Es gibt Unentschieden, die fühlen sich trotz der verpassten drei Punkte wie ein Sieg an. Also, ein wenig zumindest. So in etwa lässt sich die Gemütslage beim 1. FC Union Berlin nach dem 2:2 (2:2)-Remis gegen den FC Augsburg im Stadion An der Alten Försterei zusammenfassen.
Das letzte Heimspiel vor der Weltmeisterschaft in Katar und der daraus resultierenden Pause in der Fußball-Bundesliga hätten die Eisernen „natürlich gern gewonnen“, wie Torschütze Kevin Behrens einräumte. Logisch, dann wäre Union Berlin nämlich noch näher an Tabellenführer Bayern München herangerückt. Mit Platz zwei und 27 Punkten nach 14 Spielen sind die Eisernen vor der abschließenden Partie beim SC Freiburg am Sonntag (17.30 Uhr) weiter auf Rekordkurs – es ist die beste Ausbeute in der Vereinsgeschichte zu diesem Zeitpunkt der Saison.
Zum Vergleich: Selbst in der starken Vorsaison waren zum selben Zeitpunkt vier Punkte weniger auf der Habenseite. Das ursprüngliche Saisonziel – der Klassenerhalt – dürfte diesmal bereits im Frühjahr erfüllt sein.

Union Berlin mit Nehmer-Qualitäten

Der eigentliche Sieg lag am Mittwochabend gegen Augsburg aber in den Nehmer-Qualitäten, welche die Mannschaft von Trainer Urs Fischer einmal mehr in dieser Saison demonstrierte. Vier Tage zuvor hatten die Eisernen beim 0:5 gegen Bayer Leverkusen die schlechteste 2. Halbzeit in dieser Spielzeit abgeliefert. Fischer hatte anschließend von einer „Ohrfeige“ für sein zuletzt erfolgsverwöhntes Team gesprochen.
Und so mancher in Köpenick hatte die Sorge, dass den rot- weißen Überfliegern nach all den Erfolgen in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Europa League auf der Zielgeraden vor der WM-Pause körperlich, aber auch mental die Luft ausgehen könnte. Diese Sorgen räumte die Mannschaft gegen Augsburg mit einem wahren Offensivspektakel bereits in der 1. Halbzeit resolut weg. „Sie hat die gewünschte Reaktion nach dem Spiel in Leverkusen gezeigt. Das war ein gutes Signal, das hat mir gefallen“, lobte Fischer.
Und auch Niko Gießelmann war erleichtert: „Jedes Mal, wenn wir ein schlechtes Spiel gemacht haben, sind wir danach zurückgekommen“ Es bleibt also dabei: Wettbewerbs übergreifend haben die Eisernen nach einer Niederlage im nächsten Spiel entweder gewonnen oder mindestens remis gespielt. Zwei Niederlagen in Folge? Fehlanzeige.
Gegen Augsburg blieb es am Ende aber dennoch bei einem nur gefühlten Sieg. Denn die Gäste nutzten zwei ihrer wenigen Chancen zu zwei Toren. Union gab die zweimalige Führung nach den Treffern von Sheraldo Becker (7. Minute) und Kevin Behrens (22.) jeweils aus der Hand.

Was Union Berlin zum Sieg fehlt

Dabei zeigten die Gastgeber zumindest in der Offensive eine der besten Leistungen in dieser Saison. Die Eisernen trafen zweimal das Aluminium. Die Statistik wies außerdem 28:7 Torschüsse und 18:0 Flanken sowie 57 Prozent Ballbesitz aus, was für Union-Verhältnisse recht beachtlich ist. Vor allem im letzten Drittel habe sein Team präziser gespielt als zuletzt, analysierte Fischer: „Die Flanken hatten einen Adressaten.“
Mit ihrer körperlichen Präsenz beeindruckten die Köpenicker auch Gäste-Trainer Enrico Maaßen. „Es ist beeindruckend, mit welcher Wucht die Unioner in die Zweikämpfe gehen. Hut ab, ihr habt hier eine tolle Mannschaft entwickelt“, lobte Maaßen den sportlichen Kontrahenten.
Es sprach am Mittwochabend vieles für einen Heimsieg von Union Berlin. Was am Ende für einen Sieg fehlte, war eigentlich nur eines: der Sieg.