In dieser abgelaufenen Bundesliga-Saison war Hertha BSC eigentlich nur am Ende für eine positive Nachricht gut. Dass der Klassenerhalt mit einem Kraftakt und nach einer Corona-Quarantäne des Teams gerade noch gelungen ist. Die zweite gute Nachricht folgte nun am Sonntag auf der virtuellen Mitgliederversammlung der Alten Dame. Der Baumeister des Klassenerhalts darf weiter zimmern. Pal Dardai soll seine im Januar mit der Rückkehr auf den Cheftrainerposten aufgenommene Zusammenarbeit fortsetzen.
Daumen hoch: Pal Dardai darf weiter den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC trainieren.
Daumen hoch: Pal Dardai darf weiter den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC trainieren.
© Foto: Martin Meissner/dpa

Selbst Dardais Kritik kein Hinderungsgrund

Lange hatte es gar nicht danach ausgesehen. Der Club hatte vom Ungarn angeblich 24 Punkte bis zum Saisonende verlangt, damit der Vertrag sich verlängert. Das Ziel verpasste Dardai um sechs Zähler. Aber Zahlen sind auch im Statistik-verrückten Fußball nicht alles. Gott sei Dank. Und selbst die Kritik am Investor war zum Glück kein Hinderungsgrund. Immerhin hatte sich der Ungar von der von Geldgeber Lars Windhorst geprägten Marke „Big City Club“ öffentlich distanziert.
Aber auch die Clubführung hat offenbar erkannt, was der Rekordspieler des Vereins für einen Wert hat. Ob der Vertrag nun im Januar bereits auf anderthalb Jahren ausgelegt war und nie mit einem anderen Trainer gesprochen wurde, wie jetzt Vorstands-Chef Carsten Schmidt erklärte, oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Keiner spricht so inbrünstig über die bisher eher graue Maus aus Charlottenburg wie Dardai.

Pal Dardai ist Hertha BSC

Er lebt, liebt, und wahrscheinlich ist er einfach Hertha BSC. Ehefrau Monica wird da sicher schon mal eifersüchtig. Vor allem aber hat der 45-Jährige einen riesigen Rückhalt bei der Fanbasis, ist durch seine Authentizität beliebt bei Presse wie Mannschaft. Ihn nach einem Erfolg wie dem Klassenhalt zu schassen, wäre gar nicht vermittelbar gewesen. Zumal Dardai es war, dem es gelang, was Vorgänger wie Bruno Labbadia nie schafften – aus einer Ansammlung von Einzelkönnern eine verschworene Einheit zu machen.

Dardais Stärken sind ehrliche Arbeit, Fleiß und Schlitzohrigkeit

Und es gilt daran zu erinnern, dass Dardai schon in seiner ersten Amtszeit zwischen 2015 und 2019 dem Club ohne das große Geld die Ränge 7, 6, 10 und 11, weit ab jeder Abstiegsgefahr brachte, Das schaffte er damals wie jetzt mit seinen Stärken, die ihn schon als Fußballer auf dem Feld auszeichneten. Mit ehrlicher Arbeit, Akribie, Fleiß und einem Schuss verschmitzter Genialität. Nun darf Dardai mit seinen Assistenten Andreas „Zecke“ Neuendorf und Admir Hamzagic unter einem von ihm hochgeschätzten Sportdirektor und ehemaligen Mitspieler Fredi Bobic sowie mit einer nach dem Sommer sicher stark veränderten Mannschaft zeigen, dass er diese weiter entwickeln kann. Ich freue mich darauf.