Herr Maucksch, Sie haben mit der Mannschaft die erste Woche der Vorbereitung auf die neue Saison absolviert. Wie ist der Stand derDinge?
Die Spieler ziehen gut mit und sind bei den täglich jeweils zwei Trainingseinheiten, die intensiv und umfangreich sind, konzentriert bei der Sache. Wir wollen dabei die Grundlagen für eine lange Saison schaffen, was nicht ganz einfach ist, weil wir ja schon in drei Wochen das Pokal-Halbfinale in Luckenwalde zu bestreiten haben. Bis dahin müssen wir schnellstmöglich ein kompaktes und schlagkräftiges Team zu-sammenbekommen. Das gestaltet sich derzeit allerdings etwas schwierig.
Warum?
Es sind im Kader noch einige Planstellen offen. Wir müssen versuchen, diese Lücken zeitnah zu schließen und zugleich so schnell wie möglich als Mannschaft zu agieren.
Wie viele Spieler haben Sie derzeit zur Verfügung?
Momentan sind es 13. Insgesamt sollte der Kader 23 Feldspieler und zwei, drei Torhüter haben. Bedarf besteht noch auf allen Positionen. Es ist durchaus möglich, dass die letzten Lücken erst kurz vor dem Ende der verlängerten Wechselperiode am 5. Oktober geschlossen werden können. Das Budget des Vereins ist nicht groß, und die Akteure müssen neben der Qualität auch charakterlich und menschlich zu uns passen. Und es hängt natürlich auch davon ab, welche Spieler auf dem Markt sind. Wir müssen uns da schnellstmöglich einen Überblick verschaffen, und es wird sicherlich noch einige Probetrainings geben. Wir sind dran.
Ähnlich wie in den vergangenenJahren hat quasi eine komplette Elf den FSV Union verlassen. Nervt Sie das, vor jeder Saison wieder fast neu mit dem Aufbau einer Mannschaft beginnen zu müssen?
Es ist immer wieder schade, das Team neu formieren zu müssen. Aber das ist nun mal unser Los, weil wir nicht die finanziellen Mittel wie andere Vereine zur Verfügung haben. Die wissen, dass wir relativ preiswerte Spieler haben. Und wenn sich diese zum Beispiel so gut entwickeln wie in der vorigen Saison, dann sind sie attraktiv für andere Mannschaften. Ich tue mich allerdings immer schwer, wenn sie innerhalb der Liga wechseln. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn sie in die zweite oder dritte Liga gehen, wie zuletzt Luca Schulz zu Hansa Rostock, was für uns natürlich ein herber Verlust ist.
Wie schwer ist es, entsprechenden Ersatz für die Abgänge zu finden?
Es ist schon möglich, auch wenn wir das Problem des geringen Budgets haben. Da müssen wir uns halt anderweitig abheben. Zum Beispiel stellen wir mehr Trainingszeit zur Verfügung. Damit wollen und können wir gewisse Dinge ausgleichen.
Wie sehen Sie die Rolle Ihrer Mannschaft im fünften Jahr in Folge in der Regionalliga?
Wir müssen erst einmal sehen, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft finden, um in der starken Nordost-Staffel mitzuhalten und den Klassenerhalt zu schaffen. Und sicherlich wollen wir auch die Favoriten etwas ärgern. Die Liga hat eine ordentliche Qualität, ist mit vielen Traditionsvereinen bestückt, die früher in der DDR-Oberliga und zuletzt auch höherklassig gespielt haben. Und sie ist ein Sprungbrett für junge Spieler, sich hier durchzusetzen, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.
Wer sind Ihre Favoriten?
Mit Sicherheit die beiden Dritt-liga-Absteiger aus Chemnitz und Jena. Dazu kommen Mannschaften wie Viktoria Berlin, die VSG Altglienicke, der BFC Dynamo, der Berliner AK, die Zweite von Hertha BSC, Energie Cottbus und Lok Leipzig eventuell, wenn sie sich konsolidieren.
