Für Hertha BSC traten an den ersten beiden Spieltagen der Kapitän der eSports-Akademie, Elias Nerlich, und Verteidiger Maximilian Mittelstädt an. Am 3. Spieltag wird der 18-jährige Tom Bismark aus Hennigsdorf (Oberhavel) die Berliner vertreten. "Ich freue mich, dass die Verantwortlichen von Hertha BSC mir die Chance geben und ich mich beweisen darf. Ich kann es kaum erwarten." Wegen des Erfolgs finden an den kommenden beiden Wochenenden weitere Partien der "Home Challenge" statt. Bismark ist seit zwei Jahren Teil der Berliner eSports Akademie. Da die offizielle Saison um die Deutsche Meisterschaft in der Fußball-Simulation FIFA bereits beendet ist, haben die eSportler Zeit. "Da habe ich das Grand Final leider nur ganz knapp verpasst", erzählt Tom Bismark. Zudem hätte der 18-Jährige noch an der Berliner Meisterschaft teilgenommen. Diese findet im Offline-Modus statt. Dabei spielen beide Teilnehmer auf der gleichen Konsole, doch diese Veranstaltung wurde aufgrund der Corona-Krise ebenfalls abgesagt.
Zahlreiche Sportarten vertreten
Der Fußball ist momentan nicht die einzige Sportart, die auf Online-Wettbewerbe setzt. In der Formel 1 werden Rennen mit Beteiligung von Profis wie Ferraris Charles Leclerc, gefahren. Die amerikanische Profi-Basketballliga NBA veranstaltet einen Turniermodus, in dem verschiedene Profis gegeneinander antreten. Unter anderem nimmt dort auch der zweimalige NBA-Champion Kevin Durant von den Brooklyn Nets teil, der selbst am Coronavirus erkrankt war. Das Preisgeld von 10 000 US-Dollar wird zudem an die Coronahilfe gespendet. Dass nun immer mehr Sportarten auf eSports setzten, bewertet der Hennigsdorfer überaus positiv. "Es ist eine riesige Chance für den eSport, sich weiterzuentwickeln und mehr Fans zu gewinnen. Weil durch die verschiedenen Sportarten eine breitere Masse angesprochen wird." Dennoch geht die Corona-Krise auch am eSports nicht ganz spurlos vorbei. "Veranstaltungen in großen Arenen, vor Tausenden Menschen, die in den vergangenen Jahren viel von der Magie des eSports ausgemacht haben, konnten wir nur in einem reduzierten Betrieb abhalten", sagte Hans Jagnow, Präsident des eSports-Bundes Deutschland dem "Tagesspiegel". Häufig füllen Finalspiele wie beim Strategiespiel "League of Legends" oder dem Shooter "Counter Strike" Hallen mit über 10 000 Zuschauern, und es geht um Preisgelder in Millionenhöhe. Jagnow erklärt aber auch, dass eSports sehr stark vom Sponsoring abhängen würde, und viele Firmen ihre Zuwendungen momentan überdenken. Da die eigentliche Saison bereits beendet ist, hat sich der Trainingsplan von Tom Bismark durch die Corona-Krise nur minimal verändert. "Ich habe den Kontakt zu meinen Freunden reduziert, bin viel zu Hause und spiele eben online", sagt er. Dabei fällt ihm eine Sache besonders auf: "Es wird mehr gezockt. Ich kriege aktuell auch viel mehr Nachrichten, ob wir FIFA spielen können, weil alle Zeit haben."  Dass die reale Fußballsaison aktuell ausgesetzt ist, nervt auch den eSportler, der für die A-Jugend des FC 98 Hennigsdorf (Oberhavel) im Sturm spielt.
Amateurderby auf der Konsole
Das können die Spieler der SG Einheit Zepernick und vom BSV Rot-Weiß Schönow gut nachvollziehen. Die beiden Barnimer Mannschaften wären Ende März aufeinander getroffen. Seit Jahren zieht die Partie in der Kreisoberliga Oberhavel/Barnim mehr als 300 Zuschauer an. Da die Begegnung ebenfalls der Corona-Krise zum Opfer fiel, planen die Verantwortlichen des Vereins, die ganze Begegnung online in der Fußball-Simulation auszutragen. "Das Spiel hätte Freitagabend stattgefunden und unsere Idee war es, die beiden besten FIFA-Spieler jedes Teams im Einzelmatch gegeneinander antreten zu lassen und dann vielleicht noch ein Doppel zu spielen und das live auf der Plattform Twitch zu streamen", erklärt Alexander Brösel, sportlicher Leiter von Rot-Weiß Schönow.  Doch bei diesem Plan machte ihm die Internetleitung einen Strich durch die Rechnung. "Man braucht an einem Freitagabend mindestens eine Internetleitung von 100 mbits/s und das wird man zu dieser Zeit einfach nicht haben, weil momentan um diese Uhrzeit jeder im Internet ist", erklärt er. Nun sei man unter Berücksichtigung aller aktuellen Richtlinien auf der Suche nach einer anderen Lösung. Zudem ist er sich sicher, dass es in Schönow auch künftig keine eSports-Abteilung im Verein geben wird. "Da bräuchte man ein, zwei Leute, die richtig hinterher wären und die passenden Trainingsräume, aber das ist für uns nicht realisierbar", erklärt der 37-Jährige. Wer eSports-Vereine in Brandenburg sucht, wird nur schwer fündig. Bisher gibt es lediglich in Werder/Havel und Cottbus reine eSports-Teams.
Beim 1. FC Frankfurt (Oder) ist man etwas weiter. Noch im vergangenen Jahr veranstaltete der Club ein Turnier in der Messehalle, an dem 256 Spieler teilnahmen und ein Preisgeld von 2500 Euro ausgeschüttet wurde. "Wir wollen eSports bei uns aufbauen. Aber wir sind noch auf der Suche, nach den richtigen Räumlichkeiten, denn man will ja auch ein Vereinsleben haben. Zudem muss auch die technische Ausstattung stimmen", sagt Vorstandsmitglied André Wolff. An Spielern würde es in Frankfurt und der Umgebung nicht mangeln. "Das Interesse war groß und ist auch weiterhin noch groß", fügt er hinzu. Als reiner Fußballverein würde der Club auch zunächst mit FIFA 20 starten.
Einen Trainingstipp für Fifa-Zocker hat der Profi auch noch. "Einfach immer spielen und die eSportler auf Youtube und der Streamingplattform Twitch verfolgen. Da kann man sich was abgucken. Man sieht bei ihnen, was klappt und was nicht, wo man schießen sollte und wo nicht."

Debüt im Männerbereich steht bevor


In seiner Freizeit begann Tom Bismark bereits mit 5 Jahren Fußball zu Spielen. Momentan läuft er für die A-Jugend des FC Hennigsdorf in der Landesklasse Nord/West auf. Zudem hilft er in der Männermannschaft aus, für die er aber noch nicht zum Einsatz kam. "Immer wenn die Möglichkeit da war, hatte ich mit Hertha ein Turnier." Die eSports-Turniere werden meistens samstags von 13 bis 19 Uhr ausgespielt.  Somit hat er häufig nicht die Chance, seinen Lieblingsclub Hertha BSC im Stadion zu sehen.

Momentan hält er sich mit Laufeinheiten und Kraftübungen körperlich fit.  lgr