Die Ausgangslage:

Derbyzeit in der Hauptstadt. Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin traf im Olympiastadion unter komplett unterschiedlichen Vorzeichen aufeinander. Die Köpenicker starteten grandios in die Saison und stehen aktuell auf Platz 6 – dort, wo die Hertha eigentlich zu Saisonbeginn hin wollte.
Doch die Charlottenburger kommen trotz hochkarätiger Verstärken in der Sommerpause einfach nicht so richtig in Tritt. Lediglich sieben Zähler bedeuten Platz 13.
„Ein Derby hat immer einen besonderen Reiz, das werden wir vermitteln. Aber es geht vor allem um die drei Punkte und ein Sieg wäre doppelt süß“, sagte Hertha-Trainer Bruno Labbadia vor dem Spiel. Er weiß, wovon er redet, denn das letzte Derby im Mai gewann Hertha mit 4:0. Daran hat auch Union-Coach Urs Fischer noch gute Erinnerungen. Er forderte: „Wir müssen viel mutiger sein und kompakter auftreten.“ Die Köpenicker reisten mit einem Selbstvertrauen von acht unbesiegten Partien in Folge ins Olympiastadion.

Startelf und Taktik:

Im Vergleich zum 0:0 in Levkerusen musste Herhta-Coach Bruno Labbadia verletzungsbedingt wechseln. Omar Alderete wurde nach einer Prellung an der Hüfte nicht rechtzeitig fit, ihn ersetzte nach Syndesmosebandanriss und Corona-Infektion Jordan Torunarigha. Zudem verdrängte Lucas Tousart den zuletzte schwachen Piatek auf die Bank.
Zunächst sah es so aus als würde Urs Fischer bei Union für etwas mehr defensive Stabilität auf der rechten Seite sorgen wollen, da er Sheraldo Becker auf die Bank setzte und dafür Julian Ryerson begann. Doch Fischer stellte auf ein 3-5-2-System, um so Herthas spielstarkem Mittelfeld um Guendouzi und Tousart den Raum zu nehmen. So agierte Ryerson als linker Verteidiger in der Dreierkette, Ingvartsen spielte im Zentrum vor Prömel und Andrich. Lenz und Trimmel blieben auf ihrer Außenbahn, Kruse und Awoniyi gaben das Sturmduo.

So verlief das Spiel:

In den ersten zehn Minuten ergab sich ein Abtasten auf beiden Seiten. Hertha hatte mehr Ballbesitz, Union stand gut in der Grundordnung, hatte jedoch zu kurze eigene Ballbesitzphasen durch viele leichte Passfehler. Beiden Teams merkte man trotz der fehlenden Zuschauer in den ersten hart geführten Zweikämpfen eine gewisse Derbymentalität an.
Den ersten gut strukturierten Angriff des 1. FC Union nutzten die Köpenicker direkt zur Führung. Etwas glücklich setzt sich Marcus Ingvartsen gegen seinen Gegenspieler durch, steckt durch zu Awoniyi, der Boyata abschüttelt und den Ball gar nicht richtig trifft, dennoch schlägt er direkt neben dem Pfosten ein. Doch nur kurz nach dem Führungstreffer schwächen sich die Unioner selber. Robert Andrich fliegt nach grobem Foulspiel an Tousart, den er mit dem Fuß an Hals und Kopf trifft, mit glatt Rot vom Platz.
Anschließend ließ sich Union zurückfallen, Hertha war spielbestimmend, aber ohne wirkliche Ideen im Spiel nach vorn. So hatte Lukebakio die beste Chance per Kopf nach einer Ecke.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit reagierte Bruno Labbadia doppelt und brachte mit Krzysztof Piatek und Javairo Dilrosun für Tousart und Darida die geballte Offensivpower, die er noch auf der Bank hatte und das fruchtete fünf Minuten nach Wiederbeginn. Einen Cunha-Schuss wehrte Luthe zwar zur Seite ab, doch direkt vor die Füße von Pekarik, der gegen die Laufrichtng von Luthe zum 1:1 traf. Anschließend nahm Urs Fischer Stürmer Awoniyi vom Feld, brachte dafür Mittelfeldmann Griesbeck, um das Unentschieden zu sichern.
Doch wirklich beflügelt wurde die Hertha durch den Ausgleich in Überzahl nicht, die Offensive blieb uninspiriert. So war es ausgerechnet ein abgefälschter Schuss von zuvor unauffälligen Piatek, der die 2:1-Führung brachte (73.) und nur drei Minuten später stand er im Strafraum erneut goldrichtig und erzielte das 3:1.
Zu allem Überfluss für die Gäste verletzte sich Max Kruse in der Nachspielzeit noch schwerer am rechten Knöchel. Er konnte nicht auftreten und musste beim Gang in die Kabine von zwei Betreuern gestützt werden.

Statistik:

Hertha BSC: Schwolow – Pekarik (90. Zeefuik), Boyata, Torunarigha, Plattenhardt, Stark, Guendouzi, Darida (45. Piatek), Tousart (45. Dilrosun), Cunha, Lukebakio (85. Mittelstädt)
1. FC Union Berlin: Luthe – Trimmel, Friedrich, Knoche, Lenz (76. Gießelmann), Prömel (82. Becker), Andrich, Ingvartsen, Ryerson (82. Teuchert), Kruse, Awoniyi (53. Griesbeck)
Tore: 0:1 Awoniyi (19.), 1:1 Pekarik (51.), 2:1 Piatek (73.), 3:1 Piatek (76.)
besondere Vorkommnisse: Andrich (1. FC Union/rote Karte/21.)
Schiedsrichter: Felix Brych (München)

So geht’s weiter:

Hertha muss am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) zu Borussia Mönchengladbach, Union empfängt im Top-Spiel um 18.30 Uhr den FC Bayern im Stadion An der alten Försterei.