Der Meister der Nordost-Staffel steigt in dieser Saison direkt in die3. Liga auf. Wie kann sich das auswirken?
Da werden sicherlich einige "all in" gehen, was zu Kuriositäten führen kann. Da haben sie vielleicht für ein halbes Jahr Geld gehabt und sehen dann, dass es nicht weitergeht, und melden Insolvenz an. Da habe ich meine Bedenken, dass der Verband sagt, nicht so schlimm, ihr könnt weitermachen. Das ist eine Ungerechtigkeit und nicht ganz fair gegenüber den Vereinen, die versuchen, mit weniger mehr zu erreichen.
So wie der FSV Union, bei dem Sie als Chefcoach mit Nico Hinz einen Co- und Torwarttrainer in Personalunion haben ...
Ich würde schon gern noch zusätzlich einen Co-Trainer haben. Doch wie gesagt, gibt es das Budget nicht her. Mit Nico arbeite ich sehr gut und erfolgreich zusammen. Es ist auch wichtig, dass man mal unterschiedliche Meinungen hat, nicht alles gleichförmig in beiden Richtungen abnickt, sich über manche Dinge kontrovers unterhält, um am Ende auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Das klappt gut.
Wie sind Sie und der Verein bisher durch die Corona-Pandemie gekommen?
Wie ich es mitbekommen habe, war der Verein weniger davon betroffen. Es ist nicht ganz einfach, sich auf solch eine Situation einzustellen. Ich hoffe, dass jeder die richtigen Schlüsse zieht, um wieder ins Tagesgeschäft übergehen zu können. Wir haben auch ein Hygienekonzept, an das wir uns strikt halten, zum Beispiel in den Kabinen und beim Duschen, bei den entsprechenden Abständen außerhalb des Trainingsplatzes. Da sind wir gut aufgestellt.
Und wie erging es Ihnen persönlich?
Unserer Familie geht es gut, wir waren auch nicht vom Virus betroffen. Ich hatte seit dem letzten Spiel im März und vor dem Trainingsbeginn viel mehr Zeit für die Familie, worüber sich meine Frau und die Kinder sehr gefreut haben. Zudem konnte ich einige Sachen erledigen, die sonst liegen bleiben. Zum Beispiel die Gartenarbeit, wobei unser Rasen am Haus jetzt wieder durch viel Arbeit aus einer Wiese zu einem solchen geworden ist.
Was schätzen Sie am FSV Union Fürstenwalde, bei dem Sie jetzt ins insgesamt fünfte Jahr gehen?
Ich fühle mich hier heimisch, kenne viele Leute, weiß das Umfeld einzuschätzen genauso wie dieses mich. Und auch meine Familie kommt ja öfter her, wenn die Zeit da ist. Am Verein schätze ich besonders die Kontinuität. Er lässt sich auf seinem Weg von solch vielen Einflüssen von außerhalb nicht beirren. Und es geht Stück für Stück vorwärts – in der Infrastruktur und innerhalb des Vereins. Wir hoffen, das wir diesen Weg fortsetzen können. Wohl wissend, dass es tagtäglich um harte Arbeit geht.

Zur Person

Dergebürtige Dresdner Matthias Maucksch wohnt mit seiner FrauEdina, mit der er seit 21 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter (21 und 12 Jahre) und einen Sohn (18) hat, in Weistropp, einem Dorf kurz vor der Elbmetropole. Er begann als Siebenjähriger mit dem Fußball bei Dynamo Dresden, wurde zweimal DDR-Meister und bestritt ein Länderspiel. Nach der Wende kam er auf 118 Bundesliga-Einsätze. Später spielte Mauckschu.a. beim VfL Wolfsburg, VfB Leipzig,1. FC Nürnberg und Energie Cottbus. Als Trainer begann er 2007 beimDöbelner SC, betreute Dynamo, kam 2015 zum FSV Union Fürstenwaldeund führte diesen in die 4. Liga. red