Fredi Bobic nutzte die eigens anberaumte Pressekonferenz. Der für den Kader verantwortliche Sport-Geschäftsführer verteidigte die Transfers der zurückliegenden Wechselperiode, vor allem die zahlreichen Abgänge. „Wir haben die Spieler abgegeben, von denen gesagt wurde, dass sie das Hertha-Trikot nicht so getragen haben, wie sie sollten“, sagte Bobic. Sie hätten dafür Spieler geholt, „die Erfahrung haben gepaart mit jungen Spielern, die sehr gerne für Hertha BSC spielen und es als Riesenchance sehen, sich hier entwickeln zu können.“

Fredi Bobic: „Bekannte Namen hattet ihr doch zwei Jahre gehabt“

Dass keine großen Namen unter den Neuzugängen sind, interessiert Bobic dabei nicht besonders. „Bekannte Namen hattet ihr doch zwei Jahre gehabt“, konterte der ehemalige Angreifer am Donnerstag in einer Medienrunde. Matheus Cunha, Jhon Cordoba, Dodi Lukebakio und auch Javairo Dilrosun verließen unter anderem den Verein für teilweise viel Geld. Zahl und Namen der Neuzugänge sind eher überschaubar. „Und auch als ich bei Eintracht Frankfurt angefangen habe, kannten die wenigsten die Spieler, die wir verpflichtet haben“, sagt Bobic. Und einen Luka Jovic, Sebastian Haller und Ante Rebic verkauften die Hessen später für zweistellige Milllionen-Euro-Beträge.
Dodi Lukebakio spielt lieber Champions League beim VfL Wolfsburg als Abstiegskampf bei Hertha BSC.
Dodi Lukebakio spielt lieber Champions League beim VfL Wolfsburg als Abstiegskampf bei Hertha BSC.
© Foto: Soeren Stache

Bobic übernimmt Verantwortung für „Scheiß-Balken“

Bobic gab zu, dass die Wirren des letzten Transfertages auch durch eigenes Verschulden zu Unmut bei den Fans geführt hatten. Ein Balken auf der Twitterseite des Vereins hatte nahegelegt, dass nach dem Transfer von Myziane Maolida noch weitere – womöglich hochkarätige – Einkäufe zu erwarten seien. Es kam aber nichts mehr. „Ich übernehme die Verantwortung für den Scheißbalken, von dem ich nichts wusste“, sagte Bobic, „dass etwas suggeriert wurde, tut mir Leid. Da müssen wir noch darüber sprechen. Deswegen verstehe ich eine gewisse Skepsis über den Transfersommer.“
Allerdings hatte Sportdirektor Arne Friedrich nach dem Transferschluss auch schon eingeräumt: „Nicht alles, was wir uns vorgenommen haben, konnten wir am Ende realisieren, aus den verschiedensten Gründen.“ Im Fall von Samu Castillejo vom AC Mailand reichte einfach die Zeit nicht aus. „Um 15 Uhr bekamen wir die Möglichkeit, dass der Spieler vielleicht auf dem Markt ist. Wir waren sehr schnell, aber die Zeit hat nicht gereicht, weil auch eine Vertragsauflösung mit dem anderen Club hätte sein müssen. Um 17 Uhr wusste ich, dass wir es nicht schaffen. Uns das anzulasten, finde ich nicht fair“, erklärte Bobic.

Fredi Bobic: „Ich komme mir vor wie im Schlussverkauf bei C&A.“

Aber der Kaderplaner war nach eigener Aussage froh, „bereits am Vormittag schon durch“ zu sein: „Als wir Maolida bekommen haben, war ich sehr zufrieden. Vor einem Monat hätte er das Doppelte gekostet. Wir müssen auch wirtschaftlich denken.“ Den Hype um den Deadline Day empfindet Bobic „als den typischen üblichen Wahnsinn. Wenn ich seit vier, fünf Jahren höre, der Deadline Day ist der große Tag… Ich komm' mir vor wie im Schlussverkauf bei C&A.“
Wieder einmal begleiten Worte wie Umbruch und Wandel den Werdegang der Hertha. Fakt ist, dass die Mannschaft mit null Punkten aus den ersten drei Meisterschaftsspielen Letzter in der Tabelle der Fußball-Bundesliga ist. Bobic weiß, dass die jetzige Phase einer Neuordnung Zeit braucht. Trainer Pal Dardai hat davon aber nicht so viel. Nach der Länderspielpause ist seine Mannschaft gegen die Aufsteiger VfL Bochum und SpVgg Greuther Fürth schon wieder und erst recht gefordert.
Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic, Sportdirektor Arne Friedrich und Trainer Pal Dardai (von links) stehen beim DFB-Pokalspiel in Meppen zusammen.
Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic, Sportdirektor Arne Friedrich und Trainer Pal Dardai (von links) stehen beim DFB-Pokalspiel in Meppen zusammen.
© Foto: David Inderlied
Dass der 45 Jahre alte Ungar nach der 0:5-Klatsche gegen den FC Bayern zuletzt indirekt seinen Rücktritt angeboten hatte, missfiel Bobic auch sehr. Ein langes Gespräch habe er mit Dardai geführt nach dessen „emotionalen Ausbruch am Sonntag, der nicht gut war. Die Emotionalität darf nicht Überhand gewinnen. Das war nicht förderlich für Hertha BSC Berlin“, sagte Bobic.

Fehler dürfen gemacht werden, nur nicht zu viele

Der 49 Jahre alte Ex-Nationalspieler forderte einmal mehr Einigkeit. „Jeder einzelne muss für den Wandel bereit sein und dafür arbeiten“, sagt Bobic, „dass da Fehler passieren und wir selber Fehler produzieren, ist klar. Allerdings dürfen wir nicht zu viele Fehler davon machen.“ Das dürfte wohl auch für jeden einzelnen gelten.