Fünf Punkte gegen die drei Champions-League-Achtelfinalisten Gladbach, Bayern und Dortmund geholt, mindestens Platz 7 zum Ende des Jahres und trotzdem denken die Verantwortlichen des 1. FC Union Berlin weiterhin nur an das eine große Ziel: den Klassenerhalt.
„Es sind einfach fünf Punkte mehr auf unserem Konto, die uns helfen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Mannschaft hat Selbstvertrauen und das hilft gegen solche Gegner“, kommentierte Trainer Urs Fischer nüchtern nach dem 2:1-Heimsieg über Borussia Dortmund am Freitagabend.  „Wir sollten die Kirche so ein bisschen im Dorf lassen.  Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir prominente Beispiele haben an Mannschaften, die plötzlich gar nichts mehr geholt haben. Wenn nochmal zwei, drei Leute ausfallen, geht es manchmal ganz schnell“, pflichtete ihm Sportchef Oliver Ruhnert in einer Medienrunde am Sonnabend bei. „Ich mache mir keine Gedanken über den Tabellenplatz. Wichtig ist, dass wir Punkte ansammeln, damit wir unserem Ziel näher kommen.“

Ausfälle für Union kein Problem

Und trotz allem Verletzungspech, das dafür sorgte, dass die Köpenicker gegen Dortmund nicht einmal ihre Ersatzbank voll bekamen, ärgern sie regelmäßig die Topteams der Liga. „Egal, wer auf das Feld kommt, alle Spieler hauen immer alles raus und das macht mich als Verantwortlichen sehr zufrieden“, lobte Ruhnert. „Viele haben davon gesprochen, dass wir durch den Ausfall von Max Kruse extrem geschwächt sind. Aber man sieht, wir sind eine Mannschaft und können das auffangen“, stimmte auch Kapitän Christopher Trimmel zu.

Union Berlin beweist erneut Standardstärke

Gegen den formschwachen BVB brauchte Union ein wenig, um in die Partie zu finden, doch konnte sich auf die Grundtugenden verlassen, die ihnen im ersten Bundesligajahr schon zum Klassenerhalt verholfen haben. Wie Trainer Urs Fischer immer von seiner Mannschaft fordert, war das Team eklig. „Es war eine absolute Willensleistung der Mannschaft. Die Jungs haben bis zum Schluss leidenschaftliche gekämpft“, lobte der Schweizer. „Wir versuchen jeden Gegner in Zweikämpfe zu involvieren, da sind wir einfach sehr gut“, erklärte Torschütze Marvin Friedrich.

Ruhnert kritisiert Friedrichs Kopfballspiel

Und dann sind da noch Unions gefürchtete Standardsituationen. Das 1:0 durch Awoniyi und Friedrichs 2:1-Siegtor fielen jeweils nach einem Eckball. Es waren die Tore sieben und acht nach einem ruhenden Ball für die Köpenicker. Für Verteidiger Friedrich war es das zweite Tor in Folge per Kopf und das, obwohl ihn Manager Oliver Ruhnert für keinen guten Kopfballspieler hält. „Er macht noch viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Er hat noch Potenzial, aber ist auf dem Weg, ein guter Kopfballspieler zu werden.“
Dass Union in diesem Jahr im oberen Drittel der Tabelle zu finden ist, hängt für Oliver Ruhnert vor allem mit einem Umstand zusammen. „Die Weiterentwicklung der Mannschaft basiert auf der Weiterentwicklung einzelner Spieler. Hinzu kommen die weiteren Wechseloptionen für den Trainer.“

Wintertransfers sind für Union Berlin unrealistisch


Trotz aller personeller Sorgen hält Sportchef Oliver Ruhnert es für ziemlich unwahrscheinlich, dass der 1. FC Union Berlin auf dem Transfermarkt, der ab dem 1. Januar wieder geöffnet ist, aktiv wird. Dennoch weiß auch Ruhnert: „Wir haben in den zentralen Bereichen Probleme und sind im Moment in einigen Bereichen auf Kante genäht.“ So müsste das Innenverteidiger-Duo Knoche/Friedrich „in Watte gepackt werden“ und Taiwo Awoniyi mache als letzter verbliebener Stürmer „einen unglaublichen Job“. Doch gerade bei sechs anstehenden Meisterschaftsspielen im Januar könnte es eng werden. Mit einem Comeback von Anthony Ujah wird Ende Januar gerechnet.

„Wir denken definitiv über Neuverpflichtungen nach, aber aus wirtschaftlichen Gründen haben wir fast keine Möglichkeit. Alle Ideen sind für uns kaum oder schwierig darstellbar.“ Doch auch mit Abgängen rechnet der 49-jährige Sportchef nicht. „Bisher kam kein Spieler mit dem Wunsch, sich verändern zu wollen.“