Aller guten Dinge sind drei. Wer das nicht glaubt, sollte mal bei RB Leipzig nachfragen. Die Sachsen haben nach zwei gescheiterten Anläufen gegen Bayern München und Borussia Dortmund im dritten Versuch binnen drei Jahren mit 5:3 nach Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg mit dem DFB-Pokal ihren ersten großen Titel gewonnen. Auch wenn der Star des Abends irgendwie ein anderer war.
Irgendwann während der Pressekonferenz von Leipzigs Trainer Domenico Tedesco nach dem siegreichen Finale kam das Unvermeidliche. Seine Spieler stürmten lautstark „Campeone, Campeone“ singend das Podium und verpassten ihren Coach eine Bierdusche. Der „überglückliche“ 36-Jährige drohte dem Team eine Revanche mit Rotwein an.

Siegerehrung für RB Leipzig von medizinischem Notfall getrübt

In den fünf Monaten seit seinem Amtsantritt als Nachfolger von Jesse Marsch hat er eine Mannschaft geformt, die im dritten Anlauf in Folge nun im erstmals nach zwei Jahren Corona wieder gefüllten stimmungsvollen Berliner Olympiastadion siegte. Gleichwohl war die Freude über ersten Titelgewinn des Clubs bei der Sachsen getrübt. Vor der Siegerehrung war es am Spielfeldrand zu einem medizinischen Notfall gekommen. Ein Mann in der Nähe der Fotografentribüne musste an der Seitenlinie von Rettungskräften erfolgreich reanimiert werden. Er hatte demnach wieder Puls sowie Atmung und wurde in ein Krankenhaus gebracht, sodass die Siegerehrung mit Verspätung durchgeführt wurde. „Wir wünschen ihm gute Besserung. Das überschattet den Erfolg“, sagte Torwart Peter Gulacsi.
Eine Person die nach dem Elfmeterschießen am Spielfeldrand medizinisch versorgt wurde, wird in einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.
Eine Person die nach dem Elfmeterschießen am Spielfeldrand medizinisch versorgt wurde, wird in einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.
© Foto: Robert Michael/dpa
Der Ungar war ein Garant für den Sieg der Sachsen, denn nach dem Spielverlauf nicht unbedingt viele erwartet hatten. Freiburg ging durch Maximilian Eggestein mit 1:0 in Führung. Nach knapp einer Stunde sah dann Leipzigs Marcel Halstenberg wegen einer Notbremse die Rote Karte. Doch die Sachsen schafften durch Christopher Nkunku – wer den sonst – den Ausgleich und überstanden die Verlängerung trotz Aluminium-Treffer der Freiburger durch Janik Haberer, der zu Union Berlin wechselt und dessen Schuss Gulacsi mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte und Ermedin Demirovic.

Fußballprofis vom RB Leipzig feiern Sieg im DFB-Pokal drei Tage lang

Im Elfmeterschießen bewiesen die Leipziger Nkunku, Wily Orban, Dani Olmo und Benjamin Henrichs, die alle sicher trafen, die besseren Nerven, während bei Freiburgs Kapitän Christian Günter über das Tor und Demirovic an die Latte schossen. Nun werden die RB-Spieler ihren Triumph auf Ibiza feiern. Laut Mittelfeldspieler Kevin Kampl geht es nach einer Siegesparty mit den Fans am Sonntag in Leipzig für das Team auf die Balearen-Insel. "Dann ist totale Eskalation drei Tage lang", sagte Kampl im Sport1-Doppelpass in einer Telefonschalte aus dem Mannschaftsbus. "Es gibt nichts Geileres, als endlich den ersten Titel für diesen Verein zu holen. Dieser Abend, das kannst du mit keinem Geld der Welt bezahlen."

Fans des SC Freiburg feiern Trainer Christian Streich

Ein Star des Abends war aber auch ein anderer. Die Anhänger des SC Freiburg habe es vermutlich schon immer gewusst. Aber die mindestens 35.000 Fans in Rot-Schwarz wollten an so einem Abend im ausverkauften Berliner Olympiastadion ihre Wertschätzung noch einmal so richtig zum Ausdruck bringen. Also sangen sie, trotz der schmerzlichen Niederlage minutenlang: „Christian Streich, du bist der beste Mann.“
Freiburgs Fans feiern ihren Trainer Christian Streich
Freiburgs Fans feiern ihren Trainer Christian Streich
© Foto: THOMAS KIENZLE/afp
Der so Gelobte stand ein wenig abseits von seiner Mannschaft, die sich vor der gewaltigen Fankurve aufgereiht hatte, und warf sichtlich gerührt Kusshändchen in die Menge. Für Streich war das ganze Finale ein besonderer Moment. „Meine Frau hat mir erzählt, was war mit den Sonderzügen. Welche Leute sich getroffen haben, nach zehn, zwölf Jahren, weil sie in einer anderen Stadt wohnen. Da schaffe ich es nicht, mich zu ärgern. Morgen, übermorgen vielleicht, weil wir verloren haben.“

Christian Streich vom SC Freiburg packt eine Medaille in die Schublade

Und auch, wer glaubte, dass der Coach sich doch über die Niederlage ärgerte, weil er seine Medaille unmittelbar nach Erhalt wieder vom Hals nahm und in die Tasche steckte, für den hatte der 56-Jährige eine sympathische Antwort parat. „So eine Medaille, aber auch meine Akkreditierung, kann ich nicht tragen. Das ist mir unangenehm, das schnürt mir den Hals zu“, erklärte Streich und fügte zum Verbleib des Edelmetalls an: „Die kommt in die Schublade, wo all diese Sachen liegen. Das wäre auch mit der passiert, wenn wir gewonnen hätten.“ Vermutlich werden die Leipziger weniger bescheiden mit ihren Trophäen umgehen.