Der 1. FC Union Berlin bleibt im Rennen um das internationale Geschäft. Gegen Werder Bremen gelang in der Fußball-Bundesliga ein nach starker zweiter Hälfte verdienter 3:1-Erfolg. Hier die Partie im Check.

Die Lage

Es bleibt dabei, die Conference League lockt den 1. FC Union. Die Berliner haben auch nach der 0:2-Pleite in Dortmund weiter Möglichkeiten auf Platz 7, der dafür reichen könnte. Ein Sieg gegen Bremen, es wäre im 16. Heimspiel der Saison die 15 Partie ohne Niederlage, ist dafür Grundvoraussetzung, zumal die Hanseaten im Restprogramm der vermeintlich leichteste Kontrahent sein könnten. Es folgen noch Partien gegen VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und RB Leipzig. Die Bremer sind nach sechs Niederlagen in Folge im Abstiegskampf angekommen, ihr Hoffnungsschimmer: In fünf Partien gegen Union gewannen immer die Auswärtsteams. Doch nur die Serie von Union hielt.

Die Vorgeschichte

Max Kruse tritt gegen seinen Ex-Verein an. Der weit gereiste Profi, der unter anderem auch im Mönchengladbach, Freiburg und Istanbul spielte, absolvierte mit 85 Partien für kein Team so viele Bundesligaspiele wie für Bremen. Dabei kam er auf 32 Tore. Trifft er jetzt gegen Werder, ist sein Tore-Durchschnitt in Berlin noch besser: In bisher zehn Spielen traf er fünfmal - und Trainer Fischer bekundete bereits im Vorfeld: „Max ist heiß, natürlich, wenn es gegen seinen Ex-Club geht.“ Im Hinspiel hatte Kruse verletzt gefehlt.
Derweil glänzt Union-Präsident Dirk Zingler im Programmheft zum Spiel mit einem auch in der Berliner Zeitung erschienenen Kommentar zur gescheiterten Super League, die zwölf europäische Topclubs imitieren wollten. Die unbestreitbar richtigen Kernsätze sind: „Das kleinere Übel bleibt: ein ‚Übel.“ Damit meint er die ebenfalls rein nur dem Geld verpflichtete Champions League, deren einziges ökonomisches Prinzip lautet: „Mehr, mehr, mehr.“ Zingler sprach sich für Obergrenzen und den Erhalt der 50+1 Regel aus. „Deckel drauf! Ablösesummen, Spielergehälter, Beraterhonorare - Obergrenzen bei den Ausgaben können uns helfen, der tödlichen Wachstumsspirale zu entkommen.“ Und an Real Madrids Präsident Florentino Perez, der sagte, nur mit Hilfe der Super League seinen Verein am Leben erhalten zu können, hatte er auch eine Nachricht. „„Lieber Señor Pérez, haben Sie keine Angst: Die hochgezüchteten Fußballmonster, die nur mit 3,5 Milliarden Euro aus einer Super League zu retten sind, müssen sterben, bevor sie den schönsten Sport der Welt vollends verschlingen.“

Die Tore

1:0 (50.) Joel Pohjanpalo, steht am entfernten Pfosten völlig blank als nach einer Ecke von Ingvartsen der Ball von Friedrich über Bremens Eggestein dem Finnen vor die Füße fällt.
2:0 (53.) Joel Pohjanpalo, vollendet nach Kopfballvorlage von Petar Musa aus der Drehung mit einem Schuss ins entfernte Eck.
3:0 (66.) Joel Pohjanpalo, schiebt den Ball nach schönen Heber von Musa durch die Beine von Werder-Torwart Jiri Palenka ins Netz.
3:1 (82.) Gebre Selassie, köpft den Ball nach einer missglückten Faustabwehr von Luthe ins Tor.

Die Startelf und Taktik

Bei Union versuchte Trainer Urs Fischer im Kampf um einen internationalen Startplatz die Kräfte einzuteilen. Die Köpenicker traten im Vergleich zum 0:2 in Dortmund mit einer auf vier Positionen veränderten Startformation an. Unter anderem saßen Kapitän Christopher Trimmel und Mittelfeldspieler Grischa Prömel auf der Bank. Für Trimmel rückte Julian Ryerson auf die rechte Außenposition im 3-4-2-1-System. Neu in der Startelf waren auch Verteidiger Nico Schlotterbeck, für Prömel Christian Gentner und Angreifer Joel Pohjanpalo.
Bei Werder nimmt Trainer Florian Kohfeldt nur eine Änderung im Vergleich zum 0:1 gegen Mainz vor. Miloš Veljković fehlt wegen seines Nasenbeinbruchs, den Christian Groß ersetzt. Im 4-1-2-2-1-System sollen Sargent, Rashica und Füllkrug für dringend benötigte Tore sorgen.

