• Der 1. FC Union Berlin gewinnt im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Zweitligist FC St. Pauli mit 2:1 (1:1).
  • Weiter geht es für Union Berlin in der Fußball-Bundesliga mit dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg
  • Unions Kommunikations-Chef Christian Arbeit rückt den Begriff Kultclub zurecht.

So ist die Lage bei Union Berlin nach dem Spiel gegen FC St. Pauli

Die großen Favoriten und Sieger der vergangenen Jahre vom FC Bayern und Borussia Dortmund sind schon raus. Der DFB-Pokal ist in dieser Saison das Terrain von ambitionierten Außenseitern. Die Chance für Union auf den zweiten Halbfinal-Einzug im DFB-Pokal nach 2001, als sogar der Sprung ins Finale gelang, das gegen Schalke 04 0:2 verloren wurde, waren also groß. Und sie wurde mit dem 2:1-Erfolg gegen den Zweitligisten genutzt. Damit endete auch Eisernen die unselige Serie der vergangenen 21 Jahre im DFB-Pokal. Nachdem zuletzt alle sieben Heimspiele in der Alten Försterei verloren gegangen waren, gab es nun wieder einen Erfolg und den aufgrund der zweiten Hälfte verdienten Sprung ins Halbfinale.

Union Berlin gegen FC St. Pauli – so fielen die Tore

0:1 Daniel Kofi Kyereh (21.)
Der Hamburger zirkelt einen von Timo Baumgartl an ihm selbst verursachten Freistoß aus 17 Metern in die Torwart-Ecke. der Ball springt über Rönnows Hände ins Netz.
1:1 Sheraldo Becker (45.)
Der Unioner hebt den Ball über den Hamburger Jakov Medic ins leere Tor, nachdem zuvor Taiwo Awoniyi am herausstürzenden Torwart Dennis Smarsch scheiterte.
2:1 Andreas Voglsammer (75.)
Der Berliner profitiert von einem Fehler des Hamburgers Medic, der bei einer Drehung ausrutscht und so den Weg zum erfolgreichen Flachschuss des Unioners freimacht.

So ging Union Berlin ins Spiel gegen FC St. Pauli

Anders als in der Bundesligapartie gegen den FSV Mainz 05 verzichtete Union-Trainer Urs Fischer diesmal auf eine große Rotation. Der Schweizer nahm im DFB-Pokal gegen St. Pauli nur zwei Änderungen vor. Andreas Voglsammer und Torwart Andreas Luthe saßen diesmal auf der Bank. Das Vertrauen erhielt „Pokal-Torwart“ Frederik Rönnow. Und im Angriff rückte Taiwo Awoniyi wieder neben Sheraldo Becker in das 3-3-2-2-System.
Bei den Gästen aus Hamburg standen zwei Spieler im Kader, die mit der Hauptstadt beziehungsweise Union verbunden sind. Im Tor des FC St. Pauli stand mit Dennis Smarsch einen Schlussmann der bei Lokarivale Hertha BSC ausgebildet wurde. Und Mittelfeldspieler Marcel Hartel gehörte zu den Bundesliga-Aufstiegshelden 2019 des 1. FC Union und wurde wie üblich mit „Fußballgott“ begrüßt.

So lief das Spiel Union Berlin gegen FC St. Pauli

Die Partie begann im Zeichen des Friedens und der Bande „Frieden für die Ukraine“. Dazu zitierte Stadionsprecher Christian Arbeit Kant. Es folgte wie gegen Mainz erneut eine Schweigeminute. ‚Der Auftakt gelang dagegen nicht ganz so erfolgreich, denn die erste Chance setzt Kapitän Christopher Trimmel bei einem Freistoß an der Strafraumgrenze in die Mauer. Danach zeigten die Hamburger, warum sie Borussia Dortmund aus dem Pokal kegelten. Mit einer stabilen - zur Not - auch mal Sechser-Abwehrkette und einem kompakten Mittelfeld machten sie Union, das zu hektisch agierte, das Leben schwer. Und auf einmal war der Schock da und die Alte Försterei kurz ganz still, als Kyereh von Hartel vorgelegt, den Ball zur Führung für den Zweitligisten versenkte. Union mühte sich, aber wenig erfolgreich. Die Erlösung kam Sekunden vor der Pause als Becker die einzige Unsicherheit der St. Pauli-Abwehr zum Ausgleich nutzte..
In der zweiten Hälfte versuchte Union sofort mehr Druck aufzubauen, aber Becker und Awoniyi flogen erst an einer Baumgartl-Eingabe vorbei und Trimmels Versuch wurde geblockt. Danach entwickelte sich eine Pokalpartie auf des Messers Schneide, in der auch die Härten zunahmen. Aber Union hat ja noch das glückliche Händchen von Trainer Fischer und Pokalheld Andreas Voglsammer. Der Ringkampf zwischen Voglsammer und Medic hätte schon Elfmeter für Union zur Folge haben können (69.) Sechs Minuten später standen beide wieder im Mittelpunkt. Diesmal mit dem besseren Ende für den Berliner, der zum 2:1 traf. Am Ende hätte der Stürmer, der für sein Tor im Achtelfinale gegen Hertha BSC mit dem „Tor des Monats“ geehrt wurde, seinen effizienten Einsatz noch mit dem dritten Treffer krönen können, traf aber nur den Pfosten. Den Fans war es egal, sie starteten die stehenden Ovationen schon Minuten vor dem erlösenden Abpfiff und feierten ihr Team noch auf einer Ehrenrunde.

