Es sind diese Momente, die Fanherzen höher schlagen, aber vor allem auch das Adrenalin in den Adern eines Fußballers pulsieren lassen. Und wenn dies sogar bei einem Profi-Spieler passiert, muss etwas Besonderes im Stadion vor sich gegangen sein. Vergessen wird Fabian Holland den vergangenen Sonntag deshalb wohl nicht so schnell.

Flugkurve wie einst bei Roberto Carlos

Eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht abzustreiten, wenngleich die Entstehung dieser Treffer unterschiedlicher kaum sein könnte. Wahrscheinlich haben nicht nur Fußballkenner noch ziemlich genau vor Augen, was ein gewisser Roberto Carlos im Jahr 1997 im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft veranstaltete. Als sich der nur 1,68 Meter große Zauberfuß den Ball im Länderspiel gegen Frankreich zurechtlegte, ahnte noch niemand, dass über diesen Moment noch Jahrzehnte später an den Stammtischen diskutiert werden würde. Aus 35 Metern Entfernung zentraler Position hämmerte Carlos, der Ball schien zwischenzeitlich in Richtung Eckfahne zu segeln, die Kugel mit dem Außenrist vorbei an Frankreichs Keeper Fabien Barthez in die Maschen.
Zugegeben, das, was Fabian Holland am Sonntag erlebte, mit dem „Jahrhundert-Tor“ des Brasilianers auf eine Stufe zu heben, ist vielleicht etwas weit hergeholt. Kein Freistoß, dafür aber eine absolut sehenswerte Abnahme aus der Luft: Und auch Holland ließ den Ball in den Schlusssekunden der ersten Halbzeit gegen den SV Werder Bremen derart über den Spann rutschen, dass er ihm eine traumhafte Flugkurve verlieh. Auch hier schlug die Kugel direkt neben dem rechten Pfosten ein. Beides sind Linksverteidiger, und Holland mit vier Zentimetern mehr nur unwesentlich größer als Brasilien-Legende Roberto Carlos.

Bisher wenige Tore in der Karriere

„Nach meinem Tor haben sich schon ein paar Leute mehr als sonst gemeldet“, beschreibt der Kapitän des SV Darmstadt die Stunden nach seinem Spiel. „Mein letzter Treffer war davor auch schon eine Weile her. Das war in der vergangenen Saison ein Elfmeter. Ohnehin waren in meiner Zeit in Darmstadt und in meiner Karriere allgemein noch nicht so viele Tore dabei. Es wurde also langsam Zeit.“
Und wenn man so will, hat sich ein Eintrag von Fabian Holland in die Torjägerliste in dieser Saison irgendwie angedeutet. „Ich hatte schon die eine oder andere Chance, die hätte reingehen können. Das hat mich schon ein bisschen genervt“, gibt er zu. „Dafür hat diesmal alles gepasst.“ Und wie!

Traumtor zum 1:0

Die 45. Minute war im Spiel zwischen Darmstadt und Bremen bereits angebrochen, als Hollands Stunde schlug. „Ohne großartig nachzudenken“, wie er sagt. „Ich habe gesehen, dass der Ball ziemlich genau zu mir kommt und ich ihn einmal mitnehmen muss. Dann lag er ganz gut, und klar, Glück gehört auch dazu. So trifft man den Ball dann auch nicht oft. Ich habe aber ziemlich früh gesehen, dass er ziemlich genau einschlagen könnte.“

Familie am TV meist live dabei

1:0! Mit seinem Treffer ebnete Holland den Weg zum späteren 3:0-Erfolg der Darmstädter. „In der ersten Halbzeit hatten wir gegen Bremen nichts zugelassen, wollten offensiv aber noch ein paar Akzente mehr setzen. Solch ein Tor kurz vor der Pause tut natürlich gut“, so der 31-Jährige, der natürlich auch Glückwünsche aus dem Kreis der Familie entgegennehmen durfte. Vater Peter Holland, der den FSV Forst Borgsorf als Trainer in der Kreisliga betreut, „hat mir gratuliert. Auch meine Familie ist es ja nicht von mir gewohnt, dass ich treffe. Deshalb war die Freude schon groß.“ Am Fernsehen seien die Liebsten zu Hause zumeist live dabei.
Mit drei Punkten im Gepäck ist der Tabellensechste aus Darmstadt längst zur Tagesordnung übergegangen. Die sehenswerte Holland-Bude ist aber immer noch Thema. Weil sie vielleicht auch für die Wahl zum Tor des Monats, eine Auszeichnung des deutschen Fernsehsenders Das Erste, nominiert werden könnte?
„Das sollen andere entscheiden“, sagt Fabian Holland mit einem Lachen. „Ich bin mit dem Treffer zufrieden und glaube schon, dass er sich recht schön anschauen lässt. Ob er jetzt aber in die Kategorie Tor des Monats fällt, weiß ich nicht.“