Er ist momentan der Bundesliga-Spieler, über den wohl am meisten gesprochen wird. Youssoufa Moukoko bestritt kürzlich für Borussia Dortmund sein Bundesliga-Debüt – kurz nach seinem 16. Geburtstag. Und das keinesfalls als schüchterner Neuling. Das BVB-Eigengewächs spielt unbekümmert und selbstbewusst auf, bringt frischen Wind in die BVB-Offensive – und ist damit auf ganzer Linie auf Erfolgskurs.
Um seinen Einsatz zu ermöglichen, hatte sein Verein extra einen Antrag bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) gestellt. Danach sollten Nachwuchsspieler schon ab 16 Jahre die Möglichkeit haben, im professionellen Fußball eingesetzt zu werden. Bislang mussten die Spieler mindestens 18 Jahre alt sein oder zum jüngeren Jahrgang der U19 gehören, um auflaufen zu dürfen. Die DFL kam dem Antrag der Dortmunder nach. Künftig dürfen Nachwuchstalente schon ab 16 Jahre in den Fußball-Bundesligen eingesetzt.

Altersgrenze ist im Amateurbereich höher als bei den Profis

Im Amateurbereich ist das jedoch noch nicht erlaubt. Hier dürfen Nachwuchs-Fußballer frühstens mit 17 Jahren eingesetzt werden (siehe Info-Kasten). Eine gute Regel, um die Jugendlichen zu schützen? Welche Probleme gibt es vom Übergang vom Jugend- in den Männerbereich? Wir haben bei jungen Spielern und Trainern nachgefragt.
Einer, der auch vorfristig sein Debüt im Männerbereich gegeben hat, ist Lucas Gurklys. Der 20-Jährige, der heute für Grün-Weiss Ahrensfelde in der Landesliga Nord kickt, lief bereits mit 17 Jahren für Tennis Borussia (damals Oberliga) auf. „Da mussten damals einige Sachen vorher geklärt werden. Ich musste eine ärztliche Untersuchung absolvieren und zahlreiche Bescheinigungen einholen. Das war nicht so einfach“, erinnert er sich.
Das große Ziel des Berliners damals: Profi-Spieler zu werden. Deshalb nutzte er die Gelegenheit, früher zu den Männern aufzusteigen. Mittlerweile hat er den Traum vom Profi-Fußballer aufgegeben. „Ich musste irgendwann ehrlich zu mir selber sein und erkennen: Das wird nichts.“ Eine Entscheidung, die ihm sehr schwer gefallen sei, mit der er aber inzwischen gut leben kann.

Große Unterschiede zwischen Junioren- und Männer-Fußball

Der Unterschied zwischen Junioren- und Männer-Fußball? „Die Mentalität und die Körperlichkeit“, erklärt er. „Bei den Männern geht es schon im Training ganz anders zur Sache. Die waren sofort da vom Kopf her und gingen schon mit einer ganz anderen Aggressivität vor, als ich das aus der Jugend kannte“, sagt Gurklys. Und das, obwohl er in der Jugend auch schon in der Bundesliga spielte und sechsmal pro Woche trainiert hat. „Man hatte dann schon einen ganz anderen Respekt. Die halten da schon drauf – volle Kanone“, sagt Gurklys, der zugibt, dass er in den ersten Spielen auch ganz schön einstecken musste.
Lucas Gurklys hat die Karriere von Dortmunds Youssoufa Moukoko verfolgt. „Den meisten Respekt habe ich davor, wie er diesen großen Druck aushält, der auf ihm lastet.“ Mit ihm tauschen würde der 20-Jährige aber nicht. „Mit wäre das zu viel Druck. Aber Moukoko hat so viel Selbstvertrauen, der kriegt das super hin.“

