Pal Dardai ist ja immer für einen humorigen Spruch gut. So auch vor der Partie am Sonnabend beim VfB Stuttgart. „Wenn sich noch mehr Spieler verletzen, dann muss ich mal mit Arne sprechen, dass er sich vorbereitet“, sagt der Trainer von Fußball-Bundesligist Hertha BSC. Gemeint ist Sportdirektor Arne Friedrich, der von 2002 bis 2010 als Innenverteidiger 231 Bundesligaspiele für die Berliner, viele gemeinsam mit Dardai, absolvierte.
Der Hintergrund ist indes ernst. Nach dem Ausfall von Jordan Torunarigha, dessen Sehnenverletzung am Hüftbeuger einer längere Ruhepause erfordert, und ohne den im Aufbautraining befindlichen Kapitän Dedryck Boyata hat Dardai mit Nklas Stark und Omar Alderete nur zwei für die Abwehrzentrale ausgebildete Spieler. Zur Not könnten Youngster Marton Dardai und Außenverteidiger Lukas Klünter aushelfen. Optimal wäre das aber nach Dardais Empfinden nicht.

Kalajdzic und Silas sind torgefährlich

Zumal Gegner VfB Stuttgart mit Sasa Kalajdzic (8) und Silas Wamangituka (11) über zwei ausgesprochen torgefährliche Spieler verfügt, bei denen es für die Hertha-Defensive gilt, ihre Wirkungskreise einzuschränken. Der 2,04 Meter-Hüne, damit ist der Österreicher der längste Spieler in der Bundesliga, ist gerade bei Kopfbällen schwer zu stoppen. „Wir haben die Jungs im Training kräftig hüpfen lassen“, sagt Dardai lächelnd, und fügt im Ernst hinzu. „Wir müssen versuchen, die Flanken zu verhindern. Da gibt es Methoden.“ Denn sonst wäre es schwer für seine Spieler, den Stürmer zu stoppen.

Hertha versucht es mit verengten Räumen

Auch gegen den dribbelstarken und pfeilschnellen Kongolesen Silas soll es eine gemeinschaftliche Arbeiten geben. „Wir dürfen wie schon gegen Bayern München gegen so schnelle Spieler keine Räume geben, da müssen wir Blocks haben. Wenn so ein Spieler ins Laufen kommt, kassiert du Gelbe oder Rote Karten und er kommt zum Abschluss. Das ist schwer für die Verteidiger“, sagt Dardai. Gegen den FC Bayern ist das seinem Team gegen Serge Gnabry und Kingsley Coman über weite Strecken gelungen. Allerdings erzielte der Franzose auch das Siegtor gegen die Hertha.

Cunha seit rund 800 Minuten ohne Tor

Bei den Berlinern ist hingegen Matheus Cunha schon seit rund 800 Minuten ohne Treffer. Auch ein Grund für den Tiefflug der Hauptstädter. Doch Dardai stellt sich schützend vor den Brasilianer. „Ich bin mit ihm zufrieden. Er trainiert gut, hat im Spiel Chancen und arbeitet auch in der Defensive mit. Vielleicht macht er sich selbst zu viel Druck, er kennt ja auch keinen Abstiegskampf“, sagt Dardai und zieht einen Vergleich mit einem anderen Brasilianer, der bei der Hertha zur Legende wurde. „Cunha ist mit 21 ja noch jung. Das ist anders als ein Marcelinho, der mit 29 Jahren und viel mehr Erfahrung in jedem zweiten Spiel getroffen hat.“ Gelingt Cunha in Stuttgart sein siebtes Saisontor könnte es für den Stürmer und für Hertha ein ganz wichtiges sein.