Als es nach vier Minuten schon 0:3 stand, bahnte sich ein Debakel für den Neuzeller SV gegen Energie Cottbus an. Natürlich, zwischen dem Kreisligisten und den Regionalliga-Fußballern liegen Welten, aber so wollte man sich sicherlich nicht präsentieren, erst Recht nicht, weil mit dem Spiel vor gut 800 Zuschauern der 100. Vereinsgeburtstag gefeiert werden sollte.
Und dann war da ja auch noch das Ziel von Neuzelles Kapitän Christian Raatz: „Eigentlich wollten wir unter 20 bleiben und eins wollten wir gerne schießen.“ Beides gelang nicht. Dass es beim 0:20 aber knapp mit dem selbst gesetzten Ziel wurde, verdankt der Kreisligisten seinen beiden Torhütern.

Der Torhüter rettet den Trainer vorm Eigentor

Im Kasten stand zu Beginn Denny Jänchen, für den es genauso wie für seine Teamkollegen zunächst viel zu schnell ging, ehe sich die Hintermannschaft etwas fing. Auch Jänchen durfte sich dann im Laufe der ersten Halbzeit auszeichnen, parierte einige Male im eins-gegen-eins und rettete seinen Trainer Marcel Seidemann, der als Spieler selbst auf dem Platz stand.
Nach einer guten halben Stunde versuchte der Spielertrainer eine Hereingabe zu klären, spitzelte die Kugel aber aufs eigene Tor, wo Jänchen das Leder von der Linie kratzte. „Da hab ich zum Torhüter gesagt, rette mich bitte!“, berichtete Seidemann nach seiner Auswechslung mit einem Lachen. Dieser Treffer war verhindert, der Keeper musste den Ball bis zur Pause dennoch 13 Mal aus dem Netz holen.

Ein Stürmer bringt als Torhüter die Gegner zur Verzweiflung

Nach Wiederanpfiff kam Ersatzmann Lucas Werner zu seinem Einsatz gegen die Energie-Profis. Sowieso nutzte der Trainer die zehn Auswechselmöglichkeiten, um all seinen Kickern Minuten im großen Spiel zu schenken. Werner bewarb sich in seinen 45 Minuten gleich für eine neue Position: „Eigentlich bin ich nicht mal Torwart, ich bin Stürmer!“
Vielleicht eine Erklärung für Werners Spezialität im Spiel: Gleich mehrere Abschlüsse wehrte der 22-Jährige mit dem Fuß ab und vereitelte damit Hundertprozentige. „Ich melde Mal als Stürmer und als Torwart an“, meinte Werner mit Blick auf die nächste Saison augenzwinkernd.
Gutes Stellungsspiel: Lucas Werner brachte die Cottbuser des Öfteren zur Verzweiflung – allerdings nicht in seiner eigentlichen Rolle als Stürmer, sondern als Torwart.
Gutes Stellungsspiel: Lucas Werner brachte die Cottbuser des Öfteren zur Verzweiflung – allerdings nicht in seiner eigentlichen Rolle als Stürmer, sondern als Torwart.
© Foto: Bernd Pflughöft
Neben dem Platz waren auch zwei Ordner von der starken Torwartleistung begeistert, baten aber: „Schreib das nicht, dass der so gut hält. Sonst müssen wir uns das die nächsten Monate auf jeder Party anhören.“

Die Stimmen zum Spiel im Video

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Die Party zum 100. Geburtstag folgte nach dem Spiel

Allzu lange mussten die Neuzeller auf die nächste Party gar nicht warten, denn die große Feier stieg schon am Abend nach dem Spiel gegen die Energie-Profis. Zum 100. Geburtstag hatte der Verein seit dem Morgen ein großes Rahmenprogramm veranstaltet, am Abend war dann Livemusik von drei verschiedenen Künstlern angesagt. Trainer Seidemann, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Klubs ist, war am Tag des großen Fests seit sechs Uhr auf den Beinen.
Das Ergebnis interessierte ihn daher auch gar nicht. „Besser als 0:100! Das Spiel war ein Bonus für alle, das Ergebnis ist zweitrangig. Es ist ein tolles Erlebnis für den ganzen Verein.“ Entsprechend feiern durften die Spieler, der Trainer selbst wollte mit Apfelschorle und Brause mitmachen. „Meine Jungs gehen nachhause, wenn es hell ist – oder schlafen gleich hier.“
Die nächste inoffizielle Mannschaftsfahrt ist auch schon geplant, am 8. Juli werden viele Neuzeller Spieler ins Stadion der Freundschaft zum Testspiel von Energie Cottbus gegen Hertha BSC fahren. Und vielleicht treffen sie ja zur 200-Jahr-Feier wieder auf die Cottbuser, wie Seidemann beim Gruppenfoto mit den Profis nach Abpfiff scherzte. Einen Wunsch für die etwas nähere Zukunft hat der Neuzeller nach der Partie aber noch: „Wir sind immer so bei 280 Mitgliedern, 300 ist das Ziel!“