FSV Bernaus Talent Lucas Schönborn musste Zweikampfhärte lernen

„Von der Jugend in den Männerbereich zu wechseln, ist schon ein sehr großer Schritt“, weiß auch Lucas Schönborn. Der 19-Jährige spielte schon in der Jugend beim FSV Bernau, ist jetzt im Kader des ersten Männerteams, das in der Brandenburgliga spielt. „Du hattest plötzlich Mitspieler, die von größeren und höherklassigen Vereinen kamen. Die Physis, das Tempo und das Fußballerische hatte ein viel höheres Niveau.“
Vor allem mit der Härte, mit der es im Männerfußball zur Sache geht, hatte er anfangs zu kämpfen. „Mittlerweile bin ich, glaube ich, auf einem guten Weg, aber ganz angekommen bin ich da immer noch nicht“, gibt Lucas Schönborn zu, der von seinem Trainer als großes Talent für die Zukunft gelobt wird.
Vor der Leistung von Youssoufa Moukoko zieht der Bernauer Nachwuchsspieler daher den Hut. „Ich habe den schon in der Jugend verfolgt. Sein Männerdebüt mit 16 zu geben, das ist schon eine Hausnummer“, findet Schönborn, der froh ist, sich selbst nicht so einem Druck aussetzen zu müssen.

Frank Christoph gibt mit 17 Jahren sein Debüt für Fürstenwalde

Im Juli, gerade mal 17 Jahre jung geworden, hat Neuzugang Frank Christoph beim Fußball-Regionalligisten FSV Union Fürstenwalde seit Anfang Oktober bereits drei Punktspiele absolviert. Der von Blau-Weiß Briesen stammende Verteidiger war 2016/17 als C-Junior zum FC Energie Cottbus gewechselt und hat dort zuletzt bis zum September bei den Bundesliga-A-Junioren gespielt. Er ist in der Lausitz  zu einem sehr interessanten Spieler gereift  und verstärkt die linke  Abwehrseite der Fürstenwalder.
Noch zwei Jahre lang kann er bei den A-Junioren spielen, doch seine gute Ausbildung, seine Robustheit und Schnelligkeit in dem Alter sind überragend. Das  Trainerteam kennt ihn aus der Sommervorbereitung, in der er mehrere Wochen mittrainierte. „Er macht sich ordentlich und ist jetzt bereits fester Bestandteil der Mannschaft“, lobt Union-Trainer Matthias Maucksch. „Er hat einen enormen Willen und eine prima Mentalität. Wenn er sich weiter so gut entwickelt, kann er sich für höhere Aufgaben empfehlen.“
Maucksch, der beim FSV Union viele A-Junioren-Spieler schon zur Viertliga-Tauglichkeit führte, weiß um die große Umstellung für die Jungen: „An die Körperlichkeit, die Zweikampfhärte und das schnellere Spiel müssen sich diese erst gewöhnen. Sie haben zuvor nur unter Gleichaltrigen gespielt  und bekommen es bei den Männern auch mit älteren Akteuren zu tun. Das müssen sie schnell verarbeiten, um mithalten zu können.“

Eintracht Wandlitz’ Trainer weiß: Es ist Fingerspitzengefühl gefordert

Von einem Trainer verlangt es ganz besonderes Feingefühl, Junioren in den Männerbereich zu integrieren, weiß Matthias Händler. Der Coach des FV Eintracht Wandlitz (Landesklasse Nord) kennt sich aus, übernahm er doch als früherer Trainer der A-Junioren einige Spieler mit, als er Coach der Wandlitzer Herren wurde. „Klein-klein spielen, wie sie es vom Junioren-Fußball kennen, geht plötzlich nicht mehr, es wird schneller und härter. Als Trainer muss man die körperliche Athletik, die die Jungs mitbringen, in körperliche Robustheit umwandeln“, erklärt er.
Das müsse man im Training und in Freundschaftsspielen üben. „Es muss auch mal weh tun“, so Händler, der aber auch darauf achtet, seine jungen Spieler dosiert einzusetzen, um sie nicht zu verheizen. „Dortmund setzt Moukoko auch nur Stück für Stück ein und das ist vernünftig.“ Dazu seien von dem Trainer auch psychologische Fähigkeiten gefordert, wenn es um die Integration junger Spieler gehe. „Bei den meisten muss man die Samthandschuhe anziehen, um sie nicht zu verprellen.“