Union Berlin gegen FC St. Pauli – die Statistik

Union Berlin – FC St. Pauli 2:1 (1:1)
Union Berlin: Rönnow - Jaeckel, Knoche, Baumgartl - Trimmel (87. Ryerson), Khedira, Gießelmann - Haraguchi (77. Behrens), Prömel - Awoniyi (65. Voglsammer), Becker (87. Michel).
FC St. Pauli: Smarsch - Zander (82. Matanovic), Medic, Paqarada - Beifuss (82. Christoffersen), Irvine, Aremu (46. Becker) , Hartel, Dittgen (39. Ritzka) - Kyereh, Burgstaller,
Tore: 0:1 Kyereh (21.), 1:1 Becker (45.), 2:1 Voglsammer (75.) - Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach) - Gelbe Karten: Becker - Zuschauer: 10 000

Union Berlin gegen FC St. Pauli - die Reaktionen

Christopher Trimmel (Kapitän 1. FC Union Berlin): „Wir haben Qualität verloren, aber die anderen zeigen, dass sie das kompensieren können. Ich schaue nicht darauf, wer morgen gewinnt und gegen wen wir spielen könnten. Wir nehmen es, wie es kommt.“
Andreas Voglsammer (1. FC Union Berlin): „Man muss ein bisschen das Näschen haben, dass so ein Fehler passiert. Vielleicht lernt auch so etwas  in Rosenheim. Der Trainer hat gesagt, ich soll Gas geben. Das habe ich gemacht.“
Timo Schultz (Trainer FC St. Pauli): „Ausgeschieden! Schade, dass die Reise zu Ende ist. Wir hätten gerne gewonnen, waren aber heute nicht gut genug. Die kleinen Fehler wie das Wegrutschen werden auf diesem Niveau bestraft. Wir haben einen Tag Zeit traurig zu sein. Dann geben wir Gas, denn wir haben in der zweiten Liga noch Großes vor.“
Urs Fischer (Trainer 1. FC Union Berlin): „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie gegen Widerstände wie den Rückstand aus dem Nichts anzukämpfen versteht. Das war grandios. Auch wenn ich es innerlich noch nicht zeige, ich freue mich, dass wir im Halbfinale stehen, habe das den Jungs auch schon gesagt. Und ich habe so ein Bauchgefühl, dass St. Pauli den Aufstieg schafft.“

So geht es für Union Berlin weiter

Die nächste Aufgabe von Union Berlin bürgt eine gewisse Brisanz in sich. Am 5. März (15.30 Uhr) reist Union Berlin an den Mittellandkanal zum VfL Wolfsburg und trifft dabei auf den verflossenen Angreifer Max Kruse. In der Hinrunde der Fußball-Bundesliga kamen die Köpenicker gegen die Niedersachsen durch Tore von Sheraldo Becker und Taiwo Awoniyi zu einem 2:0-Erfolg.

Und sonst noch bei Union Berlin?

Vereinspräsident Dirk ‚Zingler äußerte sich zum Ukraine-Konflikt und ddie harten Sanktionen gegen Russland im Sport: „Ich hoffe, dass wir irgendwann wieder zu einer Differenzierung kommen, dass wir zwischen Staat und Volk unterscheiden. Jetzt muss Russland seinen Preis bezahlen, das ist richtig. Wir dürfen aber nicht das russische Volk verlieren.“
Und Kommunikations-Chef Christian Arbeit vom 1. FC Union Berlin hat vor dem Pokalspiel gegen den FC St. Pauli mit einem Zitat für Aufsehen gesorgt und doch nur eine Realität noch einmal benannt, nachdem der Begriff „Kultclub“ im bezahlten Fußball manchmal ein bisschen zu positiv dargestellt wird. „Beide Vereine sind Bestandteil des Profi-Fußballs. Die mythische Überhöhung der Dinge sollten wir nicht übertreiben. Die Antikommerzvereine spielen mit Sponsoren und haben einen Schriftzug auf der Brust.“ Recht hat er, aber ein bisschen Folklore und echte Liebe zum Verein hat auch noch nie geschadet.
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