Der warme Applaus ihrer Fans tröstete die Union-Profis ein wenig über das bittere Ende einer ereignisreichen Europacup-Reise hinweg. „Es ist schön zu sehen, was für eine Wucht und Power so ein kleiner Verein wie Union entfachen kann“, sagte Mittelfeldspieler Grischa Prömel: „Wir sind alle sehr enttäuscht, dass die Reise jetzt zu Ende ist.“
Keine Frage: Der Berliner Bundesligist hat die neue Conference League gelebt. Andere Klubs hätten den drittklassigen europäischen Wettbewerb vielleicht als Abstieg gewertet, für die Eisernen war es ein herbeigesehntes Abenteuer, das Fans und Mannschaft mit Begeisterung angenommen haben. Nach dem Vorrunden-Aus durch das 1:1 (0:0) im Gruppenfinale gegen Slavia Prag schrieb der Klub via Twitter von „Erinnerungen für die Ewigkeit“.

Europapokal nach 20 Jahren Pause

Das Europacup-Comeback nach 20 Jahren Abstinenz habe „viele tolle Momente“ produziert und „natürlich Lust auf mehr“ gemacht, gab Trainer Urs Fischer zu. Eine schnelle Rückkehr in den Europapokal ist durchaus möglich, Union wäre Stand jetzt als Bundesliga-Sechster erneut für die Conference League qualifiziert. Mit einem Sieg am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) beim abgeschlagenen Schlusslicht Greuther Fürth käme man gar den nur zwei Punkte entfernten Champions-League-Rängen näher.
Fischer pocht zwar öffentlich weiter auf das Ziel „Klassenerhalt“, doch intern ist die Hoffnung auf ein neues Europacup-Abenteuer groß. Beim ersten Anlauf hat das Team „Lehrgeld gezahlt“, wie Fischer sagte. Fehler wie der katastrophale Querpass von Timo Baumgartl vor dem 0:1 auf Torschütze Ivan Schranz (50.) gab es leider zu viele in der Gruppenphase. „Auf internationalem Niveau darfst du dir solche Fehler nicht erlauben“, haderte der Trainer, „das sind Erfahrungen, die du mitnehmen musst.“

Viel Geld für den 1. FC Union Berlin

Auch spielerisch zeigte sich Union nicht reif genug für die K.o.-Runden. Angreifer Max Kruse, der mit seinem 1:1-Ausgleichstreffer (64.) noch mal Hoffnung auf den zwingend notwendigen Sieg geweckt hatte, haderte: „Wir haben nur versucht, die Bälle irgendwo vorne reinzuschlagen.“ Man habe im ganzen Bemühen „vergessen, dass wir auch Fußball spielen wollen“.
Was nach dem Aus bleibt, sind die Erinnerungen: an stimmungsvolle Auswärtsspiele wie in Helsinki und Haifa. An den gewaltbegleiteten Ausflug nach Rotterdam. An rote Fan-Feste im Olympiastadion, der Heimat der „Blauen“ von Hertha BSC. Ein bisschen Geld hat Union auch kassiert, knapp 3,5 Millionen Euro allein als Startprämie.
„Es war eine tolle Erfahrung für die Jungs, wir haben das Ganze nicht so schlecht gemacht – auch wenn es sich heute wirklich schlecht anfühlt“, sagte Fischer. Union hat den neuen Wettbewerb wirklich bis zum bitteren Ende gelebt.
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