieder Eishockey gespielt werden kann.