Selbst freistehend und aus Nahdistanz schaffte es der eingewechselte Pascal Köpke nicht, National-Torwart Manuel Neuer zu überwinden. Es war die einzige echte Torchance der Berliner, und es hätte sich beim Stand von 0:4 zwar nur um Ergebniskosmetik gehandelt, aber darum ging es Trainer Jürgen Klinsmann nicht bei der folgenden Analyse.
"Wir brauchen mehr Durchschlagskraft nach vorne, brauchen mehr Mut", sagte der Coach, selbst ehemaliger Stürmer von Weltformat, über seine Angreifer. "Wenn du bei 0:4 die Chancen zum Tor hast, dann musst du die nutzen. Du muss dir als Stürmer mehr zutrauen und den Ball reinmachen." Wie das geht, zeigten die nach der Pause treffsicheren Münchner. Thomas Müller, Robert Lewandowski per Foulelfmeter, Thiago und Ivan Perisic sorgten im ausverkauften Olympiastadion mit ihren Toren dafür, dass Hertha bis auf zwei Punkte an die Abstiegszone heranrutschte.
Qualität fehlt
Natürlich war auch das Spielsystem der Berliner gegen den Rekordmeister nicht auf Offensive ausgelegt. Für Stürmer wie Davie Selke, der bis zur Einwechselung von Köpke für Dodi Lukebakio, als Stoßstürmer agierte, war dies sicher problematisch. "Man hat lange Wege, und die hohen Bälle sind nicht immer einfach zu verarbeiten", rechtfertigte sich Selke. Gleichwohl muss festgehalten werden, dass die Qualität des Hertha-Angriffs derzeit nicht ganz den Anforderungen entspricht. Selke läuft viel, aber sichert kaum Bälle und vergibt, wenn er mal vor dem Tor steht, fahrig seine Gelegenheiten.
Lukebakio hat zwar nette Szenen im Dribbling, baute aber wie die gesamte Mannschaft nach dem ersten Gegentor dramatisch ab. Auch Javairo Dilrosun agierte zu überhastet. Ältere Semester wie Salomon Kalou (34). der bei Klinsmann nicht mal mehr mit der Mannschaft trainieren darf, und Kapitän Vedad Ibisevic (35) haben zudem beim Trainer einen schweren Stand.
Weil die Lage vorne nicht rosig ist, fahndet der Hauptstadtclub jetzt intensiv nach einer sofortigen Verstärkung für den Angriff. "Wenn wir was finden im offensiven Bereich, würde uns das enorm helfen", sagt Klinsmann und verriet: "Wir sind am Arbeiten." Transferschluss ist am 31. Januar. Große Namen wie die bereits medial gehandelten Mario Götze und Julian Draxler würde dabei keine Rolle spielen, sagt der 55-Jährige. "Es geht nur um Qualitätsverbesserung." Obwohl ein Götze oder Draxler dies wohl darstellen würden.

Kampfansage an die Konkurrenz

Die Botschaft aus Berlin war klar. Thomas Müller ließ daran keine Zweifel. "Wir sind eine Mannschaft, die in der Lage ist zu liefern, wenn sie muss", betonte der Ex-Nationalspieler. Man habe die passende Antwort auf die Siege der Rivalen gegeben, betonte der 30-Jährige, der speziell Spitzenreiter RB Leipzig eine Kampfansage machte. Die Jagd ist nicht eröffnet, nein, "die läuft die ganze Zeit schon". Müller spielte auf das Titelrennen der Vorsaison an. Nach dem 18. Spieltag lagen die Bayern damals sechs Punkte hinter Borussia Dortmund und wurden Meister. Ein Jahr später liegen sie "nur" vier Zähler hinter RB.  dpa