Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat die Europameisterschaft mit einer bitteren Niederlage begonnen. 0:1 (0:1) hieß es am Dienstagabend nach spannenden und intensiven 90 plus sechs Spielminuten in der Münchner EM-Arena. Damit steht das Team von Bundestrainer Joachim Löw schon ziemlich unter Druck in diesem Turnier, das für sie mit dem zweiten Gruppenspiel am kommenden Samstag (18 Uhr) gegen Titelverteidiger Portugal weitergeht. Frankreich gewann, das Spiel entschied aber ein deutscher Akteur. Mats Hummels unterlief ein Eigentor (20.).

Deutschland startet engagiert

Beim Anpfiff wacher war die DFB-Elf. Sie begann konzentriert begann, das Spiel erstmal im Griff hatte. Schnell wurde klar: Beide Teams würden einander nichts schenken an diesem lauwarmen Abend in der bayrischen Landeshauptstadt. Es ging ordentlich zur Sache. Joshua Kimmich etwa rauschte mehrmals in den ersten 45 Minuten mit Lucas Hernandez zusammen, seinen Klubkollegen von Bayern München.
Bundestrainer Joachim Löw schickte wie erwartet jene Elf auf den Platz, die schon beim letzten EM-Test gegen Lettland die Startelf gebildet hatte. Joshua Kimmich rückte also raus auf die rechte Seite, in der Mittelfeldzentrale agierten Toni Kroos und Ilkay Gündogan. Jedoch nicht so wirkungsvoll wie erhofft. Hinten sollte eine Dreierformation um Routinier und Rückkehrer Mats Hummels für Stabilität sorgen, den Mega-Sturm der Franzosen um Superstar Kylian Mbappè bändigen.
Das funktionierte nur bedingt. Die Franzosen stellten, angetrieben von und dirigiert von den überragenden Mittelfeld-Assen Paul Pogba und N’Golo Kanté, ihre Klasse immer wieder unter Beweis. Da musste die deutsche Defensive Schwerstarbeit verrichten und auf der Hut sein. Nach einer Viertelstunde wurde der Weltmeister schließlich immer stärker. Und ging unter genädiger Mithilfe des DFB-Teams in Führung. Mats Hummels wollte eine scharfe Hereingabe von Lucas Hernandez klären, bugsierte dabei jedoch den Ball ins eigene Netz. Da war Manuel Neuer im deutschen Kasten machtlos. 1:0 für Frankreich (20.). Was für eine bittere Aktion für den Abwehrchef von Borussia Dortmund!

Stürmer kommen nicht durch

Wie würden die Löw-Schützlinge auf den Eigentor-Schock reagieren? Nun, sie suchten zumindest den Vorwärtsgang, blieben aber immer wieder hängen. Kai Havertz, Serge Gnabry und der umtriebige Thomas Müller hatten einen schweren Stand gegen die Abwehr um Raphael Varane von Real Madrid und Presnel Kimpembe von Paris St. Germain.
Torchancen blieben für die DFB-Auswahl rar. Ilkay Gündogan hatte eine Möglichkeit, vergab aber von Pogba bedrängt (38.). Das war es auch schon in der ersten Hälfte. Es fehlten der bemühten Löw-Elf schlicht zündende Ideen und Durschlagskraft.
14 500 Zuschauer waren für das Match in München zugelassen. Sie machten mächtig Rabatz, sorgten für eine großartige und die so lange vermisste Stimmung. Die Spieler schien das regelrecht zu beflügeln.
Auch nach der Pause blieb es eine intensive Auseinandersetzung. Mit Chancen auf beiden Seiten. Zunächst traf Adrien Rabiot nach Mbappè-Zuspiel den Pfosten, dann vergab Gnabry die bis dato beste Möglichkeit für die Deutschen – die nun spürbar einen Gang zulegten, immer wieder anliefen, Konter der Franzosen zumeist unterbanden. Die Elf von Trainer Didier Deschamps agierte ruhig und abgeklärt, ließ die Deutschen kommen – und schlug dann doch wie aus dem Nichts in Weltklassemanier zu. Kylian Mbappè schlenzte den Ball aus spitzer Distanz ins Tor (67.). Der Treffer aber zählte zum Glück für die DFB-Elf nicht. nicht. Der Torschütze hatte im Abseits gestanden.

Einwechslungen und hohes Risiko

Der Bundestrainer reagierte  und brachte mit Timo Werner und Leroy Sanè zwei frische Offensivkräfte auf den Platz. Die deutsche Mannschaft riskierte nun noch mehr, öffnete damit mitunter die Räume für die superschnellen Franzosen. Am Ende wollte den Löw-Schützlingen kein Treffer mehr gelingen. Es blieb beim 0:1. „Wir haben das Spiel oft kontrolliert. Ein unglückliches Tor hat dieses Spiel entschieden“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos nach dem Abpfiff.