Seine geplante Weindiät hat Pal Dardai erst einmal abgesetzt. Kein Wunder, schließlich ist der Trainer von Fußball-Bundesligist Hertha BSC positiv auf den Coronavirus getestet. „Da lassen wir den Alkohol jetzt mal weg“, sagt der Ungar schmunzelnd. Ansonsten fühlt er sich von „ein paar Gliederschmerzen wie Muskelkater nach einem Fußballspiel“ abgesehen aber „ganz gut“.

Dardais Frau leidet unter Corona

Anders als Torwart Rune Jarstein, der ins Krankenhaus musste, inzwischen aber wieder entlassen wurde und Co-Trainer Admir Hamzagic, der Fieber hatte oder Dardais Frau Monica. „Sie leidet, sie hat es schon heftiger erwischt“, sagte der 45-jährige bei einer Videomedienrunde aus seiner häuslichen Quarantäne, die der Coach und die gesamte Mannschaft bis zum 28. April einhalten muss.
Er selbst ist überrascht, dass er sich gemeinsam mit den Profis Dodi Lukebakio und Marvin Plattenhardt infiziert hat. „Als Jugendtrainer kannte schon viele Fälle bei unseren Senioren und in der Nachwuchsakademie. Da habe ich schon tierisch aufgepasst“, erzählt Dardai. Angesteckt aber hat er sich jetzt. „Ich habe es ernst genommen“, betonte der Ungar, der auf dem Trainingsplatz vom positiven Test erfahren hatte.

15 tägliche Telefonate mit Co-Trainer „Zecke“ Neuendorf

Natürlich ist für jemanden wie Herthas Rekordspieler, der vor allem Bewegung liebt, ein häusliche Quarantäne etwas gänzlich ungewohntes. „Ich telefoniere 15-mal am Tag mit Co-Trainer Zecke Neuendorf, schaue Netflix, aber ist schon langweilig.“ Auch die Besuche im Bauhaus, um Pflanzen für den Garten zu kaufen, ebenso wie das Radfahren in der Natur fehlen ihm. Und auch der Nachwuchs hat den Gegebenheiten im Hause Dardai zu kämpfen. Sein jüngster Sohn Bence habe schon ein bisschen gemeckert, dass er nicht zum Training von Herthas U 16 und in die Schule darf.
Gleichwohl will Dardai gerade aus sportlicher Sicht nicht so viel rumheulen. „Wir suchen kein Alibi, es gibt viel schlimmere Dinge im Leben.“ Fitnesstrainer Hendrik Kuchno mache einen tollen Job mit dem Team. „Wie sie ackern beim Online-Training, das kann auch positiv sein“, sagte Dardai zur derzeitigen Situation seiner Profis. Laufband, Fitness-Fahrrad, Stabilisation, Intervalltraining – „einige haben schon Muskelkater“. Im Vorteil seien die Profis mit eigenem Garten, die könnten auch mal an den Ball treten. Und dem Teamgeist, im Verlaufe der Saison oft als Schwachpunkt lokalisiert, würde die Situation aus Sicht des Trainers nicht schaden. „Wir haben schon viel erlebt in dieser Spielzeit. Es ist immer besser geworden.“

Dardai sieht Position als Jäger als Vorteil

Und die erwartbare Rolle „als Vorletzter“, als Jäger der anderen Mannschaften in den sechs Partien, die sein Team ab Anfang Mai in gut zwei Wochen absolvieren muss, sieht der Coach positiv. „Wir haben alles in der eigenen Hand und von hinten spielen ist besser, als zu gucken, was hinter dir passiert.“, sagt er. Selbst einer Rotation seiner Spieler gewinnt er etwas Gutes ab. Es sei unmöglich die vielen Partien mit einer Stammelf durchzuspielen. Da sei die Verletzungsgefahr viel zu groß. Ähnlich wie bei Testspielen, wo jeder mal 60 mal 30 Minuten spielt, sei eine Möglichkeit. „Jeder kann sich zeigen, denn jeder wird spielen und kann dann Leistung bringen. Und wenn wir die Spiele nicht gut machen, sind wir selber schuld“, sagt Dardai.
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