Die Serie der Eisernen war vor dem Spiel beeindruckend: Union Berlin war seit 20 Heimspielen ungeschlagen und ist es nun seit 21. Die letzte Heimniederlage war das 1:3 gegen Augsburg am 1. Spieltag 2020/21. Union gelang zudem mit dem 2:0 nach zuvor sechs nicht gewonnenen Pflichtspielen gegen den VfL Wolfsburg der erste Sieg. In der Tabelle zogen die Berliner am mit vier Siegen in die Saison gestarteten VfL vorbei auf Rang 5 (15 Punkte).

So fielen die Tore der Partie 1. FC Union Berlin – VfL Wolfsburg

1:0 Taiwo Awoniyi (49.)
Der frischgebackene nigerianische Nationalspieler verwertet eine Kombination über Max Kruse und Genki Haraguchi mit einem Flachschuss zur Führung.
2:0 Sheraldo Becker (82.)
Der Niederländer köpfte den Ball nach Flanke des ebenfalls eingewechselten Andreas Voglsammer Richtung VfL-Kasten. Torwart Koen Casteels erwischte den Ball erst hinter der Linie, wie die Hawkeye-Technik Schiedsrichter Stegemann bestätigte.

So ging der 1.FC Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg ins Spiel

Union-Trainer Urs Fischer sah keinen Grund, die zuletzt gegen zweimal siegreiche Berliner Mannschaft zu verändern und ließ sein Team im 4-1-3-2-System mit den drei ehemaligen Wolfsburgern Robin Knoche, dem Eisenhüttenstädter Paul Jäckel und Max Kruse antreten.
Bei Gegner Wolfsburg zog der gebürtige Sachse Maximilian Arnold mit seinen 259. Einsatz in der Bundesliga mit dem bisherigen alleinigen VfL-Rekordspieler Diego Benaglio gleich. Größte Überraschung im Startelf-Lotto von Trainer Mark van Bommel: In der Offensive müssen Nationalspieler Ridle Baku und der Niederländer Wout Weghorst zunächst auf die Bank, dafür kommen Lukas Nmecha und der Ex-Cottbuser Maximilian Philipp neu in die Startelf. Und für den Gelb-Rot gesperrten Lacroix spielte der Ex-Herthaner John-Anthony Brooks in der Innenverteidigung des 4-2-3-1-Systems.

So lief das Spiel des 1. FC Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg

Die erste Chance hatten gleich die Eisernen, aber Ryersons Kopfball (!) ging vorbei. Der VfL versuchte die Berliner mit ihren einen Waffen unter Druck zu setzen, griff früh an und hatte damit durchaus Erfolg. Die eigentlich selbstbewusst gestarteten Platzherren wurden etwas fahriger in ihren Aktionen, die Gäste kamen so zu Chancen. Nachdem Unions Abwehrchef Robin Knoche bei einem Kopfball von Lukas Nmecha noch für den geschlagenen Torwart Andreas Luthe rettete (11.), tat dies beim drei Meter vor dem Tor freistehenden Ex-Herthaner Dodi Lukebakio der rechte Pfosten (25.) und Philipp verfehlte, nachdem Luthe vor Waldschmidt klärte das leere Tor (40.). Zwischendurch rückte Schiedsrichter Sascha Stegemann ins Rampenlicht. Einen Tritt von VfL-Mittelfeldspieler auf den Knöchel von Rani Khedira übersah er, zückte bei einem vergleichsweise geringeren Vergehen von Niko Gießelmann an Kevin Mbabu den Gelben Karton. Die Union-Volksseele kochte.
 Wolfsburgs Josuha Guilavogui (l) kann das Tor von Unions Taiwo Awoniyi (2.v.l.) zum 1:0 nicht verhindern. Wolfsburgs Torwart Koen Casteels (2.v.r.) und der Wolfsburger Sebastiaan Bornauw schauen dem Ball hinterher.
Wolfsburgs Josuha Guilavogui (l) kann das Tor von Unions Taiwo Awoniyi (2.v.l.) zum 1:0 nicht verhindern. Wolfsburgs Torwart Koen Casteels (2.v.r.) und der Wolfsburger Sebastiaan Bornauw schauen dem Ball hinterher.
© Foto: Matthias Koch/dpa
 Die zweite Hälfte begann wie für den 1. FC Union Berlin gemalt. Nach einer schnellen Kombination markierte Taiwo Awoniyi seinen sechsten Saisontreffer. Der erste Erfolg über den VfL geriet in Reichweite. Aber die Niedersachsen gaben nicht so schnell klein bei, erhöhten den Druck merklich. Spätestens mit der Hereinnahmen von Baku und Weghorst wurden die Aktionen auch gefährlicher, doch der Niederländer scheiterte noch an Luthe (70.). Schmerzhaft war der Abend für Unions Rani Khedira, nach dem Knöcheltritt erwischte Arnold ihn mit einem Schuss an die Schläfte, aber der Berliner konnte nach kurzer Behandlungspause weitermachen und seinen Kampfeswillen in die beginnende Abwehrschlacht einbringen. doch die war dank unglaubliche Effizienz der Unioner schnell beendet, als Becker mit dem zweiten Torschuss das 2:0 erzielte und den dritten Treffer nur knapp verpasste (90.).

