Gut 35 Minuten hielten die 4500 Fans im Stadion an der Alten Försterei durch. Es wurde nicht gesungen, dafür viel geklatscht, mit Holzlöffeln auf Bratpfannen getrommelt oder Topfdeckel gegeneinandergeschlagen. Doch nachdem Robert Andrichs Fernschuss aus 20 Metern die kurz zuvor erzielte Freiburger Führung durch Grifo egalisierte, konnten die Köpenicker Fans ihre Freude auch nicht nur durch klatschen ausdrücken. Nach dem Torjubel waren kurzzeitig vereinzelte „Eisern Union“-Rufe im Stadion beim 1:1 des 1. FC Union Berlin gegen den SC Freiburg zu hören.

Vereinzelte Rufe waren zu hören

„Lasst eure Masken auf und haltet die Abstände. Klatscht in eure Hände, die Jungs brauchen eure Unterstützung“, sagte Stadionsprecher Christian Arbeit bereits vor der Partie in Richtung der Zuschauer und die hielten sich mit einigen kleinen Ausnahmen und ein paar Buh-Rufen auch daran. Besonders auf der Ehrenrunde der Mannschaft nach dem Spiel hallte es dann etwas lauter von der Tribüne „Union, Union“.

Gesundheitssenatorin Kalayci riet vom Stadionbesuch ab

Noch vor dem Spiel gab es aufgrund der hohen Zuschauerzahl viele Diskussionen, doch das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick genehmigte die Zuschauerzahl, da Union sein Hygienekonzept verschärfte und es eine generelle Maskenpflicht gab und Fangesänge verboten wurden. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte am Freitag noch dazu aufgerufen, möglichst auf einen Besuch im Stadion zu verzichten. Denn die Zahl der Corona-Infektionen ging auch am Wochenende in Berlin weiter nach oben. Wirklich viele Menschen hielt das von einem Besuch aber nicht ab.

Torhüter Luthe von Stimmung begeistert

„Ich bin noch nicht so lange hier, aber weiß, dass beim Heimspiel hier die Post abgeht und die Fans haben das Beste daraus gemacht. Das Klatschen war laut genug, daran hat es nicht gelegen“, sagte Torhüter Andreas Luthe. Für Torschütze Robert Andrich war es ein „ungewohntes Gefühl“, aber „man lernt in Zeiten von Corona immer wieder etwas Neues kennen“. Und Trainer Urs Fischer sprach den Fans ein Kompliment aus und lobte die ungewöhnliche, aber tolle Stimmung.

Geisterspiele könnten schnell wieder Alltag werden

Doch die Befürchtung, dass es anhand der hohen Infektionszahlen bald wieder zu kompletten Geisterspielen kommen könnte, teilten auch Fischer und Freiburgs Trainer Christian Streich. „Ich hoffe, dass es durch die Disziplin der Menschen wieder weniger wird. In diesem Tempo darf es nicht weiter gehen, sonst haben wir ein richtiges Problem“, sagte Christian Streich.

Union mit dem Unentschieden unzufrieden

Mit dem Geschehen auf dem Platz haderten die Köpenicker, die nun seit vier Spielen ungeschlagen sind. Und es klang ähnlich wie in der Vorwoche, als Union gegen Schalke auch das bessere Team war, aber nur zu einem 1:1 kam. „Es ärgert uns schon, dass wir die drei Punkte nicht mitgenommen haben. Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft.“ Auch sein Trainer Urs Fischer sah das mit Blick auf die 22 Berliner Torschüsse ähnlich. „Mit dem Resultat dürfen wir nicht zufrieden sein. Wenn du so viele Möglichleiten hast, musst du das Spiel gewinnen.“ Auch Robert Andrich fand, „wir hätten noch eins drauflegen müssen“.

Saisonstart geglückt

Mit sechs Punkten aus sechs Spielen sind die Berliner gut in die Saison gestartet, obwohl für das Team eigentlich sogar mehr drin gewesen wäre. „Es gilt, die Leistungen zu bestätigen. Im Moment sind wir gut unterwegs und die Mannschaft versucht alles umzusetzen. Der ein oder andere Punkt fehlt, aber mit den Leistungen bin ich wirklich zufrieden“, sagte Unions Schweizer Trainer.