Es ist ein besonderer Tag für Mannschaft und Fans des 1. FC Union Berlin. Erstmals seit Anfang März gegen den SC Freiburg findet ein Spiel wieder vor Zuschauern statt. 4500 Vereinsmitglieder haben in einer Verlosung für das Testspiel am Sonnabend gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg Karten gewonnen. Und nach dieser langen Zeit war die Vorfreude entsprechend groß.

Gänsehaut bei den Fans

„Ich habe einfach nur Gänsehaut“, sagt Mike Hübner rund 60 Minuten vor dem Anpfiff vor der Haupttribüne. Der eiserne Fan aus Grünheide (Oder-Spree) ist genauso ausgedörrt, wie die meisten, die auf den Tribünen stehen oder Platz nehmen dürfen. Auch er, der sonst alle Spiele der Köpenicker verfolgt, hat seine Lieblinge zum letzten Mal gegen Freiburg live im Stadion gesehen. Dass nur 4500 Zuschauer zu der Partie gegen die Franken zugelassen sind, empfindet er als enttäuschend. „Da kommt gar nicht die Stimmung wie sonst rüber“, sagt Hübner.
Nicht ganz so sieht das Peter Tschorr. Der Berliner hält es „für wichtig“, dass überhaupt wieder Fußballspiele vor Zuschauern stattfinden. “Da sind 4500 ein gute Anfang, da geht die Stimmung auch los.“ Deshalb findet er den Weg, den der Verein geht auch richtig und ist froh, dass das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick der Möglichkeit zustimmte. Denn ohne Fußball, „da fehlte mir einfach irgendwas, denn es ist doch einfach viel schöner seine Mannschaft live zu unterstützen“, sagt der Dauerkarteninhaber. Dass er eine Karte für das Testspiel gegen Nürnberg ergattert hat, darüber ist er „überglücklich“. Deshalb hat er sich statt des üblichen Stehplatzes diesmal eine Tribünenkarte geleistet.

Fans im Stadion sind kaum zu hören

Gleichwohl ist die Stimmung weiter ungewohnt. Normalerweise ist der Geräuschpegel schon 40 Minuten vor dem Spiel grandios. Am Sonnabend sind die Fans im Stadion noch kaum zu hören, Gesänge sind noch Fehlanzeige.
Jubel brandet erstmals auf, als die Mannschaft um 16:54 Uhr den Rasen betritt und sich Team sowieso Fans gegenseitig beklatschen. Weiter geht es, als Stadionsprecher Christian Arbeit als erstes Wort sein übliches „Unioner“ ins Mikrophon spricht und anschließend die Fans begrüßt. Und weil die Partie nicht nur das letzte Testspiel vor dem Pflichtspielstart in Pokal am 12. September beim Kalrsruher SC ist, sondern auch als Partie zum 100-Jährigen Jubiläum gilt, sangen die Fans inbrünstig „Alte Försterei, Alte Försterei“. Als dann aber die Mannschaftsaufstellung verlesen wird und der Ruf „Fußballgott“ bei jedem Spieler erschallt, die „Union-Hymne“ von Nina Hagen ertönt, Schals in die Höhe gereckt werden sowie der Anpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert erfolgt, und die Anfeuerungsrufe „Eisern Union“ erschallen, ist es fast schon so, wie noch vor der Corona-Zeit.