Der „Rauchende Berg“, wie Einheimische ihn nennen, ist kein einfacher Wanderberg. Er gilt als absolute Herausforderung für Bergsteiger. „Die dünne Luft auf knapp 6000 Metern machte es für mich fast unmöglich zu laufen. Im Iran gibt es keine Bergwacht, man muss extrem aufpassen, sich nicht zu verletzen. Selbst ein leichtes Umknicken kann auf 5000 Metern sehr gefährlich sein“, sagt Eichholz und erinnert sich an einen seiner größten Erfolge.
Der Damawand ist der bisher höchste Berg, den der Extremsportler aus Duisburg überwunden hat. Allein die Anreise und der Aufstieg sorgten für Probleme. Der Kameramann, der die irrwitzige Abfahrt auf Band festhalten sollte, brach sich den Fuß. Und Eichholz wurde Höhenkrank. „Ich wusste nicht, ob ich es bis zum Gipfel schaffe“, sagt er rückblickend. „Doch gerade diese Schwierigkeiten machten das Gefühl der Abfahrt zu einem besonderen. Am Ende überwog die Freude über die Erschöpfung.“
Einradfahren erfordert neben Koordination, Konzentration und Kraft auch eine enorme Kondition. Vor allem dann, wenn man von Berggipfeln, wo die Luft dünner ist, hinunter rauscht. Jede kleine Unebenheit kann den Fahrer aus der Balance bringen – eine immense Herausforderung für den Sportler. „Jedoch gibt es unzählige Erfolgserlebnisse bei den Abfahrten. Und diese sind jede Anstrengung wert“, sagt Eichholz.
Seit seinem neunten Lebensjahr bevorzugt er eines statt zwei Räder und verzichtet mit Freuden auf einen Lenker. Als Vorbild nennt er seine Schwester, die in einem Einradverein war. Die Wahl einer Sportart fiel dem 31-Jährigen damals schwer. Also entschied er sich für den einfachsten Weg: „mit ihr zu gehen“. Und traf somit die beste Entscheidung seines Lebens.
Es folgte eine Zeit voller Erfolge. Vom Ruhrgebiet zog es den gelernten Stadtsoziologen und Raumplaner weg von den Halden und Turnhallen hin zu den Gipfeln der Welt. Eichholz machte seine Leidenschaft zum Beruf. Er hält sechs Guinness-Weltrekorde und ist vierfacher Einrad-Weltmeister. Dort, wo sonst nur Bergsteiger anzutreffen sind, findet Eichholz sein Glück und sucht nach Abfahrten, die mit nur einem Rad zu bewältigen sind. Und diese sind meist halsbrecherisch. „Am abenteuerlichsten und schwersten“, erinnert sich Eichholz, „war es in der Atacama-Wüste in Chile und im Iran. Aber auch die Berge der Dolomiten in Italien, wie der Cima Ombretta Orientale mit 3100 Metern Höhe, werden mir für immer im Gedächtnis bleiben“, schwärmt er.
Um diese anspruchsvollen Pisten befahren zu können und den hohen Anforderungen gewachsen zu sein, trimmt sich der Abenteurer fünf- bis siebenmal die Woche. So oft es geht, fährt er ins Alpengebirge, um im Alpinen trainieren zu können. Zeit dafür hat er genug. Als Wissenschaftler an der TU Kaiserslautern hat er „zum Glück“, wie er sagt, einen relativ flexiblen Halbtagsjob. „Zurzeit bin ich gut trainiert und würde gerne eine weitere Abfahrt von einem hohen Berg wagen.“ Und so plant der Weltenbummler sein nächstes Abenteuer. Der Kilimandscharo steht dabei ganz oben auf seiner Liste. 5895 Meter erhebt sich der Koloss über den Meeresspiegel und ist somit das höchste Bergmassiv des afrikanischen Kontinents. Für Eichholz wäre es ein Unterfangen, das jene im Iran und in Chile in den Schatten stellen könnte.
Für seine Mutter hingegen sind seine riskanten Ausflüge gewöhnungsbedürftig. Auf der einen Seite freue sie sich, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte und viele Länder sieht, erzählt der Weltmeister, doch auf der anderen sei sie nicht immer begeistert von seinen extremen Versuchen. Denn auch schwere Unfälle sind in der Einradfahrer-Zunft keine Seltenheit. „Ich versuche immer, alle Risiken einzuplanen und so gut es geht einzuschätzen“, sagt der Extremsportler. Mit einem Einrad ist man normalerweise nicht ganz so schnell unterwegs, und der nicht vorhandene Lenker lässt die Fahrer bei Stürzen schneller abspringen. Bei den steilen Abfahrten, den Sprüngen und dem Fahren auf porösem Untergrund bleibt wenig Raum groß nachzudenken. „Ich muss alle Gedanken darauf konzentrieren, auf dem Rad zu bleiben. Ich bin voll fokussiert, im Flow, nur auf den Weg, die Bewegung und den Moment konzentriert“, erklärt Eichholz.
Doch trotz seiner Erfahrung ist auch er nicht vor Verletzungen gefeit. Beim Training zog er sich bereits einige Knochenbrüche, Prellungen und Bänderrisse zu. „Das passiert, wenn ich mich nicht konzentriere.“ In den Bergen hingegen hat er sich noch nie verletzt, „dort fahre ich fokussierter und vorausschauender“, erklärt er.
Höhen und Tiefen hat er in seiner Karriere einige erlebt. Zu seinen Erfolgen zählt Eichholz auch bittere Momente. Dazu gehören die Brüche, die Bänderrisse, die ihn zurückwarfen, oder gescheiterte Rekordversuche. Doch er lässt sich nicht unterkriegen. Einradfahren an der Welt-spitze möchte er, solange der Körper mitmacht. „Das Fahren bedeutet mir sehr, sehr viel. Es ist nach 22 Jahren immer noch eine Freude einen Sport, bei dem ich anfangs selbst nicht wusste, was alles möglich ist, weiterzuentwickeln. In Balance mit minimalem Sportgerät diese Berge herunterzurasen, ist mein perfekter Alltagsausgleich und gleichzeitig mein Job. Besser kann es kaum werden“, sagt Eichholz, der noch viele Länder und ihre Berge besuchen möchte. Auch, um seinen Sport weiterzubringen. Und weil es ihn glücklich macht.