Ganz am Ende der halbstündigen Pressekonferenz vor dem Topspiel des Tabellenfünften namens 1. FC Union Berlin gegen einen schnaubenden Rekordmeister FC Bayern München entfuhr Urs Fischer ein bemerkenswerter Satz. „Es entspricht ja auch ein bisschen unserer Spielweise“, sagte der 55 Jahre alte Schweizer ganz en passant – und meinte damit die Art und Weise, wie Borussia Mönchengladbach den FC Bayern am vergangenen Mittwoch im DFB-Pokal demontiert hatte beim 5:0-Triumph. „Wichtig ist, es nicht 1:1 anzuwenden, aber das ein oder andere zeigst du dann den Jungs“, meinte Fischer.
Für seine Verhältnisse fast schon eine Ansage an die Bayern, die erneut ohne Chefcoach Julian Nagelsmann nach dessen Corona-Infektion auskommen müssen. Fischer hätte ja auch allen Grund, mit Zuversicht in die Partie zu gehen an diesem Sonnabend im Stadion An der Alten Försterei.

Der 1. FC Union Berlin verlor in der Vorsaison gegen den FC Bayern kein Spiel

In der vergangenen Saison spielte Union zweimal remis gegen die Münchner. Die Eisernen waren die einzige Mannschaft, gegen die die Bayern nicht wenigstens einmal in der Spielzeit 2020/2021 gewannen. In ihrem Kultstadion sind die Köpenicker zudem seit 21 Partien unbesiegt. Und auch das noch: Diesmal sind 16 509 Zuschauer zugelassen und damit so viele wie zu Corona-Zeiten schon sehr lange nicht mehr.
Es wird laut, es wird euphorisch.
Dass die Münchner eine Reaktion nach der Schmach gegen Gladbach zeigen wollen, davon gehen die Berliner aus. Nur ändert das nichts an der Herangehensweise. Und bei Trainer Fischer ändert es auch nichts am gewohnt unaufgeregten Gemütszustand. „Auch das 5:0 hat bei mir nicht viel ausgelöst“, sagte er: „Die Aufgabe ist schwer genug. Ob die mit einer speziellen Wut kommen, daran ändert sich nichts.“

Borussia Mönchengladbach als Vorbild für den .1. FC Union Berlin

Durchblicken ließ er aber schon, worauf sich die Bayern gefasst machen müssen. „Immer wieder gestört, immer wieder gestresst“, hätten sie die Münchner in der vergangenen Spielzeit. Mutig mit dem Ball, mit einer sehr hohen Laufbereitschaft, so beschrieb er dann die Merkmale des Borussen-Auftritts gegen die Bayern. Und dass man ab und zu auch mal mit langen Bällen hinter die Münchner Abwehr spielen müsse, verriet Fischer.
Eine mögliche Mixtur für die Unioner, die nur sechs Punkte weniger aus den ersten neun Partien dieser Saison holten als die Bayern. Nur einer wird womöglich oder vermutlich fehlen, der in so einem Spiel, das für die Gastgeber gegen wütende Bayern auch gehörig nach hinten losgehen kann, wichtig wäre. Max Kruse musste am Tag vor der Partie das Training abbrechen und sich in die Berliner Charité zur weiteren Untersuchung begeben. Mehr Informationen gaben die Unioner zunächst nicht preis.

Julian Nagelsmann sucht Rat bei Vereinsbossen

Derweil lief bei Bayern-Coach
Julian Nagelsmann im Hintergrund die Spülmaschine, und auch sonst waren die schweren Aufräumarbeiten in der Küche in vollem Gange. Nach der historischen Pokal-Klatsche habe er „viel geschrieben und telefoniert“, berichtete der sichtlich angeschlagene Trainer des tief gedemütigten FC Bayern. Nagelsmann suchte Rat bei den „erfahrenen“ Bossen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic – und mit seinen „Führungsspielern“ nach Antworten.
„Es war nicht so, dass wir uns am Telefon gegenseitig vollgeweint haben, wie schlimm alles ist“, berichtete er. Doch eins sei klar: Gladbach muss „einmalig bleiben, wenn man eine ordentliche Halbwertzeit bei Bayern München haben möchte“. Das gilt sogar für hoch gelobte Jahrhundert-Talente wie ihn. Die aufgestaute Bayern-Wut soll Union zu spüren bekommen.

Zusätzliche Gäste-Tickets und Sperrung zweier Blöcke

Feyenoord Rotterdam wird beim Gastspiel in der Conference League in Berlin von einem großen Anhang unterstützt werden. Der 1. FC Union hat den Niederländern für die Partie am Donnerstag, 21 Uhr, im Olympiastadion neben dem vorgesehenen Kontingent von 2800 Karten weitere 2300 Tickets zur Verfügung gestellt, die am Donnerstagabend innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren. 
Nach den gewaltsamen Zwischenfällen rund um das erste Spiel beider Vereine in Rotterdam waren die Verantwortlichen von Feyenoord überrascht. „Weil wir nicht nur Problemfans haben, sondern auch sehr positive. Natürlich machen wir uns Sorgen darüber, ob es gut geht. Wir fordern auch jeden auf, sich in Berlin gut zu benehmen. Sonst schaden sie dem Club enorm“, erklärte der Aufsichtsratvorsitzende Toon van Bodegom.
Der 1. FC Union Berlin wurde derweil nach den rassistischen Vorfällen beim 3:0 gegen den israelischen Meister Maccabi Haifa von der UEFA mit einer Teilsperrung der Blöcke 13 und 14 bestraft. Zudem müssen die Köpenicker in der Begenung gegen Feyenoord in den Blöcken ein Banner mit der Aufschrift „#NoToRacism“ sowie dem UEFA-Logo installieren.
Die für die betroffenen Blöcke vorgesehenen Zuschauer können im weiten Rund des Olympiastadions umgesetzt werden, so dass weiterhin die aufgrund der Pandemie-Regelung bis zu 25.000 Besucher dem Spiel beiwohnen können.
Neben dem europäischen Fußball-Verband hat auch der Staatsschutz des
Berliner Landeskriminalamtes gegen mehrere Personen unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Ein erster Täter war Anfang Oktober festgestellt, ein Ausschlussverfahren aus dem Verein eingeleitet
worden.