Die Stimmen zum Spiel 1. FC Union Berlin - VfL Wolfsburg

Sheraldo Becker (1. FC Union Berlin): Der Schlüssel zum Sieg war heute harte Arbeit und viele Meter, die wir gelaufen sind. Wir waren stark in der Verteidigung und wir haben gut nach vorne gespielt beim ersten Tor. Beim zweiten Tor war dann ganz viel Überzeugung dabei. Ich bin froh, dass Tor erzielt zu haben, denn ich will gerne mehr Spielzeit haben. Dafür arbeite ich auch unter der im Training hart.“
Andreas Luthe (Torwart 1. FC Union Berlin): „Ein hartes Stück Arbeit, ein intensives Spiel. In der ersten Hälfte kann auch Wolfsburg das 1:0 machen, beim Pfostentreffer haben wir Glück gehabt. Aber wir haben uns reingebissen ins Spiel. In der zweiten Hälfte waren wir sehr konsequent vor dem Tor. Das war ein wichtiger, zufriedenstellender Sieg.“
Mark van Bommel (Trainer VfL Wolfsburg): Leider haben wir keine drei Punkte erspielt. Dabei haben wir gut angefangen und die Chance zum 0:1. Wenn der Ball ins Tor geht, statt an den Pfosten, gewinnen wir das Spiel. Danach hat Union die Qualität gezeigt, solche Spiele zu entschieden, hat zweimal aufs Tor geschossen und zweimal getroffen. Wenn wir kein Tor schießen, können wir auch nicht gewinnen.
Urs Fischer (Trainer 1. FC Union Berlin): Wir waren heute sehr effizient, hatten auch das nötige Wettkampfglück, das wir brauchen, wenn wir gegen den VfL erfolgreich sein wollen. Wir haben haben am Schluss den Sieg verdient, toll gearbeitet als Team, waren immer kompakt, hatten immer Balleroberungen. Aber wir waren auch zu unpräzise, sonst hätten wir uns mehr Chancen erspielt. Aber mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.“

So sieht die Statistik der Partie 1. FC Union Berlin - VfL Wolfsburg aus

1. FC Union Berlin – VfL Wolfsburg 2:0 (0:0)
Union Berlin: Luthe - Jaeckel, Knoche, Friedrich, Gießelmann (90. Oczipka) - Khedira – Ryerson, Haraguchi (72. Becker), Prömel - Awoniyi (84. Behrens), Kruse (72. Voglsammer)
Wolfsburg: Casteels - Mbabu, Brooks, Bornauw, Roussillon - Guilavogui (60. Vranckx), Arnold - Lukebakio (83. F. Nmecha), Philipp (68. Weghorst), Waldschmidt (60. Baku) - L. Nmecha
Tore: 1:0 (49.) Awoniyi, 2:0 (82.) Becker - Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel); Gelbe Karten: Gießelmann, Knoche, Jaeckel - Bornauw, Brooks - Zuschauer: 11.006

So geht es beim 1. FC Union Berlin weiter

Die Eisernen gehen in die nächste europäische, englische Wochen. In der Gruppenphase der Conference League reisen die Berliner am Donnerstag zu Feyenoord Rotterdam. Am Sonntag geht es dann gleich weiter: In der Bundesliga wartet auf die Unioner am Sonntag um 17.30 Uhr in der Bundesliga die nächste Aufgabe. Beim VfB Stuttgart gilt es den zweiten Auswärtssieg der Saison ins Visier zu nehmen.

Und sonst noch beim 1. FC Union Berlin?

Die Diskussionen in Internet-Foren des Vereins sind ungewohnt hitzig. Thema natürlich: Wie viele Zuschauer sollen zu den Heimspielen zugelassen werden. Der Verein hatte sich für die 3G-Regel entschieden, wollte per Eilantrag vor dem Berliner Verwaltungsgericht eine Auslastung von 80 Prozent erreichen - also 18.000 geimpfte, genesene oder getestete Fans begrüßen, darf aber nicht. Das zuständige Verwaltungsgericht lehnte das ab. Union akzeptierte das Urteil. Nun ist die Debatte entbrannt. Der Verein will mit der 3G-Regel niemanden ausschließen (Präsident Dirk Zingler: „Wenn wir Ungeimpfte ausschließen, erreichen wir sie gar nicht mehr.“) , Fans sehen das durchaus anders.
Viele sehen in den Sozialen Medien die Herdenimmunität bei Corona erreicht, wollen wieder ein volles Stadion, andere wären mit der angestrebten Lösung zufrieden. Ein Banner in Stadion lautete: „Regeln vereinheitlichen – Stadionauslastung anheben – Jetzt.“ Die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern ermöglichen ganz unterschiedliche Auffasungen. Bei Mönchengladbach gegen den VfB Stuttgart etwa können trotz 3G-Regel 48.500 Fans im 55.000-Mann fassenden Stadion am Böckelberg sitzen. Auch bei Dortmund gegen Mainz (67.000/81.500) sind weit mehr als die in Berlin erlaubten 50 Prozent möglich.