Eigentlich ist Oliver Ruhnert ein sehr energiegeladener Mann. In seinem Job als Manager beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin ist das mit Sicherheit von Vorteil. Manchmal aber stößt selbst der 49-Jährige ein kleines bisschen an seine Grenzen. „Ich habe das Ende der Transferperiode als sehr ungewöhnlich erlebt. Es war sehr stressig“, sagte der Geschäftsführer Profifußball der Eisernen und spricht in einer digitalen Medienrunde am Mittwoch über ...
...die hohe Fluktuation im Kader:
Zwar habe der Verein mit 14 externen Zugängen und 15 Abgängen eine hohe Fluktuation verzeichnet, doch sollen diese Veränderungen dazu führen, einen entsprechenden Prozess einzuleiten. Eine gewisse Fluktuation ist bei einem Verein notwendig, der neu in der Bundesliga ist“, sagt Ruhnert. Nach einer gewissen Zeit werde das weniger. Diese Zeit sieht Ruhnert jetzt gekommen. „mit den Spielern, die wir jetzt dazu bekommen haben, wird die Fluktuation weniger werden.“ Insgesamt sei er mit dem nun zusammen gestellten Kader zufrieden. „Wir glauben, einen Kader zusammengestellt zu haben, der definitiv die Bundesliga halten kann und darüber hinaus den Fans Spaß machen wird.“

Bad Freienwalde

... Spieler, die noch gegangen oder nicht gekommen sind:
Marcus Ingvartsen wollte gerne auf einer anderen Positionen spielen, die er bei uns aus seiner Sicht nicht spielen kann.“ Er war zuletzt nicht mehr Stammspieler, da könne man verstehen, dass er sich Gedanken macht, ob er einen Trainer findet, der ihm entsprechende Möglichkeiten bietet. „Dann muss man sich zusammensetzen.“ Allerdings war der Abgang des Dänen auf Leihbasis zum FSV Mainz 05 am letzten Tag des Transferfensters genauso wenig geplant, wie der von Sebastian Griesbeck zur SpVgg Greuther Fürth und jener von Robert Andrich zu Bayer Leverkusen. „Wir hätten alle gerne behalten“, sagt Ruhnert. Einen Spieler hätte er gerne noch verpflichtet. „Aber das hat nicht geklappt. Den werden wir später holen.“ Weitere Nachfragen zum Namen blieben erfolglos.
... Wunschlösungen:
Die getätigten Verpflichtungen bezeichnete Ruhnert als Wunschlösungen. Es sei indes eher selten der Fall, dass Trainer Urs Fischer zu ihm komme und sage den müssen wir holen. „Wir haben eine klare Trennung im Scouting mit der sportlichen Führung. Der Trainer mischt sich nicht in meine Aufgabenbereich ein, ich mich nicht in seinen“, sagt Ruhnert. Er tauscht sich vor möglichen Verpflichtungen mit dem Trainerteam aus, die Entscheidung proklamiert er aber für sich.
... Nachhaltigkeit bei Verpflichtungen:
Die Spieler müssen sich in das System integrieren lassen und bezahlbar bleiben. „Wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten Entscheidungen treffen. Die versteht manchmal nicht jeder, aber wir sind damit erfolgreich“, sagt Ruhnert. Stolz ist der Manager auch darauf, mittlerweile Spieler zu bekommen, die auch „für andere Bundesliga-Vereine interessant“ waren. Das Erreichen der Conference League hebt auch das Image des Vereins innerhalb der nationalen höchsten Liga. „Bei uns passt derzeit alles“, sagt Ruhnert.
... die Liga-Gültigkeit von Verträgen:
Es werde unter seiner Führung keinen Spieler geben, dessen Vertrag nicht auch für die 2. Liga gelte. „Wir wissen wo wir herkommen und wissen, was passieren kann“, verwies der Manager auf „prominente Beispiele“. Und meint damit vor allem seinen alten Club Schalke 04, der wie der aktuellen Absteiger Werder Bremen oder dem Hamburger SV, der seit Jahren am Wiederaufstieg scheitert, in der 2. Liga spielt.
... die Last-Minute-Zugänge Bastian Oczipka und Kevin Möhwald:
„Wir haben ein paar Spieler hinzu gekommen, die auch eine Investition in die Zukunft darstellen“, sagt Ruhnert. Darüber hinaus bräuchte es aber auch Spieler, die für die Gegenwart relevant seien. „Dieses Abwägen zwischen Gegenwart und Zukunft und dieses zu verbinden, war der Grund, warum wir Bastian Oczipka verpflichtet haben“, erklärt Ruhnert. Möhwald wie Oczipka seien Spieler, die sich gut „in unser System integrieren lassen und die uns weiterhelfen können“.
Bastian Oczipka noch im Schalker Trikot und der Neu-Leipziger Andre Silva (rechts, noch als Spieler von Eintracht Frankfurt) kämpfen um den Ball.
Bastian Oczipka noch im Schalker Trikot und der Neu-Leipziger Andre Silva (rechts, noch als Spieler von Eintracht Frankfurt) kämpfen um den Ball.
© Foto: Guido Kirchner/dpa
... die Nachwuchsproblematik und die Conference League:
Weil der 1. FC Union Berlin zu wenig selbst ausgebildete Spieler im Kader besitzt, darf der Club in den Spielen in Europa weniger Spieler einsetzen. Einige aus dem 30-Mann-Kader der Eisernen werden also außen vor bleiben. „ich bin echt froh, dass diese Entscheidung, wen es erwischt, die Trainer treffen“, sagt Ruhnert. Diesen Spielern müsse man das Gefühl geben, dass es für Union um Bundesliga und DFB-Pokal gehe. Die Conference League werde nicht überbewertet. Deshalb sind auch jene Spieler, die nicht für Europa gemeldet sind für den Verein „extrem wichtig“.