So lief die Partie

Über die erste Hälfte lässt sich getrost der Mantel des Schweigens decken. Selten gab es schlechtere Bundesliga-Spiele in der Alten Försterei. In dieser Saison vielleicht aus Union-Sicht die einzige Niederlage im Heimspiel am 1. Spieltag gegen den FC Augsburg (0:2). Torschüsse gab es genau zwei. Robert Andrich scheiterte gleich dreimal in Sekunden am Körper vom Marco Friedl. Und Milot Rashica prüfte Union-Schlussmann Andreas Luthe mit einem Kullerball. Ansonsten flog der Ball wie beim Flipper zwischen beiden Strafräumen hin und her.
So heiß, wie im Vorfeld erwähnt war Max Kruse letztlich nicht. Trainer Fischer nahm seinen zudem angeschlagenen Freigeist zur Pause vom Feld. Bremen schien dadurch verwirrt und Pohjanpalo hatten sie offenbar nicht auf dem Schirm. Jedenfalls schnürte der Finnen binnen 150 Sekunden einen spielentscheidenn Doppelpack und legte später zum lupenreinen Hattrick nach. Von Werder kam derweil außer einigen wirkungslosen Einwechslungen zu wenig, um eine Wende zu erzwingen. Gebre Selassies Ehrentreffer kam zu spät, zumal Luthe noch zweimal den zweiten Treffer verhinderte. Bitter: In der letzten Minute verletzte sich Cedric Teuchert bei einem Zusammenprall mit Mitspieler Musa am Knie und musste nach dem Abpfiff auf der Bahre aus dem Stadion getragen werden.

Die Stimmen

„Die drei Tore waren eine Superzeit. Es hat heute mit Petar Musa sehr gut gepasst. Er hat zwei tolle Vorlagen gegeben.“ (Joel Pohjanpalo, 1. FC Union Berlin)
„Unsere Geduld war heute ein Plus. Nach der Pause haben wir schneller gespielt und Joel war mit seiner Effizienz ein entscheidender Faktor. Wir haben das Selbstvertrauen jetzt auch in Wolfsburg und Leverkusen zu punkten. Und dann haben wir noch ein Highligtspiel gegen Leipzig.“ (Christian Gentner, 1. FC Union Berlin)
„Wir wollten deutlich mehr und hatten nach der Pause einen Blackout. Das waren zu einfache Fehler, die dürfen nicht passieren. Dann haben wir uns mit dem Mute der Verzweiflung dagegen gestemmt. Das hat nicht gereicht. Ich trage die Verantwortung, laufe aber nicht davon. Wenn der Verein meint, es soll jemand anderes machen, soll man mir das sagen.“ (Florian Kohfeldt, Trainer Werder Bremen)
„Wir haben uns in der ersten Hälfte schwer getan. Ein Eckstoß war dann der Dosenöffner, hat der Mannschaft gut getan und für frische Energie gesorgt. Bei Pohjanpalo fällt die Analyse leicht. Er hat eine tolle Leistung geliefert. Dafür ist ein Stürmer da.“ (Urs Fischer, Trainer 1. FC Union Berlin)

Die Statistik

Union Berlin – Werder Bremen 3:1 (0:0)
Union Berlin: Luthe - M. Friedrich, Knoche, N. Schlotterbeck - Ryerson (90. Trimmel), Andrich, Gentner, C. Lenz - Ingvartsen (72. Prömel), M. Kruse (46. Musa) - Pohjanpalo (72. Teuchert)
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Moisander, Friedl (63. Bargfrede), Augustinsson - Groß - M. Eggestein, Möhwald (63. Dinkci) - Sargent, Rashica – Füllkrug (63. Selke)
Tore.: 1:0 Pohjanpalo (50.), 2:0 Pohjanpalo (53.), 3:0 Pohjanpalo (66.), 3:1 Gebre Selassie (82.) – Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg) - Zuschauer: keine

So geht es weiter

Für die Unioner steht am Sonnabend, dem 8. Mai um 15.30 Uhr, die Auswärtsaufgabe beim VfL Wolfsburg auf dem Programm, während die Bremer zur selben Zeit Bayer Leverkusen empfangen.