FC Schwedt Trainer Uwe Zenk freut sich über vereinseigenen Nachwuchs

Das bestätigt auch Uwe Zenk, Co-Trainer des Landesligisten FC Schwedt. Er sieht die Integration junger Spieler sehr positiv. „Es ist für einen Verein doch wichtig, auch eigene Früchte zu ernten. Deshalb ist es toll, dass der FCS in allen Brandenburgligen A- bis C-Junioren weiter präsent ist. Umso frustrierender wirkt dann allerdings der Fakt, dass man so um die 70 Prozent praktisch für andere Vereine ausbildet, weil sie nach der Juniorenzeit dorthin wechseln und auch Vorstände diese Absichten nicht früh genug als Signal erkennen“, findet Zenk. Das sei auch menschlich manchmal ziemlich enttäuschend, wenn man sich zuvor sehr für die Entwicklung dieser Spieler eingesetzt habe.
„Momentan läuft es mit dem Nachrücken ehemaliger Junioren aber sehr gut bei uns. Es ist echt toll, wenn man jedes Jahr zwei solcher Aufrücker hinbekommt.“ Das klappe auch dank der verbesserten Zusammenarbeit mit den Coaches der A-Junioren und auch der zweiten Männermannschaft. „In der Kreisoberliga kann man sich an die Männer-Luft gut gewöhnen. Zudem trainieren die A-Junioren einmal pro Woche bei uns mit.“

„Schon mit 16 zu den Männern - das wäre zu früh“

Keiner der Befragten plädierte übrigens für eine Absenkung der Altersgrenze im Amateurbereich wie sie der Profi-Fußball vorgenommen hat. „Ich halte das für falsch. Damit würde man Gefahr laufen, die jungen Spieler zu schnell zu verschleißen. Wenn die Jungs noch gar nicht richtig ausgewachsen sind, dann sind doch Sportverletzungen programmiert“, bringt es der Spielausschuss-Vorsitzende des Fußball-Landesverbandes, Wilfried Riemer, auf den Punkt.

So machen es andere Ligen in Europa


Die Deutschen Fußball Liga hat im Frühjahr 2020 die Altersgrenze für die Bundesliga und die 2. Liga auf 16 Jahre herab gesetzt. Damit will man besonders talentierten Spielern die Möglichkeit geben, in Ausnahmefällen schon frühzeitig erste Erfahrungen im Männer-Fußball zu machen.

Die DFL ist damit dem Beispiel anderer europäischer Länder gefolgt, in deren Top-Ligen die Nachwuchstalente ebenfalls schon früher  bei den Herren mitspielen dürfen.

In Spanien zum Beispiel dürfen Talente schon mit 16 einen Vertrag in einem Profiteam unterschreiben – sofern eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegt. Dort denkt man sogar über eine weitere Absenkung des Mindestalters auf 14 Jahre nach.

Mit 15 Jahren dürfen junge Spieler in England sogar schon bei den Profis mitspielen, wenn sie keine Vollzeitschulpflicht haben.

In Italien können Spieler, die im Laufe des Jahres 16 Jahre alt werden, bereits einen Profivertrag unterschreiben, im Ausnahmefall sogar mit 14 Jahren.

Die Ligen unter der 2. Liga sind in Deutschland nicht von der Absenkung der Altersgrenze betroffen.

In der Jugend-Spielordnung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg ist festgelegt, dass Junioren grundsätzlich nicht in Herren- oder Frauenmannschaften spielen dürfen.
A-Junioren des älteren Jahrgangs, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, können eine Spielberechtigung allerdings erhalten, wenn sie einen schriftlichen Antrag des Vereins, eine Einverständniserklärung der Eltern und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ihres Arztes vorlegen können.

A-Junioren des jüngeren Jahrgangs können sogar ebenfalls eine Spielberechtigung für die erste oder zweite Amateurmannschaft bekommen, wenn sie der jeweiligen Landeskaderauswahl angehören. Sie müssen dann aber dieselben Voraussetzungen wie die A-Junioren des älteren Jahrgangs vorlegen plus die Zustimmung eines vom FLB bestimmten Sportarztes.