Es gab viele warme Worte, aber nach 90 Minuten stand für den 1. FC Union Berlin gegen den Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga FC Bayern München eine 2:5-Packung, das Abrutschen auf Platz 6 in der Tabelle und das Ende eine Serie von 21 Heimspielen ohne Niederlage. Die Bilder danach würde es indes in kaum einem anderen Stadion geben. Sie bewiesen, was anders ist im Stadion an der Alten Försterei. Trotz der in ihrem Zustandekommen spektakulären Niederlage feierten die Union-Fans unter den 16.509 Zuschauern bei einer Ehrenrunde ihre Lieblinge, die standen minutenlang vor der Tribüne an der Waldseite und lauschten fast ergriffen den Gesängen.

Gänsehautatmosphäre auf den Rängen bei Union Berlin gegen FC Bayern

„Willkommen zu Hause“, hatte sich Stadionsprecher Christian Arbeit schon vor der Partie gefreut und „ein Tränchen“ verdrückt. Zum ersten Mal gab es wieder Zuschauer bei der Partie des 1. FC Union Berlin gegen den FC Bayern. Im März 2020 war es die erste Partie, die der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. In der vergangenen Saison waren keine Fans erlaubt. „Ein erster Schritt ist getan – Vollauslastung weiter anstreben“, forderten die Fans auf einem Banner auf der Gegengerade. Überall saßen grinsende, glückliche Menschen auf den Rängen und entsprechend euphorisch war die Stimmung ungeachtet irgendeines Ergebnisses – Gänsehaut-Atmosphäre inklusive.
Union Berlins Paul Jaeckel (links) und Münchens Corentin Tolisso kämpfen um den Ball.
Union Berlins Paul Jaeckel (links) und Münchens Corentin Tolisso kämpfen um den Ball.
© Foto: Andreas Gora/dpa
Dem konnte sich auch Paul Jaeckel nicht entziehen. Nach der Partie bedankte sich der Union-Verteidiger bei Twitter in jedem Fall bei den Fans. „Vielen Dank für die super Unterstützung, auch bei so einem Ergebnis.“ Und der 23-Jahre alte Eisenhüttenstädter blickte auch gleich voraus. „Wir sehen uns am Donnerstag gegen Rotterdam, dann wird das bestimmt genauso spaßig für Euch.“ Spaßig begann die Partie gerade für Jaeckel nicht, denn sein Handspiel lenkte die Partie in die aus Berliner Sicht falsche Richtung. Bayern-Torjäger Robert Lewandowski traf mit dem fälligen Elfmeter zum 0:1 (15.) und legte kurz darauf mit einem Freistoß nach. Nach dem 0:3 durch Leroy Sané schien alles entschieden.

Christopher Trimmel: „Die ersten 30 Minuten waren wir nicht im Spiel.“

Hinterher gaben sich die Unioner selbstkritisch. „Die ersten 30 Minuten waren wir nicht im Spiel, das war letztlich ausschlaggebend. Ein bisschen sind wir zurückgekommen, aber davor, das war einfach zu wenig. Wir wollten das Spiel offen halten. Das ist uns nicht gelungen“, befand Kapitän Christopher Trimmel. Und Torwart Andreas Luthe fügte an: „Wir sind im Anlauf mehr gewohnt von uns, sind sonst griffiger und aggressiver. Das haben wir erst in der zweiten Halbzeit gezeigt. Da haben wir das Spiel offen gehalten.“ Dem Treffern von Niko Gießelmann noch vor dem Wechsel und Julian Ryerson zum 2:4 standen aber auch zwei Kontertore durch Kingsley Coman und Thomas Müller zum Endstand gegenüber.
Fußball-Bundesliga 1. FC Union Berlin Trainer Urs Fischer mit klarer Ansage an den FC Bayern

Berlin

Wie Bayerns Aushilfstrainer Dino Toppmüller (“Union hat ein tolles Team. Wir sind total froh, die gewünschte Reaktion nach dem 0:5 in Mönchengladbach gezeigt zu haben. Das war nicht selbstverständlich gegen ein Team, das zuvor 21 Spiele zu Hause ungeschlagen war und das ein tolles Publikum mit viel Wucht im Rücken hat.“) lobte auch Nationalspieler Müller den Gegner. „Union gibt nie auf mit diesen fantastischen Fans im Rücken. Hier in diesem Stadion weiß man nie was passiert. Sie haben es uns schon sehr schwer gemacht“, erklärte der 32-Jährige.

Thomas Müller vom FC Bayern hat nun auch gegen Union Berlin getroffen

Auch aus einem anderen Grund war es für Thomas Müller eine besondere Partie. Denn mit seinem Treffer zum 5:2 gegen Union hat er nun gegen alle aktuellen Bundesliga-Gegner getroffen, Die Köpenicker hatten noch auf seiner Liste gefehlt. Und über die Höhe der Niederlage müssen sich die Unioner auch nicht grämen. Sie sind nicht allein nach Spielen gegen den FC Bayern, der in der Alten Försterei auch noch einen Torrekord aufstellte. 38 Treffer nach zehn Spieltagen hat es in der Fußball-Bundesliga noch nie für ein Team gegeben.
Als Verlierer mussten sich die Berliner Spieler aber sowieso nicht fühlen. „Die Zuschauer haben uns nach dem Spiel gefeiert, trotz des 2:5. Sie haben gesehen, das wir alles aufgewendet haben. Das ist einzigartig hier“, lobte Publikumsliebling Luthe die eigenen Anhänger.