Wie ist die Ausgangslage?
Mit dem 3:0-Auswärtssieg in Hoffenheim schob sich Hertha (31 Punkte) in der Tabelle an Union (30), die zu Hause 0:2 gegen Bayern München verloren, vorbei. Damit haben die Teams ein Polster von sieben beziehungsweise acht Punkten auf den Relegationsplatz. "Die drei Punkte würden uns helfen unser übergeordnetes Ziel, den Klassenerhalt, zu sichern. 30 Punkte werden nicht reichen", erklärte Unions Trainer Urs Fischer vor dem Spiel. Auch sein Kollege Bruno Labbadia sah das ähnlich. "Unabhängig vom Derby brauchen wir drei Punkte. Es war eng und wir konnten ein bisschen Luft schnappen, aber sind uns der Lage bewusst."
Was machen die Fans?
Nicht viel. "Dieses ganze Schauspiel hat nichts mit dem Fußball zu tun, den wir lieben und unterstützen", erklärte der Förderkreis Ostkurve. Es sei zudem offen, "ob mit den Geisterspielen das Überleben der Vereine oder doch schlichtweg die Rettung der bestehenden Gehaltsstrukturen in Millionenhöhe gesichert werden soll", schrieb die Vereinigung der verschiedensten Hertha-Fanclubs auf Twitter. Die Polizei geht von einem ruhigen Derby aus, daher wird das Aufgebot geringer als üblich ausfallen. Zudem hieß es, man ist "auf spontane Zusammenkünfte von Fußballanhängern vorbereitet und steht in stetigem Kontakt mit den Fanbeauftragten beider Vereine."
Was für eine Bedeutung hat das Spiel?
Auch ohne Zuschauer im Stadion hat die Partie für beide Trainer eine große Bedeutung. "Es ist ein spezielles Spiel, da sind spezielle Emotionen dabei.", erklärte Urs Fischer. Dennoch machte er klar: "Für mich gilt in erster Linie der Ligaerhalt und nicht die Stadtmeisterschaft. Wenn beides eintrifft, ist es umso schöner." Dabei ist sich der Schweizer sicher, dass seine Spieler trotz der Umstände heiß auf das Derby sind, egal was für eine Ansprache er wählen wird. "Wir werden das Spiel seriös vorbereiten und das ein oder andere planen." Auch für Bruno Labbadia sind Derbys das Salz in der Suppe während einer Saison. "Die ganze Stadt fiebert darauf hin und eine Stadt wie Berlin kann zwei Rivalen auch gut gebrauchen." Die fehlenden Zuschauer wird er dennoch vermissen. "Vor über 70 000 Zuschauern im Olympiastadion zu spielen, da hätte ich richtig Bock drauf."
Wie sieht es personell aus?
Urs Fischer ließ sich wie gewohnt zu keiner Aussage zur Aufstellung oder Taktik hinreißen. Sicher ist nur, dass Keven Schlotterbeck gelbgesperrt fehlt. Fraglich ist Christopher Lenz, der das Training abbrechen musste.  Yunus Malli könnte wieder im Kader stehen, Sebastian Andersson ist nach seinem 30-minütigen Einsatz gegen die Bayern ein Kandidat für die Startelf.  Die Hertha muss weiter auf Karim Rekik und Marius Wolf verzichten. Darida ist nach Gelbsperre wieder zurück, doch ob er auch in die erste Elf zurückkehrt, ließ Bruno Labbadia offen. "Er gibt uns eine weitere Option", sagte Herthas-Chefcoach.
Wie sieht man den Gegner?
Beide Trainer lobten den jeweils anderen für seine Arbeit. "Union spielt bisher eine sehr ordentliche Rolle, weil sie sehr gut organisiert sind. Sie machen es dadurch jedem Gegner schwer, denn man bekommt nur wenige Lücken und Torchancen", sagte Labbadia. Urs Fischer konnte die Handschrift seines Kollegen bei der Hertha auch schon erkennen. "Sie sind kompakt und aggressiv, aber versuchen auch Fußball zu spielen und schnell nach vorn zu kommen."
Worauf wird es ankommen?
Für Bruno Labbadia wird es entscheidend sein, wie sein Team das intensive Spiel der Berliner annehmen wird. Dabei geht es vor allem um die Hoheit im Mittelfeld. "Wenn man Unions Spielweise sieht, liegt das in der Natur der Sache."  Auch Urs Fischer sieht Leidenschaft und Mentalität als Schlüssel zum Erfolg. "Mit diesen Attributen kannst du Berge versetzen. Die Mannschaft versucht das in jedem Spiel auf den Platz zu bringen. Das hat uns schon den ein oder anderen Punkt gebracht." Dabei müssen die Köpenicker ihre Standardschwäche unter Kontrolle bekommen. In den letzten vier Partien fielen sechs Gegentore nach einem ruhenden Ball. "Wir zählen ansonsten zu den Teams, die viele Tore nach Standard erzielen, aber solche Phasen gibt es. Wir haben es im Training angesprochen und arbeiten daran."

DAZN überträgt das Derby

Die Deutsche Fußball Liga einigte sich mit dem Streamingdienst DAZN auf die Übertragung von neun Partien und vier Relegationsspielen zur Bundesliga und zur 2. Bundesliga. Somit ist auch das Berliner Stadtderby beim Streamingdienst zu sehen. lgr