Die Nachricht vom Positiv-Test beim berühmten Impfzauderer Joshua Kimmich hat die Corona-Lage beim FC Bayern weiter verschärft. Der Fußball-Nationalspieler, der mit den Aussagen zu seinen Impfbedenken für großes Aufsehen in der Öffentlichkeit gesorgt hatte, wurde nach Angaben seines Clubs positiv getestet. In nur zwei kurzen Sätzen teilte der Rekordmeister am Mittwochabend mit: „Joshua Kimmich befindet sich in häuslicher Isolation, nachdem er positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Dem Mittelfeldspieler des FC Bayern geht es gut.“ Der zweite Satz war dabei die gute Nachricht.
Der 26-Jährige befand sich bereits zweimal als Corona-Kontaktperson in Quarantäne. Er hätte sich am Mittwoch wohl eigentlich freitesten können - stattdessen erwischte ihn das Virus nun selbst. Das heißt für den FC Bayern: Er dürfte im Bundesliga-Gipfel am 4. Dezember bei Borussia Dortmund wohl ohne einen Schlüsselspieler antreten müssen.
Nur wenige Stunden zuvor hatte der Rekordmeister eine Infektion von Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting veröffentlicht. Er zählte wie Kimmich zu den fünf Bayern-Profis, die aktuell als Kontaktpersonen in Quarantäne befanden. Aus diesem Kreis sollen Serge Gnabry und Jamal Musiala mittlerweile eine Impfung erhalten haben - bestätigt wurde das bislang aber weder von Club noch von den Spielern selbst.

Süle und Stanišić bereits wegen Corona ausgefallen

Schon beim 2:1 am Dienstagabend bei Dynamo Kiew hatten außer dem Quintett noch Niklas Süle und Josip Stanišić aus Corona-Gründen gefehlt. Die beiden Abwehrspieler waren positiv getestet worden, gegen Arminia Bielefeld werden sie am Samstag zurückerwartet.

Frankfurt (Oder)

Ausgerechnet Kimmich. Der Nationalspieler steht seit einem Monat im Zentrum der Debatte um die Corona-Impfung, die auf vielen Gesellschaftsebenen heiß diskutiert wird. Der Münchner Mittelfeldchef hatte erklärt, dass er „persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht“, habe. Dafür hatte es viel Kritik für den Familienvater Kimmich gegeben. Auch wegen der Vorbildrolle, die ihm als Nationalspieler zugeordnet wird.
„Ich glaube schon, dass ihn das Ganze beschäftigt“, sagte Bundestrainer Hansi Flick am Mittwoch. Der frühere Bayern-Coach berichtete von einem Telefonat mit seinem Leistungsträger, dessen „Tendenz“ zur Impfung gehe. „Ich habe mit Jo gesprochen und denke, dass es auch in die Richtung geht, dass er sich impfen lässt“, sagte Flick während einer Videoschalte des Deutschen Fußball-Bundes. „Ich gehe mal davon aus, ja, es ist in Zukunft auch nichts anderes mehr möglich, denke ich mal“, ergänzte der Bundestrainer.

Spitzenduell gegen Dortmund vor der Brust

Die Infektionen von Kimmich und Choupo-Moting verdeutlichen, wie fragil die Personalplanungen sein können. Anderthalb Wochen vor dem brisanten Duell in Dortmund, vor dem für den Tabellenführer aus München zunächst am Samstag das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ansteht, ist der Personalstand höchst beunruhigend. „Es kommt immer darauf an, wie es sich in Zukunft gestaltet. Wenn natürlich die Spieler weiterhin in Quarantäne müssen, wenn sie ungeimpft sind, dann hat das immer eine kleine Gefahr für die Saisonziele“, hatte Nagelsmann kurz vor der Partie im winterlichen Kiew bemerkt.
Ausführlich hatte Nagelsmann gut zwei Stunden später nach dem nächsten Erfolg der auf Europas großer Fußball-Bühne weiter makellosen Bayern Stellung zu Reizthemen wie Quarantäne-Ausfällen oder für ihn nachvollziehbare Gehaltseinbußen für betroffene Profis bezogen. Und das nächste Thema mit Brisanz könnte die Katar-Frage auf der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters am Donnerstag (19.00 Uhr) vor maximal rund 1700 Besuchern aufwerfen.
„Grundsätzlich ist es immer ein schönes Erlebnis, den Mitgliedern gegenüberzutreten“, sagte Nagelsmann über seinen geplanten Besuch im Audi Dome. „Für mich ist das kein Nebenkriegsschauplatz.“

Gnabry und Musiala entscheiden sich um

Neben dem durch den im zeitweiligen Schneetreiben gegen Dynamo vorzeitig gesicherten ersten Platz in der Gruppe hob auch die Aussicht auf eine positive Impfkunde der Nationalspieler Gnabry und Musiala die Laune des Bayern-Trainers. „Ich kann das noch nicht bestätigen“, sagte Nagelsmann: „Sollte es der Fall sein, dann freue ich mich darüber, dann ist es ein erster Schritt.“ Der „Kicker“ hatte den Piks für Gnabry und Musiala vermeldet.
Ohne die fünf Profis in Quarantäne hatte eine Münchner Rumpftruppe auch Gruppenspiel Nummer fünf in der Königsklasse gewonnen. „Mission erfolgreich abgeschlossen“, stellte Kapitän Manuel Neuer nach der ersten Champions-League-Etappe zufrieden fest. Angeschlagen mussten in Kiew Lucas Hernández (muskuläre Probleme) und Tanguy Nianzou (Schulterschmerzen) vom Platz. Sie könnten nun ausfallen.
Nagelsmann ließ anklingen, wie schwer die „Gratwanderung“ für ihn als Trainer ist. Als Impfbefürworter habe er eine klare Meinung. Aber man müsse auch versuchen, die Meinung nicht geimpfter Spieler zu verstehen. Dazu gehe es um die Vorgaben des Vereins. Beides müsse man nach außen vertreten können. „In der Gemengelage versuche ich, so ein bisschen als Verbindungsglied zu wirken. Ich glaube, es klappt ganz gut - hoffe ich“, sagte Nagelsmann zu seiner Schlüsselrolle. Jetzt muss er den noch längeren Kimmich-Ausfall moderieren.