Bei aller Euphorie nach dem erneuten, sensationellen Einzug in den Europapokal wollen sie in Köpenick noch eine Woche auf dem Boden bleiben. „Es liegt nicht an uns zu träumen, sondern zu liefern nächsten Samstag. Es wird ein ganz schwieriges Heimspiel gegen Bochum“, sagte Trainer Urs Fischer vom 1. FC Union Berlin bei Sky am Samstag.
Denn klären müssen die Eisernen im letzten Saisonspiel gegen den VfL Bochum noch die Frage, in welchem Europacup sie diesmal antreten. Die Champions League ist noch möglich, aber unrealistisch und hätte sich bei einem Sieg von RB Leipzig am Sonntagabend gegen den FC Augsburg auch schon erledigt. Mit einem Sieg gegen Bochum wäre Köln als letzter Rivale um einen Platz in der Europa League distanziert. Läuft es schlecht, geht es ab August wieder in den Play-offs zur Conference League los.

Trainer Urs Fischer ersetzt „schlussendlich“ durch „außergewöhnlich“

Doch auch Fischer war bei allem Fokus auf das Spiel gegen den VfL Bochum begeistert von seiner Mannschaft und dem 4:1 beim Konkurrenten SC Freiburg. Wenn es so weitergeht, könnte „außergewöhnlich“ in den Statements des Schweizers bald „schlussendlich“ als am häufigsten genutzte Vokabel ablösen. „Wir haben uns zum zweiten Mal für Europa qualifiziert in der Meisterschaft. Das ist aus meiner Sicht wirklich etwas Außergewöhnliches“, sagte er.
Auch die Leistung seines mal wieder bärenstarken Stürmers Sheraldo Becker bedachte der 56-Jährige mit diesem Wort. Mit seinem Erstaunen im Angesicht des Erreichten war er nicht alleine. „Wenn mich im Sommer jemand gefragt hätte, ob Union wieder in den Europapokal kommt, hätte ich gesagt: Ich traue ihnen viel zu, aber das? Wie sollst du das machen? Ich weiß nicht, wie sie es gemacht haben. Aber sie haben es gemacht. Ich kann nur alle Hüte ziehen“, sagte Freiburg-Trainer Christian Streich.

„Wer hat Bock, diese Band nächstes Jahr durch Europa zu begleiten?“ - Unions Twitter-Account

„Es ist unfassbar, was wir hier als kleiner Verein auf die Beine stellen“, sagte Grischa Prömel, der die Eisernen im Sommer in Richtung Hoffenheim verlässt, wo in der kommenden Saison kein Europapokal gespielt wird. In Köpenick planen sie dagegen schon wieder ihre Reisen quer durch den Fußball-Kontinent. „Wer hat Bock, diese Band nächstes Jahr durch Europa zu begleiten?“, lautete die Frage des offiziellen Twitter-Accounts des 1. FC Union Berlin, garniert mit einem Foto des Teams als eingeschworener Spielerkreis. Andreas Luthe hatte schon das sportlich schwer Begreifbare in ein digitales Kürzel gepackt. „Europa 2.0“, lautete die Online-Botschaft des Torhüters.
Fünf Siege holte Union aus den letzten sechs Ligaspielen. Doch das eine Remis in dieser Phase dürfte als Warnung für das kommende Wochenende gelten: Nur zu einem 1:1 reichte es gegen die SpVgg Greuther Fürth, die da schon als Absteiger feststand. Auch für Bochum geht es sportlich nicht mehr um viel. Auch deswegen dürfte Fischer schon am Samstag Fokussierung eingefordert haben - damit Unions Saison noch etwas außergewöhnlicher werden kann.
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