Max Kruse arbeitet fleißig an seinem Comeback im Trikot des 1. FC Union Berlin. Ein bisschen wird auch Trainer Urs Fischer hoffen, dass sein Topscorer schnellstmöglich den Anschluss findet und wieder Treffer vorbereiten oder selbst erzielen kann. Gegen Schalke 04 bleiben die Köpenicker beim 0:0 zum zweiten Mal in Folge ohne eigenes Tor, haben in den vergangenen fünf Spielen nur zwei Treffer erzielt. Und das, obwohl der Schweizer auf eine Doppelspitze mit Taiwo Awoniyi und Joel Pohjanpalo setzte.
Dass der Nigerianer und der Finne zu ähnliche Typen seien, um gemeinsam Erfolg zu haben, verneinte der Coach. „Joel ist ein Strafraumstürmer und Taiwo kommt mit seiner Schnelligkeit mehr aus der Tiefe.“ Für Fischer war etwas Anderes entscheidend, dass keine Tore gelangen. „Wir haben uns genügend Möglichkeiten erarbeitet, um das Spiel zu entscheiden. Aber wir waren einfach nicht effizient genug.“

Nur drei von 17 Union-Schüssen gehen aufs Tor

Dafür sprachen auch die Zahlen. Union hatte 17:3 Torschüsse, brachte aber nur drei davon auch auf das Schalker Tor. Und sowohl Awoniyi, der alleine vor dem Tor auftauchte, als auch Marcus Ingvartsen mit einem Kopfball aus Nahdistanz, konnten Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann nicht überwinden. „Mit den drei, vier großen Chancen musst du normalerweise das Spiel gewinnen. In den vergangenen Partien klappte es nicht so, aber ich glaube nicht, dass das mit Max Kruse zusammenhängt“, sagt Fischer.

Fischer: „Leichtigkeit, Gier, Entschlossenheit fehlen“

Dem 54-Jährigen fehlen derzeit vielmehr Leichtigkeit, Gier, Entschlossenheit oder in einem Wort zusammengefasst, die „Geilheit“, um Tore zu erzielen. Das bezieht er nicht nur auf seine Stürmer. Auch die Mannschaft sei seiner Analyse gefolgt. „Im Moment fehlen einfach die entscheidenden Zentimeter, dass der Ball ins Tor geht“, erklärte Robert Andrich. Und wie dem Abhilfe geschaffen werden kann, das glaubt Fischer, der das Thema vor der Mannschaft angesprochen hat, zu wissen. „Es hat ja nicht nur Taiwo gesündigt. Wir müssen entsprechende Übungen auswählen, das Coaching anpassen und den Jungs schon im Training vermitteln, das sie Tore erzielen sollen, um auf das Spiel gut vorbereitet zu sein.“

Fischer kennt längere Durststrecken

Dass Stürmer eine längere Durststrecke erleben, ist für Fischer nichts Neues. „Bei Taiwo ist diese Phase gar nicht so lang. Da habe ich schon anderes erlebt.“ Wichtig sei, dass man ruhig bleibt und den Stürmern Vertrauen schenkt. „Das ist der richtige Ansatz.“ Zumal die Leistung von Awoniyi ihm ansonsten gefallen hat. „Er hat unermüdlich für das Team gearbeitet, Bälle festgemacht. Er muss nur endlich das Runde über die Linie bringen.“ Vielleicht bekommt er am Sonnabend beim SC Freiburg ja auch Unterstützung. Kruse könnte gegen seinen alten Verein immerhin schon eine Option für den Kader sein.

Spieltag-Check


Geduldsprobe In der Schlussphase kam Neuzugang Petar Musa für knapp eine halbe Stunde aufs Feld. Doch der Kroate wirkte noch ein bisschen wie ein Fremdkörper. „Es ist logisch, dass noch nicht alles klappt. Er ist erst ein Woche bei uns“,sagt Trainer Fischer und lobte Musas Reaktion, wenn einmal etwas nicht gelang. „Er hat es weiter versucht.“

Unterbeschäftigt Für Loris Karius war es eine undankbare Partie. Der ausgeliehene Ersatzmann von Andreas Luthe hatte kaum eine Möglichkeit, sich auszuzeichnen, um sich für einen festen Vertrag zu empfehlen.

Statistisches Die Spieldaten unterstrichen die neue Stabilität bei Gegner Schalke. Der hatte 62 Prozent Ballbesitz und ließ die Unioner viele Kilometer laufen (118;81:114,54). Die hielten in den Zweikämpfen (dagegen (51:49 Prozent), zum Torerfolg führte dies aber auch nicht.