Bei Gesprächen mit Bruno Labbadia fühlt man sich ein bisschen wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Der Trainer von Hertha BSC hebt immer wieder hervor, am Montag nach dem 1:1 im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gleich mehrfach, dass „wir tagtäglich daran arbeiten, das Team weiter zu entwickeln“. Angesichts der Tabellensituation ist das mit Platz 14 und vier Punkten aus sechs Partien in der Fußball-Bundesliga auch dringend erforderlich. Unter Druck setzen lassen will sich der 54-Jährige dabei nicht.

Labbadias Arbeit trägt langsam Früchte

Und es ist auch langsam unübersehbar, dass die Arbeit von Labbadia Früchte trägt. Gegen seinen alten Club, den der Coach 16 Monate trainierte und in dieser Zeit von der Relegation bis in die Europa League führte, waren die Herthaner so nah an einem Sieg wie selten zuvor in den vergangenen fünf Begegnungen. Das lag auch daran, weil vor allem nach der Pause im Mittelfeld die Räume besser als zuletzt eng gemacht wurden. Dabei war einer, der in Zukunft für mehr Stabilität sorgen soll, noch gar nicht von Beginn an auf dem Platz. Der französische U-21-Nationalspieler Matteo Guendouzi kam erst nach knapp einer Stunde für seinen angeschlagenen Landsmann Lucas Tousart.

Guendouzi spielintelligenter Ballschlepper

Und Guendouzi fiel neben Herthas agilem Torschützen Matheus Cunha sofort positiv auf. Nicht wegen seiner langen Haarpracht, sondern weil er Bälle forderte und nach vorne schleppte. Dass er dann auch mal einen Ball verlor, störte Labbadia nicht. „Ich mag Spieler, die den Ball fordern.“ Dass er den spielintelligenten Guendouzi noch nicht für die Startelf nominierte, hing vor allem damit zusammen, dass „wir nach einer Woche noch nicht so genau wissen, wie er am besten spielt“, erklärte Labbadia.

Defensive das Sorgenkind

Sorgenkind bleibt allerdings weiter die Defensive. Neuzugang Omar Alderete, der beim 1:2 in Leipzig schon patzte, stand zum zweimal in Folge in der Startelf. Aber auch bei ihm ist unübersehbar, dass die Automatismen noch nicht richtig greifen. „Er hat es aber gut gemacht. Ich weiß, wie gefährlich Wout Weghorst ist, aber bis auf eine Szene hat Omar ihn nicht zur Entfaltung kommen lassen“, befand Labbadia. Und meint damit die Szene, als der VfL-Torjäger nach 77. Minuten knapp neben das Hertha-Tor zielte. Gleichwohl hofft der Trainer, dass Jordan Torunarigha, der mit Kapitän Dedryck Boyata zu Saisonbeginn gut harmonierte, seine Sprunggelenkverletzung bald auskuriert hat. „Er ist im Soll, aber noch nicht im Mannschaftstraining. Ich bin froh, wenn er schneller wieder rankommt“, erklärte Labbadia. Und wenn sich jetzt noch die gesamte Mannschaft schneller entwickelt, grüßt vielleicht auch bald das Murmeltier nicht mehr.

Spieltags-Check


Verletzt Mittelfeldspieler Lucas Toussart musste gegen Wolfsburg mit Knieproblemen früh den Platz verlassen. Wegen einer Kniereizung droht der Franzose nun das nächste Spiel in Augsburg zu verpassen.

Stabilität Mit einem taktischen Schachzug zog Labbadia Wolfsburg nach der Pause den Zahn. „Wir haben Darida von der Zehn etwas zurückgezogen und unsere Außen in die Mitte verschoben.“ Damit war der beliebte Weg durch die Mitte zu.

Statistisches Dass das Remis glücklich für Wolfsburg war, zeigen auch die Zahlen. Nur in der Zweikampfquote (56:44 Prozent) lagen die Gäste vorn. Ärgerlich für die Hertha, dass von 20 Torschüssen nur einer ins Ziel fand.