Die Ausgangslage:

Wenn man sich nur die Tabellenkonstellation anschaute, war es ein Duell auf Augenhöhe zwischen dem 1. FC Union Berlin (Platz 6/18 Punkte) und Vizemeister Borussia Dortmund (Platz 4/22 Punkte). Zumal die Dortmunden nach der Entlassung von Lucien Favre auch unter Neu-Coach Edin Terzic die ganz große spielerische Klasse vermissen lässt.
Union hingegen ist das Überraschungsteam der bisherigen Saison und ging trotz des Unentschieden in Stuttgart, das erst in den letzten fünf Minuten verspielt wurde, mit viel Selbstvertrauen in die Partie. Zumal die Köpenicker beim letzten Aufeinandertreffen im September 2019 mit 3:1 den ersten Sieg in ihrer Bundesligageschichte gegen den BVB in der Alten Försterei feierten. Dabei traf Marius Bülter doppelt. „Da denkt man gerne dran zurück. Aber ich lebe in der Gegenwart und das wird ein ganz anderes Spiel“ wollte sich Union-Trainer Urs Fischer nicht lange mit der Vergangenheit aufhalten.

Startelf und Taktik:

Mit Bülter darf der Held aus dem ersten Aufeinandertreffen im vergangenen Sommer diesmal auch von Beginn an ran. Urs Fischer schickt ihn statt Niko Gießelmann aufs Feld und wählt eine offensivere Aufstellung als gegen Stuttgart. Fischer kehrt zu Viererkette in der Abwehr zurück. Davor bilden Prömel, Griesbeck und Teuchert das Mittelfeld, während die schnellen Bülter und Becker über die Außen Stürmer Awoniyi bedienen sollte.
Beim BVB begann der 16-Jährige Moukoko erneut als einziger Stürmer. Can kam für Bellingham ins zentrale Mittelfeld und Meunier ersetzte Morey auf der rechten Seite.

So verlief das Spiel:

Es dauerte keine zwei Minuten bis Union das erste Mal Dortmunds Anfälligkeit bei Kontern aufzeigte. Nach einer schlechten Spieleröffnung von Hummels war die letzte Reihe des BVB zu weit aufgerückt und Taiwo Awoniyi lief allein auf Roman Bürki zu, doch vergab seine Großchance. Assistent Robert Kempter entschied zudem auf Abseits. Dortmunds Chance zur frühen Führung vergab auf der andere Seite Sancho. Nach guter Vorabeit von Moukoko scheiterte er aus zehn Metern freistehend an Unions Luthe.
Nach 15 Minuten war Dortmund spielbestimmend und Union um Spielkontrolle bemüht. Immer wieder lief der Ball zwischen Luthe, Knoche und Friedrich, die irgendwann den langen Ball spielten. Doch Union wurde im Laufe der Halbzeit besser und entschied wichtige Zweikämpfe für sich. Dortmund hatte Probleme in der Spieleröffnung, die Union mit gutem Stellungsspiel immer wieder störte.
Awoniyi hatte erneut die Führung auf dem Fuß, doch nach einem Konter und guter Vorarbeit von Teuchert scheiterte er aus kurzer Distanz am gut reagierenden Bürki (17.) und nach rund 30 Minuten ließ Becker eine Einladung der BVB-Defensive liegen. Anschließend spielte sich die Partie vor allem im Mittelfeld ab und war geprägt von harten, aber keineswegs unfairen Zweikämpfen. Union war die wachere Mannschaft, während Dortmund im letzten Drittel nicht viel einfiel.
Mit dem Halbzeit hätte Dortmunds Youssafa Moukoko den Spielverlauf beinahe auf den Kopf gestellt, doch sein Schuss knallte an den Pfosten. Das torlose Remis zur Halbzeit ging daher vollkommen in Ordnung und lag nicht nur an ideenlosen Gästen, sondern auch an einer starken Leistung des 1. FC Union, der sich mit einem Tor hätte belohnen müssen.
Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel war es wieder mal eine Standardsituation, die Union in Führung brachte. Nach einer Verlängerung am ersten Pfosten kommt Awoniyi an den Ball und köpft ihn Bürki durch die Beine zur Führung ins Tor (57.). Er ist damit jüngster Torschütze der Bundesligageschichte. Fast im direkten Gegenzug machte der 16-jährige Moukoko mit einem sehenswerten Tor aber den Ausgleichstreffer. Er ist damit jüngster Torschütze der Bundesligageschichte.
In der Folgezeit erhöhte Dortmund den Druck, ohne jedoch zu klaren Abschlüssen zu kommen. Dafür war es mal wieder eine Union-Ecke, die Marvin Friedrich vollkommen unbedrängt zum 2:1 für Union einköpfen konnte. Dortmund warf nun zwar nochmal alles nach vorn, kam aber zu keiner Torchance.

Statistik:

1. FC Union Berlin: Luthe - Trimmel (72. Ryerson), M. Friedrich, Knoche, C. Lenz - Griesbeck, Prömel - Becker, Teuchert (85. Gießelmann), Bülter (66. Endo) - Awoniyi (86. Gogia)
Borussia Dortmund: Bürki - Meunier (80. Morey), Akanji (85. N. Schulz), Hummels, Guerreiro - Witsel, E. Can (80. Bellingham) - Sancho, Reus (72. Brandt), Reyna - Moukoko

Tore: 1:0 Awoniyi (57.), 1:1 Moukoko (59.), 2:1 Friedrich (78.)

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
So geht’s weiter:
Für die Köpenicker geht es noch nicht in die Weihnachtspause. Am Dienstag steht noch die Partie im DFB-Pokal zu Hause gegen den SC Paderborn an.