Sie haben es schon wieder getan. Der 1. FC Union Berlin hat seinen Fans gleich im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres einen denkwürdigen Fußball-Nachmittag im Stadion An der Alten Försterei beschert. Die Eisernen lagen gegen die TSG Hoffenheim zunächst in Rückstand – und zwar verdient. Am Ende stand dank später Tore dennoch ein 3:1-Heimsieg auf der Anzeigetafel.
War die 1. Halbzeit am Samstag gegen Hoffenheim ziemlich dürftig für ein Topteam der Fußball-Bundesliga? Oder war die 2. Halbzeit einfach richtig bockstark? Trainer Urs Fischer konzentrierte sich in seiner Analyse auf das Positive. „Uns wurde es ja lange Zeit als Schwäche ausgelegt, dass wir nach einem Rückstand nicht reagieren können. Jetzt haben wir es das eine oder andere Mal geschafft. Das nimmt man natürlich mit, das gibt Zuversicht“, sagte Fischer.
Und es bringt vor allem wichtige Zähler in der Tabelle. Mit 30 Punkten ist Union Berlin auf Rang drei geklettert, einen Champions-League-Platz. Vor dem Abschluss der Hinrunde am Mittwoch bei Werder Bremen fehlen also nur noch zehn Punkte für den Klassenerhalt, den die Köpenicker immer noch als gültiges Saisonziel ausweisen.
Dabei hätte man es am Samstagnachmittag ja irgendwie ahnen können, dass es wieder eines dieser legendären, union-typischen Heimspiele wird. Über dem Stadion An der Alten Försterei herrschte dichtes Schneetreiben und auch auf dem Rasen wirkte das Spiel der Gastgeber phasenweise wie erstarrt. Union Berlin hatte in der 1. Halbzeit zwar die eine oder andere Chance. Zum Beispiel verschoss Jordan Siebatcheu in der 25. Minute einen Handelfmeter.
Aber es bedurfte einer präzisen Halbzeit-Analyse von Trainer Urs Fischer, um das Spiel der Eisernen auf das richtige Gleis zu stellen. Dann allerdings ging die Post so richtig ab. Hoffenheim kam nach der Pause überhaupt nicht mehr zum Luftholen. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor der Kraichgauer zu.
Trainer Urs Fischer habe in der Halbzeitpause gefordert, endlich mehr Energie ins Spiel zu bringen, verriet der zweifache Torschütze Danilho Doekhi später. Der Innenverteidiger sorgte in der 73. Minute erst für den Ausgleich, in der 89. Minute dann für den umjubelten Führungstreffer. In der sechsten Minute der Nachspielzeit traf Jamie Leweling zum 3:1-Endstand. „In der 2. Halbzeit hat die Mannschaft unheimlich viel Druck aufgebaut. Deshalb ist der Sieg verdient“, bilanzierte Fischer.
Das Besondere an diesem Sieg: Im ersten Spiel ohne den zu Borussia Dortmund abgewanderten Julian Ryerson spielte und gewann Union Berlin praktisch mit dem Ryerson-Rezept. Denn die entscheidende Zahl auf dem umfangreicheren Statistikzettel eines solchen Bundesligaspiels fand sich hinter dem Stichwort Flanken. 18 Flanken der Gastgeber standen ganze drei Flanken der TSG Hoffenheim gegenüber.
Das Schlagen von genau getimten Flanken gehörte bis zum vergangenen Montag zur Kernkompetenz von Julian Ryerson bei Union Berlin. Deshalb stellte sich vor dem Hoffenheim-Spiel durchaus die Frage: Wie können die Eisernen den Abschied eines ihrer besten Flankengeber verkraften? Die Antwort gab vor allem Kapitän Christopher Trimmel. Er brachte den Ball von der Außenbahn immer wieder gefährlich ins Zentrum.

Union Berlin mit viel Wucht

Auch die beiden entscheidenden Tore fielen nach Standardsituationen. Eckball Trimmel, Kopfball Doekhi – Eckball Trimmel, Kopfball Doekhi. Union Berlin wuchtete sich gegen Hoffenheim mit einfachen Mitteln zum Sieg. „Diese Wucht und Entschlossenheit musst du mitbringen, wenn du im gegnerischen Strafraum Tore erzielen willst. Aber die Bälle kamen natürlich auch sehr gut“, verteilte Fischer ein Extralob an Doekhi und Trimmel.
Kapitän Christopher Trimmel von Union Berlin sorgte gegen die TSG Hoffenheim immer wieder für gefährliche Flanken.
Kapitän Christopher Trimmel von Union Berlin sorgte gegen die TSG Hoffenheim immer wieder für gefährliche Flanken.
© Foto: Uwe Koch/Eibner-Pressefoto
Dennoch dürfte der Union-Trainer gleichwohl registriert haben, dass seine Mannschaft eben zwei Standardsituationen und die Tore eines Abwehrspielers benötigte, um den Fehlstart in das Jahr 2023 in der Schlussphase doch noch abzuwenden. Die Offensive konnte diesmal nur wenig Glanzlichter setzen. Vor allem Jordan Siebatcheu spielte nicht nur wegen des verschossenen Elfmeters einmal mehr unglücklich und auch unauffällig. Der Sieg gegen Hoffenheim war letztlich das Produkt von Wucht und Wille in der 2. Halbzeit. „Union hat uns mit Mentalität und Biss den Schneid abgekauft“, räumte Gästetrainer André Breitenreiter ein.
All das sind Eigenschaften, die Julian Ryerson in seinen viereinhalb Jahren bei Union Berlin immer beispielhaft verkörpert hat. Dass die Mannschaft genau diese Tugenden im ersten Spiel ohne den Norweger in der entscheidenden Phase auf den Rasen brachte, ist ein gutes Zeichen. Es lässt die süßen Träume von der Champions League in Köpenick nach knapp der Hälfte der Saison 2022/23 weiterleben. Zumal der Ryerson-Nachfolger mit dem kroatischen Nationalspieler Josip Juranovic schon ausgemacht ist.
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