Der 1. FC Union Berlin hat auch im 14. Heimspiel in Folge nicht verloren. Die drei Punkte aus dem 2:1 in der Alten Försterei gegen den VfB Stuttgart waren zudem weitere wichtige Zähler für eine Zukunft im europäischen Geschäft. Hier die Partie im Check.

Die Lage

Die Ausgangslage ist überraschend wie erfreulich für beide Team. Der Underdog aus Köpenick und der Aufsteiger duellieren sich als Siebter und Achter in der Alten Försterei um einen Platz im internationalen Geschäft.

Die Vorgeschichte

Die Worte von Union-Trainer Urs Fischer vor der Partie waren schon überraschend. Wochenlang machte der Schweizer mehr oder weniger elegant einen Bogen um das Wort Europa. Nun aber ließ er das Understatement fallen. „Wir stehen da oben. Wir wollen bis zum Schluss kämpfen, um so viele Punkte wie möglich zu holen, um da oben zu bleiben. Dann ist es logisch, dass man entsprechend auch die Plätze angreifen will, die zum internationale Geschäft führen“, sagte Fischer vor der Partie gegen den VfB. Die Wichtigkeit der Begegnung unterstreicht der Blick auf die Tabelle. Beide Mannschaften trennt nur ein Zähler. Ein Vorteil für die Berliner: Union ist seit 13 Heimspielen ungeschlagen.

Die Tore

1:0 (20.) Grischa Prömel, trifft mit einem Flugkopfball nach einer Flanke von rechts von „Maskenmann“ Christopher Trimmel.
2:0 (43.) Peter Musa, grätscht den Ball ins Tor nach einer Eingabe von Trimmel. Zuvor hatte Kruse seinen Ballverlust ausgebügelt und den Kapitän ins Spiel gebracht.
2:1 (48.) Philipp Förster, hebt den Ball nach starker Ablage von Sasa Kalajdzic über Torwart Andreas Luthe in die Maschen.

Die Startelf und Taktik

Bei Christian Gentner dürfte die Freude besonders groß sein. Der 34-jährige darf gegen seinen Ex-Club und Herzensverein aus dem Schwäbischen in der Startelf ran. Er wurde 2007 mit Stuttgart deutscher Meister und bestritt 278 seiner 424 Bundesligapartien für den VfB. Neben Gentner stellte Trainer Urs Fischer im 3-5-1-1-System noch Grischa Prömel und Robert Andrich ins Mittelfeld. Die Dreier-Abwehr-Kette Marvin Friedrich, Robin Knoche und Nico Schlotterbeck.
Ihr „Größter Feind“ dürfte Sasa Kalajdzic werden. Der zwei Meter lange Mittelstürmer des VfB im 3-4-2-1-System von Trainer Pellegrino Matarazzo hatte schon im Hinspiel beim 2:2 mit zwei Treffern die 2:0-Führung der Eisernen egalisiert. Kleiner Vorteil für Union. Der kongenialer Flankengeber des Österreichers, Borna Sosa, fehlt wegen einer im Abschlusstraining erlittenen Knieverletzung.

