Vor der Reise zum scheinbar übermächtigen FC Bayern musste Urs Fischer eine eigene Schwäche eingestehen. „Meine Geschwindigkeit hätte nicht ausgereicht, gegen die zu verteidigen“, sagte der Trainer des 1. FC Union Berlin, der beim FC Zürich und in St. Gallen als kompromissloser Defensivmann galt. Doch Bangemachen gilt nicht, denn Fischer hält seine Spieler für schnell und wehrhaft genug, um in München am Samstag (18.30 Uhr) gegen die offensive Supermacht um Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry wieder für eine Überraschung zu sorgen.

Trainer Urs Fischer von Union Berlin fordert Mut gegen Sturmgewalt des FC Bayern

„Du musst mutig sein, wenn es darum geht, die Bayern auch mal zu stressen. Das ist der Mut, den du mitnehmen musst“, sagte Fischer vor der Partie beim Rekordmeister und Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Das 2:5 aus dem Hinspiel sei auch nicht so schlecht gewesen, wie es das reine Ergebnis suggeriere, meinte der Schweizer. Mit einem Premierensieg in München hätte Union nach zuletzt nur vier Punkten aus sechs Spielen das Saisonziel von 40 Punkten mit einem Zähler schon übererfüllt.
Die Personallage macht es den Eisernen allerdings nicht einfacher. Es fehlen auf jeden Fall der nach seiner fünften Gelben gesperrte Grischa Prömel sowie die erkrankten Niko Gießelmann und Levin Öztunali. Ein Einsatz des zuletzt positiv auf das Coronavirus getesteten Genki Haraguchi ist fraglich. Das Mitwirken des kürzlich ebenfalls infizierten Stammtorwarts Andreas Luthe wird sich womöglich auch erst kurzfristig entscheiden. Gegen Stuttgart wurde dessen Ersatzmann Frederik Rönnow beim 1:1 kaum geprüft.

Ein Trio im Mittelfeld von Union Berlin fehlt gegen den FC Bayern

Gerade im zentralen Mittelfeld wiegt das Fehlern von Prömel, Öztunali und wohl Haraguchi schwer. Fischer schiebt aber jetzt schon Alibis bei Seite. „Wir haben noch Jungs zur Verfügung“, sagte der 56-Jährige. Einer wäre András Schäfer, der aber zuletzt bei seinen Kurz-Einsätzen gegen Borussia Dortmund (0:3) und Stuttgart noch Defizite zum Bundesliga-Niveau offenbarte. Sein Trumpf könnte sein: Er weiß, wie man in München ein Tor gegen Manuel Neuer schießt. Demonstriert beim 2:2 mit Ungarns Nationalmannschaft im vergangenen Sommer bei der EM gegen Deutschland.

Cottbus/Leverkusen

Das eigene 1:1 in der Vorsaison in München gegen die Bayern wertet Fischer als Pluspunkt für Union. „Du nimmst mit, dass du auch schon punkten könntest. Du brauchst einen sehr guten Tag und das nötige Spielglück muss auf deiner Seite sein“, sagte der 56-Jährige. Seine Spieler sollten sich „darauf freuen, gegen die Besten zu spielen.“ Dabei sollten sie halt möglichst schneller sein, als es ihr Trainer zu seinen aktiven Zeiten war.