Eishockey-Legende Joachim Ziesche (82) hat in seiner langen und erfolgreichen Karriere eine Menge Tore erzielt. Jetzt will „der Lange“, wie Ziesche immer noch genannt wird, auch als Buchautor einen Volltreffer landen. In diesen Tagen erscheint sein Buch „Zwischen Hoffen und Bangen“.
Ziesche nahm als Spieler an insgesamt neun Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Winterspielen 1968 teil. Anschließend war der gebürtige Dresdener Trainer der DDR-Nationalmannschaft und von Dynamo Berlin. Mit Berlin holte er als Trainer und Spieler insgesamt 15 DDR-Meistertitel.
Der einstige Stürmer und einziger Ostdeutsche in der „Hall off Fame“ des Eishockeys in Toronto schreibt in seinem Buch nicht nur von spannenden Spielen. Ziesche beleuchtet vor allem die Probleme des Eishockeys in der ehemaligen DDR. Er berichtet, wie seine Familie in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges aus dem tschechischen Brünn nach Dresden flüchtete. Dort fand sie zwischen all den Trümmern aber keine Bleibe und zog deshalb weiter in die Lausitz.

„Achim, Achim“-Rufe in Weißwasser

Ziesche berichtet von seinen WM-Teilnahmen und Begegnungen mit dem einstigen UdSSR-Startrainer Anatoli Tarassow. Von Eishockeyspielen in China und gegen Kanada kann Ziesche ebenso spannend erzählen wie von Spielen auf Natureis in Geising, Oberwiesenthal oder Jonsdorf. Und natürlich schreibt er in seinem Buch auch von den bissigen Ost-West-Duellen in Weißwasser, Füssen oder Garmisch. Noch heute erinnert sich Ziesche mit einem Lächeln an die „Achim, Achim“-Rufe, mit denen die Fans in der großen Freiluft-Arena in Weißwasser jeden kleinen Fehler des Starstürmers aus Berlin schadenfroh quittierten.
Lesenswert sind Ziesches Schilderungen über die Probleme des Puck-Spiels in der ehemaligen DDR. Über Nacht wurde die Oberliga von acht Teams auf die „kleinste Liga der Welt“ reduziert: Dynamo Weißwasser und Dynamo Berlin. „Aber wir Eishockeyspieler in Weißwasser und Berlin hielten durch. 20 Jahre schwammen wir gegen den Strom der DDR-Sportbosse“, erinnert sich Ziesche.
Als einer der ersten Spieler überhaupt erhielt er 1963 ein Vertragsangebot aus der nordamerikanischen NHL. Die politische Führung der DDR verbot ihm damals allerdings den Wechsel in die beste Liga der Welt. In 197 Länderspielen für die DDR erzielte Joachim Ziesche 112 Tore.

„Wir haben 20 Jahre durchgehalten“

Es scheint, als straffe sich bei unserer Unterhaltung ein bisschen die Brust, als „der Lange“ sagt: „20 Jahre und zwei Generationen – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – haben wir durchgehalten. Am Ende konnten wir ein bescheidenes Erbe übergeben, aus dem die Eisbären Berlin immerhin schon acht Deutsche Meistertitel gemacht haben.“
In Berlin wird Joachim Ziesche noch immer verehrt. 2004 wurde sein Trikot mit der Nummer 6 unter dem Dach des Wellblechpalastes aufgehängt. Ein Blick in Ziesches Memoiren lohnt sich auf jeden Fall.