So lief die Partie

Die Abtastphase bestimmten den Stuttgarter, bei denen die Kombinationen vor allem über Didavi, Thommy und Didavi über die rechte Seite liefen. Auch den ersten Torschuss verbuchten die Gäste. Insofern war die Führung für die Unioner schon etwas überraschend. Die Vorlage zum 1:0 war für Trimmel, der wegen seiner operierten Nase mit Maske spielte, die erste Torvorlage ausgerechnet seit dem Hinspiel gegen den VfB. Gleichwohl kamen die Platzherren jetzt besser in die Partie. Zwar hatte Stuttgart weiter mehr Ballbesitz, aber die Aktionen wirkten gebremst. Zumal die Unioner nun die Räume engagierter zustellten, die Mehrzahl der zweiten Bälle eroberten und die wichtigsten Zweikämpfe gewannen. Und vor dem Tor bleiben die Berliner effizient. Mit dem dritten Torschuss fiel das 2:0, für den Kroaten Musa war es das erste Saisontor im Union-Dress.
Nach der Pause ging es ganz schnell. Der Dreifach-Wechsel von VfB-Coach Mattarazzo zeigte Wirkung und der gerade eingewechselte Förster ließ die Schwaben aufschließen. Und damit entwickelte sich eine zumindest spannende Partie. Weil aber die Unioner in der Abwehr Kalajdzic weiter im Griff hatten und sich vorme nun gegen offensive Stuttgarter Räume auftaten, hatten sie die besseren Möglichkeiten. Nur VfB-Torwart Gregor Kobel verhinderte gegen Trimmels Schuss und Krises Kopfball das dritte Tor der Köpenicker. Die drei Punkte für den verdienten Sieg im Kampf um Europa blieben aber an der Wuhle und wurden von rund 60 Fans hinter der Tribüne an der Waldseite gemeinsam mit der Mannschaft, die sie von der Tribüne beobachte, mit einem kleinen Feuerwerk gefeiert.

Die Stimmen

„Die Maske hat gehalten: Das ist das Wichtigste, aber ich will die schnell weg haben. Die Partie war sehr schwierig. Wir haben 40 Punkte und den Klassenerhalt erreicht. Da ist es richtig, dass der Trainer mit Europa neue Ziele setzt. Aber das Programm ist schwierig, jetzt geht es an Eingemachte.“ Christopher Trimmel (Kapitän Union Berlin)
„Das Ergebnis war nach Plan. Aber die Partie war in der zweiten Hälfte schwieriger, als erhofft. Die Mannschaft hat Charakter, obwohl das Ziel Klassenerhalt erreicht ist, hat sie weiter ein tolle Motivation, gibt Hundert Prozent im Training und will weiter das Maximum erreichen.“ Christian Gentner (Union Berlin)
„Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen und Union war effizient vor dem Tor. Nach dem 2:1 haben wir wieder an uns geglaubt. Ein Punkt wäre drin gewesen. Wir haben heute null Punkte erhalten. Mehr bedeutet es nicht, wir beschäftigen uns nur mit uns und dem nächsten Spiel, blicken nicht auf die Tabelle.“ Pellegrino Mattarazzo (Trainer VfB Stuttgart)
„Ein toller Sieg, den sich die Mannschaft verdient hat, weil sie sehr viel aufgewendet hat. Ich finde es nicht mutig, von Europa zu sprechen. Wenn du sechs Spieltage vor Schluss dort stehst wo wir stehen, muss du Chance nutzen. Aber wir werden Spiel für Spiel denken – wie immer.“ Urs Fischer (Trainer 1. FC Union)

Die Statistik

Union Berlin – VfB Stuttgart 2:1 (2:0)
Union Berlin: Luthe - M. Friedrich, Knoche, N. Schlotterbeck - Trimmel (85. Ryerson), Andrich, Prömel (85. Griesbeck), Gentner (62. Ingvartsen), Lenz - M. Kruse - Musa (70. Teuchert)
Stuttgart: Kobel - Kaminski (85. Cissé), Anton, Mawropanos - P. Stenzel (46. Förster) , Endo, Karazor, Thommy (59. Churlinov) – Didavi (46. Klimowicz), Coulibaly (46. Massimo) - Kalajdzic
Tore.: 1:0 Prömel (20.), 2:0 Musa (43.), 2:1 Förster (48.) – Schiedsrichter: Cortus (Röthenbach/Pegnitz) - Zuschauer: keine

So geht es weiter

Für die Unioner steht am Mittwoch um 20.30 Uhr die Auswärtsaufgabe bei Borussia Dortmund auf dem Programm, während die Stuttgarter zur selben Zeit den VfL Wolfsburg empfangen.