Ob Kreisklasse oder Regionalliga – im Winter ist auf den Brandenburger Plätzen manchmal das Wetter der schlimmste Gegner für beide Teams. Längst nicht überall kann gespielt werden, viele Vereine sind von Schnee und Eis betroffen. Die ersten Brandenburger Vereine wie Oberligist 1. FC Frankfurt oder Regionalligist Energie Cottbus sollen am Wochenende des 21./22. Januar mit Nachholspielen in die Rückrunde starten, doch nun ist der Winter im Land zurück.
Was sagt das Regelwerk eigentlich zu witterungsbedingten Absagen, wenn grüner Rasen nur bedingt zu sehen ist? Witterungsbedingt gibt es nur wenige Gründe für eine Absage, erklärt Robert Nitz, der Vorsitzende des Fußballkreises Ostbrandenburg. Als langjähriger Schiedsrichter hat er genügend Erfahrung mit widrigen Bedingungen.

Es gibt nur vier Gründe für eine witterungsbedingte Absage

Selbst pfiff Nitz einmal bei -12°C ein Spiel in Eberswalde und schrammte damit nur knapp an der Grenze für eine Absage vorbei. Ab -15°C (bzw. -10°C mit starkem Wind) wird nicht angepfiffen. Zudem gibt es noch drei weitere Gründe für eine Absage, erklärt Nitz: Eis unter dem Schnee, große und zusammenhängende Wasserflächen auf dem Platz sowie die eingeschränkte Sicht von Tor zu Tor bei Nebel. Die Schneehöhe ist vollkommen irrelevant. Entscheidend ist im Winter, ob der Platz gefroren ist.
„Schnee ist keine Ausrede dafür, dass nicht gespielt werden darf“, betont der Referee und erklärt die Grundlage für den Entscheidungsprozess: „Die oberste Prämisse ist eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Spieler.“ In der Spielordnung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) gibt es nur sehr rudimentäre Vorgaben: „Die Schiedsrichter haben vor dem Spiel zu prüfen: a) die Bespielbarkeit des Platzes, b) den Aufbau des Spielfeldes, [...] d) den oder die Bälle.“
Bei ungünstigen Bedingungen sei Kontakt mit dem Ansetzer und dem gastgebenden Verein aufzunehmen. Der Gastgeber hat oft aber auch nur beschränkte Einflussmöglichkeiten, sagt Nitz. „Alles im Vorfeld liegt meistens bei der Kommune. Die Vereine sind ja in den wenigsten Fällen Eigentümer der Plätze.“
Heimsieg: Der mehr schlecht als recht geräumte Platz von Concordia Buckow tat dem Spiel des Tabellenführers der Landesliga Süd keinen Abbruch. Am Ende stand ein klares 7:1 gegen den BSV Guben Nord.
Heimsieg: Der mehr schlecht als recht geräumte Platz von Concordia Buckow tat dem Spiel des Tabellenführers der Landesliga Süd keinen Abbruch. Am Ende stand ein klares 7:1 gegen den BSV Guben Nord.
© Foto: Anna Zeller/Fupa

Im Tiefschnee hilft auch ein roter Ball kaum noch weiter

In der Praxis sieht es dennoch oft so aus, dass die Vereine ihre Fans einladen, selbst mit anzupacken und zur Schneeschippe zu greifen. So werden bei manchen Spielen immerhin die Strafräume freigeräumt oder zumindest die Linien, die für Spieler und Schiedsrichter erkennbar sein müssen.
Die Aufräumarbeiten gelingen mal mehr, mal weniger. Ein Positivbeispiel bot zuletzt zweifellos die Regionalliga Nordost. Trotz mehrerer Zentimeter Schnee räumten die Fans von Rot-Weiß Erfurt den Platz am 4. Dezember 2022 so gut, dass das Spitzenspiel gegen Energie Cottbus auf komplett grünem Rasen stattfinden konnte.
Spiel im Schnee: In der Landesliga Nord trafen am Wochenende der Birkenwerder BC und Fortuna Glienicke unter winterlichen Bedigungen aufeinander.
Spiel im Schnee: In der Landesliga Nord trafen am Wochenende der Birkenwerder BC und Fortuna Glienicke unter winterlichen Bedigungen aufeinander.
© Foto: Matthias Haack
Etwas schlechter gelang das auf anderen Plätzen, wo unter dem roten Ball eine Menge Weiß zu sehen war. In der Oberliga Süd half sogar die auffällige Ballfarbe nicht mehr weiter, der VfB Krieschow spielte Anfang Dezember gegen den VfC Plauen im Tiefschnee des Vogtlands. „Der Schnee lag mindestens zehn bis zwanzig Zentimeter hoch und der Platz war dadurch sehr holprig“, erzählte danach Trainer Toni Lempke. Weil nichts gefroren war, konnte das Spiel dennoch stattfinden.
Suchbild: In der Oberliga Süd gastierte der VfB Krieschow am Sonnabend beim VFC Plauen. Haben Sie den Ball auf diesem Foto aus dem Vogtlandstadion schon entdeckt?
Suchbild: In der Oberliga Süd gastierte der VfB Krieschow am Sonnabend beim VFC Plauen. Haben Sie den Ball auf diesem Foto aus dem Vogtlandstadion schon entdeckt?
© Foto: Ilong Göll

Am kommenden Wochenende könnte bereits weiterer Schnee warten

Auf die nächsten Schneespiele müssen die Brandenburger Vereine und ihre Fans möglicherweise gar nicht lange warten. Schon an diesem Wochenende ist die Wahrscheinlichkeit für die nächsten Schneeballschlachten hoch.
Fast im ganzen Land gibt es Temperaturen um den Gefrierpunkt, mancherorts soll mal mehr, mal weniger Schneefall dazukommen. Wenn der Untergrund nicht friert, könnte angepfiffen werden. Allerdings ist es auch möglich, dass der Pflichtspielauftakt des neuen Jahres noch einmal verschoben wird.